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Aktuell Agrarwirtschaft

Keine guten Erträge: Landwirtschaft unter Druck

MÖSSINGEN. »Was zählt sind Emotionen und positive Bilder«, sagte Martin Zaiser, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Tübingen bei der Sprengelversammlung Steinlach in Bad Sebastiansweiler. Die Rede war vom Image und vom Bekanntheitsgrad der Landwirtschaft. Angelehnt an ein Thüringer Beispiel lanciert der Verband derzeit zwei Radiospots auf SWR. Zaiser: »Beim Tierschutz, beim Umwelt-, Pflanzen- und Klimaschutz und bei der Düngung haben wir große Hausaufgaben. Wir müssen die Debatte aktiv mitgestalten.«

Foto: dpa
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»Unser Gewissen ist rein«, betonte Kreisobmann Christian Reutter, »die Käfigeier kommen von außen«. Der Selbstversorgungsgrad bei landwirtschaftlichen Produkten liege im Inland bei lediglich 20 Prozent. Reutter: »Damit ist weder den Bauern noch den Tieren oder der Umwelt gedient.« Im Gegenteil. Im Spannungsfeld weltweiter Konkurrenz geraten die heimischen Landwirte nachhaltig unter Druck. »Die Märkte in Deutschland und der EU sind gesättigt«, erklärte Michael Bilger vom Landwirtschaftsamt, »wer verkaufen will, muss sich abheben. Er muss besser, schneller und innovativer sein«.

Michael Bilger konnte über die Fördergelder von Zuschüssen aus dem gemeinsamen Antrag 2016 (für Investitionsmittel mit Naturschutz-Mehrwert) noch keine Zusagen machen. Außer: »Wer noch was hat, soll sich beeilen.« Für das Verfahren 2017 sei keine Deckelung vorgesehen. Martin Lutz, Vorsitzender des Sprengels Steinlach, gab sich mit dieser Aussage nicht zufrieden: »Jeder hofft auf die Auszahlungen. Nach zwei dünnen Jahren geht gar nichts mehr. Es gibt Betriebe, denen steht das Wasser bis zum Hals. Bei den derzeitigen Marktleistungen können wir keine schwarze Null schreiben. Die Gelder müssen zum Jahresende fließen!«
»Die Erlöseinbußen beim Getreide lagen durch den Preisdruck bei bis zu 50 Prozent«
Diskutiert wurde über Shitstorms und Guerilla-Aktionen von Aktivisten auf Höfen mit gefakten Bildern in Publikumsmedien. »Wir müssen uns gegen den immer dreisteren Eingriff ins Eigentumsrecht wehren«, forderte Kreisobmann Christian Reutter.

Gleichzeitig stellte er fest: »Über unser Selbstverständnis kommen wir nicht mehr bei allen Bevölkerungsschichten an. Die Diskussion mit unseren Mitmenschen und den Verbrauchern muss viel intensiver geführt und aktiv gestaltet werden. Unsere Hauptaufgabe – die Produktion von Lebensmitteln – gerät dabei in den Hintergrund.« Was den Klimaschutz anbelange, gerate die Landwirtschaft mit ihrer Tierhaltung massiv unter Druck, so Christian Reutter. Baden-Württemberg sei mit zehn Prozent an den beanstandeten Gewässerproben beteiligt. Dabei seien die Betriebe nach den mageren Vorjahren gerade auf dem Weg, sich bei der Schweinemast und in der Milchwirtschaft zu erholen. 2016, erklärte Reutter, sei ein schwieriges Erntejahr gewesen: »Landunter auf vielen Flächen. Die Grundstücke waren kaum befahrbar. Die besten Böden haben am meisten enttäuscht«.

Michael Bilger vom Landwirtschaftsamt warnte vor einer zu starken Bodenverdichtung durch intensive Bearbeitung – gerade bei hohen Niederschlägen. Die Erträge im laufenden Jahr bezeichnete Kreisobmann Reutter als durchgehend schlecht. Parallel dazu sei weltweit die zweitgrößte Ernte überhaupt eingefahren worden. Reutter: »Die Erlöseinbußen beim Getreide (bei 15 Prozent weniger Ertrag) lagen durch den Preisdruck bei bis zu 50 Prozent.«

Gut davongekommen sei die Landwirtschaft bei den politischen Entscheidungen. Christian Reutter: »Beim Steuerrecht muss nachgearbeitet werden. Die Änderungen bei der Erbschaftssteuer bleiben für unsere Betriebe jedoch ohne Nachteil.« Aus der Grundsteuer A (Land- und Forstwirtschaftliche Grundstücke) sollen künftig die Wohnhäuser der Höfe ausgenommen werden. Bis 2020 erfolgt die Neubewertung der steuerlichen Bemessungsgrundlage für Agrar-Flächen. Der Kreisbauernverband setzt sich für eine Bewertung nach dem Ertrag ein, nicht nach dem Verkehrswert. (GEA)