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Kusterdingen: Engagierte Gemeinde mit dörflicher Struktur

Das macht die Gemeinde Kusterdingen aus: Über 60 Vereine, eine zum Teil gut ausgebaute Infrastruktur und steigende Einwohnerzahlen in den fünf Teilorten auf den Härten.

Von Streuobstwiesen und Feldern umgeben: Idylle in Immenhausen.  FOTOS: NIETHAMMER
Von Streuobstwiesen und Feldern umgeben: Idylle in Immenhausen. FOTOS: NIETHAMMER
Von Streuobstwiesen und Feldern umgeben: Idylle in Immenhausen. FOTOS: NIETHAMMER

KUSTERDINGEN. »In landschaftlich reizvoller Lage ist Kusterdingen idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren vor wundervoller Albtraufkulisse, zur Erkundung der idyllischen Gemeinde mit ihren fünf Ortsteilen oder zum Stadtbummel ins benachbarte Tübingen«, heißt es auf der Kusterdinger Homepage im Gemeindeporträt.

Die Gesamtgemeinde Kusterdingen entstand mit der Gemeindereform 1975 aus den Orten Immenhausen, Jettenburg, Kusterdingen, Mähringen und Wankheim. Jettenburg war zuvor schon die »Ehe« mit dem Ort Kusterdingen eingegangen. Die Gemeinde liegt verkehrsgünstig an der Bundesstraße 28 auf einer Hochebene über dem Neckar- und dem Echaztal, die »die Härten« genannt wird. Der Begriff »Härten« wird oft als Synonym für die Gemeinde verwendet. So gibt es ein Gemeindepflegehaus Härten und eine Härten-Sporthalle.

Die fünf Dörfer liegen, meist eingerahmt von Streuobstwiesen, in unmittelbarer Nähe der Schwäbischen Alb und des Schönbuchs. Die gesamte Fläche beträgt gut 2.400 Hektar, davon rund 1.400 Hektar Landwirtschaft und 444 Hektar Wald. Die dörflichen Strukturen sind oft noch erhalten und die Härten überwiegend landwirtschaftlich genutzt.

Eines der beliebtesten Gasthäuser auf den Härten: das »Kompf« in Jettenburg.
Eines der beliebtesten Gasthäuser auf den Härten: das »Kompf« in Jettenburg. Foto: Markus Niethammer
Eines der beliebtesten Gasthäuser auf den Härten: das »Kompf« in Jettenburg.
Foto: Markus Niethammer

- Bevölkerung

Im vergangenen Jahr wurden 8.629 Einwohner gezählt, darunter 1.614 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. 1.572 Härtenbewohner sind 65 Jahre und älter. Während diese Bevölkerungsgruppe in diesem Jahr etwa ein Drittel ausmacht, soll ihr Anteil laut einer regionalisierten Bevölkerungsvorausrechnung auf der Basis von 2017 bis 2035 auf etwa die Hälfte steigen. Die Zahl der auf den Härten lebenden Ausländer liegt bei 864.

Zum 31. März dieses Jahres hat das Statische Landesamt folgende Einwohnerzahlen registriert: Für Immenhausen, dem kleinsten Teilort 723, für Jettenburg 1.143, für Kusterdingen, dem größten der fünf Dörfer 3.644, für Mähringen 1.484  und für Wankheim 1.694. Die Geburtenrate liegt deutlich über der Sterberate.

- Landwirtschaft

Laut dem Statistischen Landesamt gab es auf den Härten vor 40 Jahren noch 102 landwirtschaftliche Betriebe mit 2.300 Rindern, darunter 90 Milchkuhhalter. Außerdem 35 Schweinebetriebe mit insgesamt 1.890 Tieren, elf Betriebe mit Pferdehaltung, acht Schafhalter sowie 71 Betriebe mit Hühnern und 63 mit Legehennen. Bis 2016 war die Zahl der Vieh haltenden Betriebe auf insgesamt 15 gesunken. Von der rund 1.400 Hektar landwirtschaftlich genutzten Fläche dienen 816 Hektar dem Ackerbau, darunter 470 Hektar Getreide.

- Gewerbe

In den kleineren Gewerbegebieten (jeweils wenige Hektar) dominieren die traditionellen Handwerksbetriebe wie Schreiner, Automechaniker, Maler, Installateure, Heizungsbauer, Elektriker oder Stuckateure. Dazu kommen lokale Bankfilialen. Seit 2010 verfügt die Gemeinde über zwei neue Gewerbegebiete in Kusterdingen (»Braike«) und in Wankheim (»Helleräcker«), die sich großer Nachfrage erfreuen. In der Braike baut die Firma »Allstar«, ein Unternehmen, das Fechtsportartikel und -Anlagen herstellt, als Weltmarktführer in der Branche gilt und 60 Arbeitsplätze nach Kusterdingen bringt. Es wird damit nach der Gemeindeverwaltung mit rund 150 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber auf den Härten sein.

