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Kampagne »Organpaten werden« informiert über Organspende

TÜBINGEN. 12000 Menschen stehen in Deutschland auf Organspende-Wartelisten. Drei von ihnen sterben durchschnittlich pro Tag, weil keine passende Spende zur Verfügung steht. »Wir sind Schlusslicht bei der Organspende. Das kann nicht sein«, sagt der Tübinger Transplantationsmediziner Alfred Königsrainer. Deutschland dürfe nicht nur in Sachen Fußball führend sein.

Einsichten am Touchscreen: (von links) Ali Temur, Dr. Marita Völker-Alber und Professorin Elisabeth Pott (alle von der Bundeszen
Einsichten am Touchscreen: (von links) Ali Temur, Dr. Marita Völker-Alber und Professorin Elisabeth Pott (alle von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Köln), Oberbürgermeister Boris Palmer, Professor Alfred Königsrainer (Uniklinik Tübingen) und die Parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz an einem der Multimedia-Organspenden-Aufklärungs-Geräte. Foto: Martin Schreier
Einsichten am Touchscreen: (von links) Ali Temur, Dr. Marita Völker-Alber und Professorin Elisabeth Pott (alle von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Köln), Oberbürgermeister Boris Palmer, Professor Alfred Königsrainer (Uniklinik Tübingen) und die Parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz an einem der Multimedia-Organspenden-Aufklärungs-Geräte.
Foto: Martin Schreier
Damit sich das ändert, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2010 eine deutschlandweite Kampagne mit dem Leitsatz »Organpaten werden« gestartet. In Tübingen gastiert die Info-Tour seit Dienstag für vier Tage. An interaktiven Medien und mechanischen Modulen können sich Interessierte rund ums Thema Organspende informieren. Für Menschen, denen das persönliche Gespräch lieber ist, steht ein geschultes Team der BZgA Rede und Antwort. Zudem berichten Tübinger Patienten von ihren Erfahrungen.

Neuer Spenderausweis für Palmer

Im Mai beschloss der Bundestag, das Transplantationsgesetz zu ändern. Der Bundesrat stimmte am 15. Juni der Entscheidungslösung zu. Danach sollen Krankenversicherte regelmäßig befragt werden, ob sie zur Organspende nach dem Tod bereit sind. Umfragen zufolge fühlen sich aber immer noch rund die Hälfte der Deutschen nicht genügend informiert. Deshalb sei Aufklärung wichtig, sagt die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz. »Wir wollen die Menschen motivieren, sich zu entscheiden.«

Oberbürgermeister Boris Palmer bedauert, dass die Widerspruchslösung keine politische Mehrheit gefunden hat. In diesem Fall wäre jeder ein Organspender, wenn er nicht ausdrücklich widerspricht. Sehr wahrscheinlich stünden mit einer solchen Lösung mehr Spendenorgane zur Verfügung. Den Kampagnen-Besuch in Tübingen will Palmer aber zum Anlass nehmen, selbst der Organspende per Ausweis erneut zuzustimmen. Schon vor zwanzig Jahren habe er solch einen Ausweis gehabt. Der sei ihm aber abhandengekommen.

Die Direktorin des BZgA, Professorin Elisabeth Pott, ist mit der Entscheidungslösung sehr zufrieden. Sie ist der Ansicht: »Bei aller Dringlichkeit von Organspenden braucht es eine freiwillige, bewusste Entscheidung.« (GEA)