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Konzert in Mössingen: Großer Applaus für den Liederkranz Belsen

Belsener Sänger überzeugten mit ihrem Programm »Hin und Weg und Heim« in der Mössinger Quenstedt-Aula.

Die Sänger des Liederkranz Belsen begeisterten ihr Publikum mit ihrem Konzert am Samstag in Mössingen.  FOTO: JOCHEN
Die Sänger des Liederkranz Belsen begeisterten ihr Publikum mit ihrem Konzert am Samstag in Mössingen. FOTO: JOCHEN
Die Sänger des Liederkranz Belsen begeisterten ihr Publikum mit ihrem Konzert am Samstag in Mössingen. FOTO: JOCHEN

MÖSSINGEN. Einen unvergesslichen Samstagabend in der Quenstedt-Aula bescherten die Sänger des Liederkranz’ Belsen den 465 anwesenden Gästen. Am Ende des Konzerts hielt es kaum einen auf den Sitzplätzen und der Chor wurde mit minutenlangem Applaus im Stehen zu mehreren Zugaben »gezwungen«.

Doch der Reihe nach. Unter dem Motto »Hin und Weg und Heim« ging es nicht nur um die Heimat, sondern auch Sehnsuchtsorte. Zu Beginn des emotionsgeladenen Abends saß Rainer Spitzbarth mutterseelenallein auf der Bühne und spielte Seemannsweisen auf einem Schifferklavier. Allmählich setzte die kleine Band, bestehend aus Matti Pallas (Schlagzeug), Julian Jochen-Warth (Bass) und Julia Winkler (Piano) ein und der Chor kam flugs vom Haupteingang auf die Bühne und schmetterte das Piratenlied »Frei wie der Wind«.

Die einzige Frau auf der Bühne stand kolossal ihren Mann: Einen Tag vor dem Auftritt sprang Winkler für den erkrankten Pianisten ein und meisterte nicht nur ihr Instrument bravourös, sondern übernahm spontan auch gleich noch das Dirigat bei Verdis Gefangenenchor Nabucco, und Chorleiter Johannes Söllner setzte sich an den Flügel.

Die mitreißende Freude der über 30 Sänger schwappte noch vor der Pause auf das Publikum über, das es kaum auf den Sitzen hielt. Es wurde spontan getanzt, geschnippst, geklatscht und mitgeschunkelt, was das Zeug hielt. Das lag sicherlich auch an der groovigen Band, die einen soliden Klangteppich für die Choristen bildete. Was man aus einem einfachen Volkslied zaubern kann, zeigte sich bei »Muss i denn«: Erst ergreifender Sologesang von Thomas Dieter, gefolgt von mitreißender Vorfreude aller auf das Wiedersehen beim swingenden Refrain »Wenn i wieder, wieder komm«.

Das Publikum sollte in der Pause aufschreiben, was es mit Heimat verbindet, und Chorleiter Johannes Söllner verlas die teilweise ergreifenden und andererseits urkomischen »Orte«, die einzelne mit Heimat verbinden. Da kam der kleine Bruder zur Sprache, die Familie allgemein, eine Umarmung oder »Kartoffelsalat mit Mayo«.

»Ich hatte Gänsehaut«, berichtete Maria-Dorothea Funk über das Stück »Moorsoldaten«. Söllner hatte dieses Stück mutig arrangiert, extra für die Belsemer. Vorbild war die Version der »Toten Hosen« und das Publikum bekam demonstriert, dass sich melancholische Sehnsucht nach Heimat und harter Punkrock nicht ausschließen. Im Hintergrund tanzte krabbelnd die acht Monate alte Tochter Söllners mit, die sichtlich das Spektakel genoss.

Das Spiel mit der Klaviatur der Gefühle beherrschen die Belsemer Choristen übrigens ganz großartig: Mit ihrem dynamischen Wechsel von ergreifend leisem Gesang bis hin zu donnernder Stimmgewalt ließ der Chor den Abend viel zu schnell zu Ende gehen.

Dass Gesang jung hält, konnte man an diesem Abend bei Jürgen Steinhilber sehen, der seit 50 Jahren aktiv im Chor mitsingt. (GEA)