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Landschaft erleben: Das Wasser als ständiger Begleiter

TÜBINGEN. Es plätschert, sprudelt und rauscht: Auf einem großen Teil der Strecke ist das Wasser ständiger Begleiter. Die Landschaftsführung »Tübingen - eine Stadt, drei Flüsse« ist vom Neckar bestimmt und soll das Augenmerk auf die Täler lenken.

Landschaftsführerin Dagmar Mirbach mit Tessa an der gemächlich fließenden Steinlach.
Landschaftsführerin Dagmar Mirbach mit Tessa an der gemächlich fließenden Steinlach. Foto: Ines Stöhr
Landschaftsführerin Dagmar Mirbach mit Tessa an der gemächlich fließenden Steinlach.
Foto: Ines Stöhr
»Das Ziel liegt dabei im Erlebnis des Weges und des Unterwegsseins«, erklärt Dagmar Mirbach. »In der Begegnung mit der Landschaft selbst.« Schwerpunkt der 49-jährigen Philosophiedozentin ist die Naturästhetik.

Neckar. Der bei Villingen-Schwenningen entspringende 367 Kilometer lange Nebenfluss des Rheins ist der zwölftgrößte Fluss Deutschlands. An seinen Ufern wachsen vor allem Weiden, Erlen und Eschen. Ausgangspunkt der Tour ist das Taubenhaus auf der Neckarinsel.

Steinlach. Sie ist 22 Kilometer lang, entspringt bei Talheim und liegt dort 700 Meter über dem Meeresspiegel. Bis zu ihrer Mündung in den Neckar auf einer Höhe von 317 Metern nimmt sie einige Bäche wie den Ehrenbach und die Wiesaz auf, gewinnt ordentlich an Fahrt und diente daher früher auch als Mühlbach. Sie hat ein Einzugsgebiet von 138 Quadratkilometern und durchschneidet sämtliche Gesteinsschichten des Keupers. Sie bringt Wasserfälle hervor wie an der Unteren Mühle bei Mössingen und nordöstlich von Ofterdingen. Charakteristisch für die Steinlach sind die an ihren Ufern gepflanzten Baumreihen aus 30 Meter hohen Kanada-Pappeln. Das Schneckenpflaster im Bachbett der Steinlach in Ofterdingen ist seit mehreren Jahrzehnten als geologisches Naturdenkmal geschützt.

Ammer. Mit rund 22,5 Kilometern schlägt sie die Steinlach knapp an Länge. Sie entspringt aus mehreren Quellen südwestlich von Herrenberg, wird unterhalb des Österbergs vom Goldersbach verstärkt und fällt vom Ursprung bis zur Einmündung in den Neckar in Lustnau rund 94 Meter. Bis 1930 gab es gut zwei Dutzend Mühlen entlang der Ammer. Heute sind es nur noch zwei. Seit 1493 zweigt bei Unterjesingen rechts der Ammerkanal ab, der parallel zum Fluss in Richtung Tübingen fließt. Während die Ammer die Stadtgrenzen nur an der Nordseite berührt, durchfließt der Kanal die Altstadt, bevor er sich am Nonnenhaus erneut teilt und teilweise zurück in die Ammer, teilweise unterirdisch unter der Mühlstraße in den Neckar fließt.

Neckarkorrektion. Zur Stromerzeugung und um den Fluss bei Hochwasser zu kontrollieren, wurde 1910/11 in Tübingen eine der ersten Walzenwehrkonstruktionen Deutschlands errichtet. Das machte der Flößerei auf dem Neckar ein Ende. Bis 1899 wurde übers Wasser noch Holz aus dem Schwarzwald nach Stuttgart transportiert. Vor dem Bau des Wehrs war der Neckar voller Kiesbänke und hatte eine sehr flache Uferzone. Auch die Hochwasser, die immer wieder die damals wenigen Gebäude im Wöhrd überschwemmten und teilweise die Neckarbrücke gefährdeten, wurden mit diesem und anderen Wehren verhindert. Die vielen Wärmekraftwerke, deren Abwärme den Fluss aufheizt, machen den Neckar mit 16 Grad Durchschnittstemperatur zum wärmsten Fluss in Deutschland. Trotzdem ist er im Februar dieses Jahres zugefroren.

