GOMARINGEN/KUSTERDINGEN/NEHREN. Diese Nachricht machte vor einigen Tagen Schlagzeilen: Für Fahrzeuge mit E-Kennzeichen, also moderne Elektrofahrzeuge oder Plug-in-Wagen, soll die Grüne Plakette wegfallen. Freie Fahrt also für die Elektroflitzer, die überraschend selten Abgase ausstoßen. Welch bahnbrechende Idee im Kampf gegen die überbordende Bürokratie im Land! Wer nun aber glaubt, der Knoten sei geplatzt und bürokratische Irrwege würden nun konsequent der Vergangenheit angehören, den belehrten die Gemeinderatssitzungen in der vergangenen Woche in Gomaringen, Kusterdingen und Nehren eines Schlechteren.
In Nehren etwa wird das Feuerwehrgerätehaus modernisiert - genauso wie die Außenanlagen. Dazu gehört ein Alarmparkplatz für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte, die im Notfall aus ihrem Alltag heraus alarmiert werden und dann zügig zur Wache eilen, sich dort Feuerwehrjacke und Co überziehen und ausrücken, um schnellstmöglich zu helfen. Bleibt da noch Zeit, das eigene Auto auf dem Feuerwehrparkplatz an eine E-Ladesäule anzuschließen? Eher nicht. Und doch plagt das Thema die Gemeinde, wie Bürgermeister Egon Betz erklärte. Baut die Gemeinde einen Parkplatz, müsse sie auch der E-Mobilität Vorschub leisten. Zunächst fürchtete Betz den Bau von E-Ladesäulen, gab inzwischen aber Entwarnung: Es würde reichen, Leerrohre für die E-Mobilität vorzusehen. Auch wenn es - wie beim Feuerwehrparkplatz - kaum einen Sinn ergibt.
In Gomaringen ging es um die verbindliche Nachmittagsbetreuung für Grundschüler, die ab dem kommenden Schuljahr gelten soll. Gomaringen ist hier dank des Fördervereins der Schlossschule gut aufgestellt. Und doch hörten die Gemeinderäte jüngst Überraschendes: So hat das Kultusministerium klargestellt, dass die Betreuung außerhalb von 20 Ferientagen immer gelte - also auch an Heiligabend und an Silvester. Während die Gemeinderäte aus dem Kopfschütteln nicht mehr herausfanden, bemühte sich die Verwaltung, die Wogen zu glätten: An diesen besonderen Tagen strebe man eine Kooperation mit den Nachbargemeinden an. Ob an diesen gefühlten Feiertagen am Ende tatsächlich Kinder betreut werden? Ende 2026 werden wir es erfahren.
Zu guter Letzt ein Blick nach Kusterdingen: Dort planen die Stadtwerke Tübingen in den »Wankheimer Ohren«, also auf den Wiesen zwischen den Zu- und Abfahrten der Bundesstraße 28, eine Freiflächen-PV-Anlage. Tübingens Oberbürgermeistr Boris Palmer hatte sich schon bei der ersten Anlage dieser Art, den »Lustnauer Ohren«, über den gewaltigen Bürokratieaufwand im Vorfeld geärgert. Doch selbst seine Prominenz konnte daran bis heute nichts ändern.
Für die »Sonderbaufläche« bedarf es nämlich unter anderem der 151. Änderung des Flächennutzungsplans, artenschutzrechtlicher Prüfungen, Regelungen zum Rückbau, zur Ein- und Abfahrt in die »Ohren«, Blend- und Sichtfeldgutachten und ein Verbot von Werbetafeln. Für die Natur wird übrigens eine Ersatzfläche von 6.600 Quadratmetern bei der Jugendfarm hergestellt, auch wenn die von Experten extra gesuchte Zauneidechse in den verkehrsträchtigen Wiesen nicht gefunden wurde. Und: Durch den Bau des Solarparks und die extensive Bewirtschaftung der Grasflächen unter den Solarmodulen - etwa durch Beweidung mit Schafen - gewinnt die Gemeinde eigentlich sogar 8.000 Ökopunkte dazu. Bei all diesen Aufgaben überrascht es nicht, dass sich der Gemeinderat schon seit 2023 mit dem Projekt befasst. Nun findet die zweite Offenlage des Bebauungsplans statt - Jedermann hat nun nochmal einen Monat Zeit für Stellungnahmen. Für zwei Wiesen, an denen für gewöhnlich jeder nur vorbeifährt. (GEA)


