MÖSSINGEN-BAD SEBASTIANSWEILER. Die freudige Botschaft ging vor 100 Jahren in einem Rundbrief an die über 600 Mitarbeiter der weltweit tätigen Evangelischen Missionsgesellschaft in Basel: »Der längst gehegte Wunsch in Deutschland einen Stützpunkt zu haben, ist erfüllt. Es ist uns durch Gottes Fügung ein großes Anwesen zugefallen. Ein Kurhaus mit 60 Betten, freundlichen Gesellschaftsräumen und schönen, alten Parkanlagen.«
Für 140.000 Franken – finanziert über Schuldscheine – erwarb die Christliche Erholungsheim Sebastiansweiler GmbH das bis dahin unrentabel betriebene Schwefelheilbad, um ihren Missionaren aus Übersee einen Ort zur gesundheitlichen Regeneration zu bieten.
Missionare im Steinlachtal
Die Gründung der pietistischen Organisation 1815 im Umfeld der Schweizer Handelsstadt Basel jährt sich in diesem Jahr zum 210. Mal. Im Steinlachtal war die Idee, »der Verbreitung des göttlichen Wortes unter den fernen Völkern« auf fruchtbaren Boden gefallen: Zunächst 1819 mit der innovativen Erfindung einer Missions-Spardose. Die ersten Gaben kamen aus Mössingen und von der Talheimer Bürgerschaft; junge Männer ließen sich bekehren und zu Missionaren ausbilden, einige kamen als Pfarrer in den Gemeinden des Steinlachtals zurück. Ein reger Austausch entstand.
Das führte schließlich am 21. Mai 1925 zur Einweihung des renovierten und umgebauten Erholungsheims mit einem »großen christlichen Volksfest«. Ein Sonderzug aus Tübingen brachte Jugendgruppen aus dem ganzen Land nach Sebastiansweiler (die Anerkennung als Heilbad erfolgte erst 1933). Sie zogen mit ihren Wimpeln vom Belsener Bahnhaltepunkt zum Schwefelbad. Da die Räumlichkeiten für die rund 5.000 Besucher auf dem Kurgelände nicht ausreichten, fand die Feier im angrenzenden Wald statt. Zehn Posaunenchöre und mehrere Chöre wirkten mit. Landesbischof Johannes von Merz schenkte 50 Bibeln.
Der Direktor der Basler Mission, Heinrich Dipper, mahnte: »Die Ereignisse in Russland und China in den letzten Jahren haben gezeigt, wie gefährdet der christliche Glaube in der Welt ist. Daher sind Kraft und Beständigkeit notwendig«.
Sebastiansweiler wurde zum Ort der jährlichen Missionsfeste. Zu diesem Zweck wurde 1932 die offene Veranstaltungshalle errichtet – in der, baulich unverändert, heute noch die Festgottesdienste stattfinden. Am Sonntag wurde die Tradition im hundertsten Jahr fortgeführt. Dazwischen lag eine Übergangsphase. Mit der Übernahme der Einrichtung durch die gemeinnützige Evangelische Heimstiftung GmbH 2014 hat sich die Basler Mission zurückgezogen.
Die Evangelische Heimstiftung wurde 1952 gegründet und ist Mitglied im Diakonischen Werk. Als größtes Pflegeunternehmen betreut sie 14.760 Menschen in 169 Einrichtungen in ganz Baden-Württemberg mit 11.000 Mitarbeitenden.
Vom Missions- zum Kurparkfest
Seit 2023 heißt das Missionsfest nun Kurparkfest für alle Generationen. Der gänzlich christliche Charakter der Veranstaltung ist mittlerweile etwas in den Hintergrund gerückt. Die diakonisch orientierten Leitlinien der Heimstiftung sind davon unberührt. »Bei unserem Engagement soll der Mensch im Mittelpunkt stehen und dabei ein großes Maß an Eigenverantwortung erleben«, betont das neue Geschäftsführer-Duo Mirjam Weisserth und Clemens Miola.

Bewegung, Sport und Gesundheit rücken in den Fokus, was bei einer Rehabilitationsklinik auch nahe liegt. Schließlich zielt die Reha in Seba darauf ab, dass die Patienten ihren Bewegungsapparat wieder einschränkungsfrei nutzen können.
Beim Auftaktgottesdienst stand ganz im Zeichen des Betsonntags »Rogate«, der auch als Missionstag begangen wird. Alt-Dekan Emil Haag erläuterte, dass das Gebet eine große Verheißung hat. Nicht durch viele Worte, sondern durch inständiges Bitten nicht nur für uns, sondern für alle Menschen. Der Aktionstag war wieder fest in den Händen von Kindern und Jugendlichen. Ein zweites, großes Mitarbeiterfest aus allen Einrichtungen der Heimstiftung soll im Sommer folgen.
Zwischen Volleyball-Turnieren, Bungee-Trampolin, Karussell, Hüpfburg, Reitmöglichkeiten und anderen sportlichen und künstlerischen Stationen - wie auch dem Atelier von Andreas Felger - tummelten sich junge Familien und Klinikpatienten. Bereits am verregneten Morgen hatten einige Dutzend Nordic-Walker mit einem Sonntagsspaziergang den Butzen durchwalkt. Der TV Belsen hat die sanfte Trendsportart zusammen mit der Spvgg Mössingen vor zwanzig Jahren etabliert. Die reine Gesundheitsveranstaltung ohne Wettbewerbscharakter führte über drei, acht und 13 Kilometer weite Strecken vom Kurpark durch den Bästenhardtwald und Tannbachtal - zur Stärkung in die Festhalle und das alte Café zurück. (GEA)