Hochwasser. Das letzte große Hochwasser des Neckars überflutete 1872 in Tübingen Wöhrd- und Karlstraße. Daraufhin wurde der Mühlkanal als Flutkanal ausgehoben. Auch der Lauf der Steinlach wurde zum Schutz der Verkehrswege im Steinlachtal und der Tübinger Südstadt vor Hochwassern begradigt.

Neckarbrücke. Die 1900 bis 1901 erbaute Eberhardsbrücke ersetzte eine Steinbrücke aus dem Jahr 1489. Sie führt mit zwei Betonbogen über den Neckar. In der Mitte befindet sich ein Zwickel, auf dem bis zum Krieg ein Türmchen mit einer Bronzestatue von Eberhard stand. Die Statue wurde im Krieg eingeschmolzen, der Zwickel zerstört und als Aussichtsplattform wieder hergestellt. Die Brücke sollte 1945 von der Wehrmacht gesprengt werden, um feindliche Soldaten aufzuhalten. »Die Sprengsätze waren schon gelegt«, erzählt Dagmar Mirbach. Der Wirt vom »Goldenen Ochsen« konnte das jedoch verhindern, indem er der Wehrmacht ein Vesper anbot.

Baden. Unterhalb der damals noch nicht gebauten Hochschule für Kirchenmusik gab es bis Ende des 19. Jahrhunderts die Hallerische Badeanstalt. Zu der Zeit war die Südseite des Österbergs noch fast vollständig mit Weinreben bepflanzt. Zwei Keltern gab es in der Gartenstraße. Weitere Bademöglichkeiten existierten unterhalb des Evangelischen Stifts und beim Wildermuthgymnasium.

Schifffahrt. Für die Schifffahrt ist der Neckar bei Tübingen zu flach. Fischer nutzten erstmals Stocherkähne. Das Stocherkahnfahren ist jedoch seit Langem ein fester Bestandteil der studentischen Kultur der Unistadt. In Tübingen gibt es über 100 Stocherkähne, die auf dem Neckar zugelassen sind. Alljährlich kommen Tausende Besucher an Himmelfahrt zum Stocherkahnrennen rund um die Neckarinsel.

Alleen. Die Platanenallee auf der Neckarinsel wurde in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts angelegt. Professoren nutzten sie in ihrer Freizeit zum Lustwandeln. Die Allee sollte im Zuge der Neckarkorrektion gefällt werden, um Raum für die Industrie zu schaffen, wurde mit der Gründung des Schwäbischen Heimatbundes aber gerettet. Eine Lindenallee gab es ab dem Wildermuthgymnasium Richtung Freibad. Vom Zinser, wo ehemals Hofmanns's Hotel und die Weinhandlung »Zum Goldenen Ochsen« standen, bis über den Anlagensee hinaus war Anfang des 20. Jahrhunderts eine Kastanienallee geplant. Die sollte von einer weiteren Allee vom Bahnhof zum Uhlanddenkmal gekreuzt werden. Das Vorhaben wurde nie realisiert. (GEA)

Landschaftsführungen

Die Tour beginnt am Taubenhaus auf der Platanenallee. Neckarabwärts geht's von dort vorbei am Zufluss der Steinlach bis zum Wehr.

Von dort weiter durch die Neckarauen bis zum Zufluss der Ammer in Lustnau. Der Ammer ein Stück folgend führt die Tour dann über einen ziemlich steilen Trampelpfad an der Westseite des Österbergs hinauf.

Dort wird man mit einem Blick auf Univiertel und Steinlachtal belohnt, bevor es über den Österberg wieder auf die Südseite und zur Aussicht auf Neckar und Steinlach und schließlich hinunter zur Neckarbrücke und zum Ausgangspunkt geht. Die Tour ist rund acht Kilometer lang und dauert etwa dreieinhalb Stunden.

Dagmar Mirbach bietet neben dieser auch Kultur-'Touren ins Ammertal und eine Tour zu Pfrondorfer Wiesen und Hägnach. (ist)

0 70 71/9 68 44 14

NLF-Neckar@gmx.de

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