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Aktuell Gaststätten

Keine verlängerten Öffnungszeiten für Außen-Gastro in Tübingen

Im Sommer wurde die Außengastronomie um eine Stunde verlängert. Beschwerden der Anwohner.

Eine Gastronomie-Angestellte.
Eine Gastronomie-Angestellte. Foto: MURAT/DPA
Eine Gastronomie-Angestellte.
Foto: MURAT/DPA

TÜBINGEN. Testweise wurden die Betriebszeiten für die Tübinger Außengastronomie für anderthalb Monate im Sommer um eine Stunde verlängert. Statt unter der Woche bis 23 Uhr und von Donnerstag bis Samstag 24 Uhr, konnten die Gastronomen ihren Außenbereich für Genießer lauer Sommernächte bis 24 oder 1 Uhr nachts offen lassen.

Nun erfolgte die Evaluation dieser Probephase. Befragt wurden aber nicht die Gäste, sondern die Anwohner, Gastronomen und der Kommunale Ordnungs- und Vollzugsdienst (KOV). Die nächtlichen Anrufe der Anwohnerschaft hielten sich in Grenzen: Im Zeitraum 18. Juni bis 3. August gingen nur 16 Beschwerden ein.

»Die Beschwerden richten sich in der Mehrheit allgemein gegen die erweiterten Zeiten. In sechs Fällen bezogen sich die Beschwerden auf einzelne Gaststätten«, lautet die Mitteilung aus der Fachabteilung Ordnung und Gewerbe. Der Lärm habe zugenommen und dauere länger an, so der Tenor.

Belastung größer als Nutzen

Am 29. August äußerte sich die BI Altstadt und monierte, die vorgebrachten Befürchtungen seien voll eingetroffen: Bisher wenig belastete Gebiete seien durch die enorme räumliche Ausdehnung der Außengastronomie voll getroffen worden, insbesondere Hafen-, Collegiums- und Hirschgasse sowie die Lange Gasse. Auch die Musik im Innern sei so laut, dass große Außenbereiche beschallt würden. Hier sei man der Ansicht, dass Familien und Studierende aus der Altstadt wegziehen, in anderen Gemeinden gehe der Trend sogar eher zu verkürzten, statt zu verlängerten Öffnungszeiten. Es werde gewünscht, über die Entwicklung der Zahlen für Sitzplätze in der Außengastronomie unterrichtet zu werden.

Der KOV kontrollierte die Gastronomiebetreiber in der Pilotphase 29 Mal. Dabei wurden drei Verstöße festgestellt, eine davon kam zur Anzeige. Überwiegend hielten sich die Gastronomen an die Regelungen, so die Mitarbeiter des KOVs – die meisten Wirte räumten ihre Außenmöbel bereits zwischen 0.30 und 1 Uhr. So gab es weniger »ziehende Personengruppen«, der Lärm beschränkte sich auf einzelne Punkte in der Stadt, nämlich nur auf die gut besuchten Kneipen.

Die Rückmeldungen der Gastronomen fielen hingegen dürftig aus: Nach zwei Erinnerungen gab es bis zum 13. September keine Rückmeldung. Die Tü-Gast führt dies darauf zurück, dass in der Gruppe primär Restaurants und Tagesgastronomie vertreten seien, welche die Sperrzeit nicht wirklich betreffe. Drei Rückmeldungen einzelner Wirte ergaben folgendes Bild: Die Verlängerung sei umsatzbedingt nicht so erfolgreich gewesen wie erwartet. Allerdings sei die Auflösung der Außenbestuhlung entspannter und gastfreundlicher gewesen. Für Speiselokale war die Erweiterung uninteressant, Betriebe ohne Außenbereich hätten darunter gelitten, weshalb die Erweiterung in Zukunft von diesen nicht befürwortet würde. Die Verwaltung schätzt die Belastung der Anwohnerschaft größer ein, als den Nutzen für die Gastronomie und wird die Zeiten künftig nicht verlängern. (GEA)