KUSTERDINGEN. "Die Veränderungen beim Wetter sehen wir Landwirte immer mehr", stellte Kreisobmann des Kreisbauernverbandes Tübingen/Zollernalb Jörg Kautt zu Beginn der Sprengelversammlung in Kusterdingen fest. Doch nicht nur zu viel oder zu wenig Niederschlag bereitet den Landwirten Sorge, auch zahlreiche bürokratische Hürden müssen genommen werden. 2025 war ein gutes Jahr, um Mais zu säen, "nicht so ein Kampf wie im letzten Jahr", so Kautt. Dafür fehlte der Regen für den zweiten Schnitt im Grünland. Der kam ungelegen kurz nach Anlauf der Getreideernte - und das dann für 14 Tage. Dies hatte Auswirkungen auf die Erträge und die Qualität der Sorten (Brot- und Futtergetreide). In der Gesamtbilanz verzeichnete der Kreisbauernverband eine durchschnittliche bis gute Getreideernte, die Sommergerste war überdurchschnittlich gut. Negativ entwickelt habe sich dagegen der Preis, der nochmals niedriger als im Vorjahr lag. "So ist eine kostendeckende Getreideproduktion nicht darstellbar. Auch der Heumarkt stagniert: "Niedrige Preise bei hohen Kosten", bilanziert der Kreisobmann.
Während die Rindfleischpreise trotz Druck aus Osteuropa stabil geblieben sind, sanken die Werte bei Schweinefleisch erheblich: »Die Schmerzgrenze ist erreicht«, so Kautt. Ungutes prophezeit er auch bei der Milchpreisentwicklung – hier sehen Experten einen Rückgang von 15 Prozent am Horizont. Ähnlich ist es im Biobereich. Die tierische Erzeugung ist noch gut, die pflanzliche schlecht. »Auch die biologisch wirtschaftenden Betriebe haben eine enorme Kostensteigerung erfahren, die durch die Erlöse nicht gedeckt wird«.
Gleiche Standards in Europa gefordert
Kritik übt der Kreisbauernverband auch an der europäischen gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Gegenüber 387 Milliarden im Finanzrahmen von 2021 bis 2027 werden nun nur noch 300 Milliarden vorgesehen – dies wäre eine Kürzung von über 20 Prozent. Zudem soll es einen Topf geben zur Stärkung der ländlichen Räume. »Was bedeutet, dass es in Europa 27 unterschiedliche Agrarpolitiken geben wird, ebenso Klima- und Umweltvorgaben – wir fordern schon lange gleiche Standards«, berichtet Kautt. Der Deutsche Bauernverband (DBV) und der europäische Bauernverband (COPA) haben sich massiv dagegen gewehrt – mit Erfolg, es wird neu verhandelt.
An die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hatten die Landwirte große Erwartungen, bis auf die Rückerstattung beim Agrardiesel wurde die Hoffnung auf Besserung jedoch enttäuscht. Das »Bundesumbauprogramm Tierhaltung« wurde gestrichen, weil die Gelder fehlen. Fakt ist: die Ansprüche der Gesellschaft ans Tierwohl sind vorhanden und steigen, die Bürger sind aber nicht willens die Mehrkosten dafür zu zahlen. »So wird aus dem argentinischen Rind plötzlich ein Freilandrind, welches dann mit dem Schiff nach Europa kommt. Ob man so zu mehr Tierwohl kommt ist fraglich.«
Bürokratiemonster EU-Bodenmonitoring
Ein neues Bürokratiemonster sieht der Kreisbauernverband auch im neuen EU-Bodenmonitoringgesetz und der Öko-Verordnung für Bio-Betriebe zur Weidehaltung. Mit solchen Verpflichtungen »ohne örtliche Gegebenheiten zu berücksichtigen, werden es sich umstellungswillige Betriebe zweimal überlegen. Wie Baden-Württemberg so 30 bis 40 Prozent Biobetriebe erreichen will – keine Ahnung«, so das Fazit des Kreisobmanns. Überhaupt sei man von Landes-Agrarminister Peter Hauck »sehr enttäuscht«.
Im Anschluss erläuterte Stefanie Notter neue und aktuelle Themen aus Sicht des Landwirtschaftsamts. So gab es hier personelle Veränderungen der Ansprechpartner, neue Verordnungen zur Gülleausbringung mit mehr Kontrollen und Dokumentationsauflagen für Pflanzenschutzmittel – ein vielfaches Kopfschütteln ob dieser Neuigkeiten war zu beobachten.
Kreisgeschäftsführerin Lisa Guth informierte die anwesenden Landwirte über Änderungen im Verband und gab Tipps für die Testamentgestaltung bei einer geplanten Hofübergabe. Im Anschluss gab es die Möglichkeit zur Diskussion und Fragestellung. (GEA)