In dem seit den 1970er Jahren bestehenden gemeinsamen Wirtschaftsgebiet mit Reutlingen, von dem sich 99 Hektar auf dem Gebiet der Gemeinde Kusterdingen befinden, haben sich darüber hinaus Firmen wie Daimler, Bosch und Akzo Nobel niedergelassen.

- Finanzen

Finanziell steht Kusterdingen gut da. Das Gesamtvolumen des Haushalts lag im vergangenen Jahr bei 36 Millionen Euro. Kreditaufnahmen waren nicht notwendig, die Rücklagen konnten um fast drei Millionen Euro aufgestockt werden. Die Pro-Kopf-Verschuldung betrug 21,75 Euro, der Landesdurchschnitt bei Gemeinden vergleichbarer Größe liegt bei rund 300 Euro.

Das Wahrzeichen von Kusterdingen.
Das Wahrzeichen von Kusterdingen. Foto: Markus Niethammer
Das Wahrzeichen von Kusterdingen.
Foto: Markus Niethammer

- Infrastruktur

Mehrere Bauernhofläden in den Teilorten und die Geschäfte in der neuen Kusterdinger Ortsmitte sorgen für den Grundbedarf an Lebensmitteln. Das ist vielen Härtenbewohnern laut einer Umfrage von vor zwei Jahren allerdings zu wenig: In Immenhausen gibt es gar keine Einkaufsmöglichkeiten, in Jettenburg kommt zumindest einmal die Woche ein fahrender Bäcker. Ein kleiner »Tante-Emma-Laden« musste dort vor einigen Jahren wegen mangelnder Nachfrage wieder schließen. In Kusterdingen gibt es außerdem mehrere Ärzte und Apotheken.

Auch die Busverbindungen vor allem nach Reutlingen seien verbesserungsbedürftig. Innerhalb der Härtendörfer gibt es seit sechs Jahren allerdings das Bürgerauto, das Menschen mit eingeschränkter Mobilität zum Arzt, in den Verein oder zu Kulturveranstaltungen fährt. Das neueste Wohngebiet entsteht derzeit in Wankheim. Außerdem im Bau: eine neue Diakoniestation, eine Senioreneinrichtung in Wankheim und Kindergärten sowie ein neues Feuerwehrhaus in Kusterdingen.

- Freizeit

Kulturell hat Kusterdingen einiges zu bieten: Über 60 Vereine laden zu Freizeitangeboten von Sport über Obst- und Gartenbau und Musik bis zum Narrenverein ein. Außerdem gibt es ein Scheunenkino, mehrere Gasthäuser, den »Arbeitskreis Kunst im Rathaus«, der jedes Jahr ein buntes Kulturprogramm auf die Beine stellt, sowie viele ehrenamtliche Initiativen und Jugend- und Seniorengruppen, die zu einem vielfältigen Angebot beitragen.

- Bildung

Die Gemeinde verfügt über zwei Grundschulen – die Härtenschule in Mähringen und die August-Lämmle-Schule in Kusterdingen – sowie ein Gymnasium unter der Trägerschaft der Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche. Als eine der ersten Gemeinden im Kreis hat Kusterdingen eine durchgehende Ferienbetreuung für Grundschüler eingeführt. ein Lehrschwimmbecken, acht Kindertageseinrichtungen, Außenstelle der Tübinger Volkshochschule.

- Bürgerengagement

Was Kusterdingen besonders auszeichnet, ist die große Zahl engagierter Menschen: sehr rege Kirchengemeinden, eine aktive Feuerwehr, Fördervereine und ein halbes Dutzend Agenda-Arbeitskreise: vom Arbeitskreis Mobilität über die Inklusions-Gruppe bis zum Team »Kinder und Familie«. Mit dem Härtennetzwerk gibt es außerdem einen Tauschring, in dem Dienstleitungen gegen eine virtuelle Währung, das Härtenviertel, ausgetauscht werden.

Die Bürgerumfrage vor zwei Jahren hatte ergeben, dass 80 Prozent der Befragten gerne auf den Härten leben. Dabei fühlten sich die meisten ihrem Teilort verbunden. Sie lobten die Dorfgemeinschaft und die Nähe zur Natur. Auch aus einer Langzeitstudie der Uni Hohenheim über »Ländliche Lebensverhältnisse im Wandel« vor sechs Jahren, an der auch Kusterdingen beteiligt war, ging hervor, dass die Dorfbewohner mit ihrem Leben zufrieden sind. (GEA)