Logo
Aktuell Engagement

Kulturangebot im Farrenstall

Der Immenhausener Verein »Flüchtlinge am Werk« weitet sein Angebot aus: Zeichnen und Lesungen

Farrenstall-Kids beim Zeichnen von Tieren in Mähringen. FOTO: TRINKHAUS
Farrenstall-Kids beim Zeichnen von Tieren in Mähringen. FOTO: TRINKHAUS
Farrenstall-Kids beim Zeichnen von Tieren in Mähringen. FOTO: TRINKHAUS

KUSTERDINGEN-IMMENHAUSEN. "Lie- gebänke, Pferde und Hochbeete sind der Renner", sagt Zimmerer Walter Erbe. Die Arbeiten des vor vier Jahren gegründeten Vereins "Flüchtlinge am Werk" sind begehrt. Die Stadt Tübingen hat kürzlich erst 24 Bänke für das Spatzennest in Pfrondorf in Auftrag gegeben. Die werden demnächst ausgeliefert. Das Projekt sei deshalb auch so erfolgreich, weil in der Werkstatt immer etwas los ist, sagt Paul-Gerhard Jud. "Hier wird nicht nur geschafft, sondern auch geschwätzt."

Nicht nur Flüchtlinge, von denen ein halbes Dutzend im Alter von 18 bis 60 zum harten Kern gehört, treffen sich hier zum gemeinsamen Arbeiten, Spaß haben und Deutsch lernen. Die Werkstatt ist jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Geleitet wird sie von dem Reutlinger Schreiner Peter Lichtenberger. Viele Immenhausener haben als »Initiative Farrenstall« das Projekt unterstützt und nehmen weiter Anteil, um das Haus zu beleben.

Weil die Räume des umgebauten Farrenstalls von den Hobby-Schreinern nicht ausgefüllt werden, haben sich im Obergeschoss jetzt auch die »Kids im Farrenstall« eingerichtet: eine Gruppe von Flüchtlingskindern, die sich anfangs jede Woche mit Susanne Schäffer und Jud in Mähringen zum Spazierengehen und Bewegen an der frischen Luft getroffen haben. Weil es zu wenige ehrenamtliche Begleiter gab, wurde dieses Angebot eingestellt.

Über den Winter haben sich die Kinder künstlerisch und handwerklich betätigt. Die Härtenschule hat ihnen dafür ihren Werkraum zur Verfügung gestellt, bevor die Gruppe in den Farrenstall umgezogen ist. Im vergangenen Jahr haben die Jungen und Mädchen ihre Werke am Tag der offenen Ateliers präsentiert. Auch in diesem Jahr nehmen sie wieder daran teil. Mit Zeichnungen von Tieren, an denen sie bereits intensiv arbeiten. Angeleitet werden sie alle zwei bis drei Wochen von der Ehninger Künstlerin Christiane Haag. Auch hier könnte man noch einige Helfer gebrauchen, sagt Schäffer.

Kino unterm Dach

Mit den Jungen hat Jud eine Zeit lang Laubsägearbeiten in der Schreinerei hergestellt. Das Interesse daran sei jedoch mittlerweile eingeschlafen. Dagegen habe man einige Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt oder in eine Ausbildung vermitteln können. So wie den Iraner Ramin Khajhe, der eigentlich Elektriker werden wollte, und in Immenhausen seine Liebe zum Holz entdeckt hat.

Unterm Dach treffen sich die Vereinsmitglieder, deren Zahl bei fast 20 liegt, auch, um Filme anzuschauen. Da der Raum nicht isoliert ist, geht das allerdings nur im Sommer, schränkt Michael Armingeon ein. Auch Lesungen sollen dort künftig stattfinden, ergänzt Jud. Eine Gruppe von Frauen will sich im Farrenstall zum Stricken treffen. »Ideen haben wir viele.« Sie sollen nun Stück für Stück verwirklicht werden. So wie sich auch das Gebäude entwickelt hat: vom Lagerraum zu einem gemütlichen Treffpunkt inklusive Toiletten. (GEA)