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Jugendhaus auf dem Einsiedel bei K'furt feiert 60-jähriges Bestehen

Zum fünfzigjährigen Bestehen 2014 gab's ein Festprogramm mit Vortrag und Führungen. Diesmal wird ne Nummer kleiner gefeiert. Das Haus ist immer noch gut belegt.

Sehr beliebt: Das Jugendhaus auf dem Einsiedel.
Sehr beliebt: Das Jugendhaus auf dem Einsiedel. Foto: Philipp Förder
Sehr beliebt: Das Jugendhaus auf dem Einsiedel.
Foto: Philipp Förder

KIRCHENTELLINSFURT. Ein beliebter Ort. Schon die alten Römer haben sich auf der Anhöhe gegenüber von Kirchentellinsfurt wohlgefühlt. Graf Eberhard ließ hier 1482, also kurz nach Universitätsgründung in Tübingen, ein Jagdschloss errichten. Herzog Karl Eugen baute 1765 eine Residenz und betrieb Pferdezucht in großem Stil. Damals sollen 865 edle Rösser auf den Wiesen gegrast haben.

Doch nicht nur Römer und württembergische Herrscher nutzten den Einsiedel. »Es handelt sich auch um einen spirituellen Ort«, betont Pfarrer Tomas Begovic, der nicht nur die Gläubigen in Kirchentellinsfurt, Kusterdingen und Wannweil betreut, sondern auch dem Kuratorium des Jugendhauses vorsteht. Begovic weiß: Auf der Schönbuch-Anhöhe befand sich auch das Stift St. Peter, ein Kloster der Brüder vom gemeinsamen Leben. Es wurde 1492 gegründet und fast 90 Jahre später wieder aufgegeben.

1.500 Gäste im vorigen Jahr

Von Glanz und Gloria oder dem Kloster ist auf dem Einsiedel schon lange nichts mehr zu spüren. Aber ein beliebter Treffpunkt befindet sich heute noch hier. 1964 wurde ein Vertrag mit der Hofkammer geschlossen. Katholiken und Protestanten durften das »Schlösschen« als Jugendhaus nutzen. Die evangelische Jugend schied 1971 aus, seither betreiben es die katholischen Dekanate Rottenburg und Reutlingen-Zwiefalten gemeinsam.

Thorsten Kemmler, der die Geschäftsführung übernommen hat, braucht nicht lange nach aktuellen Zahlen suchen. Im vorigen Jahr nutzten fast 1.500 Gäste das Haus. 52 Gruppen, die meisten aus katholischen Dekanaten, aber auch 20 Schulklassen darunter, waren hier untergebracht. Außerdem dient das Haus als Wanderraststätte, betreut von 30 Ehrenamtlichen im Wechsel.

Kinder, Jugendliche, Wanderer

»Von April bis November ist es pausenlos belegt«, weiß Kemmler. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. »Es ist ein Ort der Begegnung«, betonen Kemmler und Begovic. Viele, die mal hier waren, fühlen sich dem Haus verbunden.

»Die Jugendgruppenleiter haben ihre Kurse hier - auch aus anderen Dekanaten«, sagt Jugendreferentin Julia Hofmann. »Und die Gruppen kommen immer wieder.« Es gibt nicht nur viele Kinderfreizeiten. Clemens Dietz erinnert sich, dass auch Kirchengemeinderäte sich hier bei Klausurtreffen aufgehalten haben. Dazu kommen viele Wanderer.

»Was, das gibt's immer noch«

Ist irgendwo vom Einsiedel die Rede oder spazieren Leute vorbei, ist die Reaktion nicht selten: »Was, das Jugendhaus gibt es immer noch?« Und Kuratoriumsmitglied Axel Baumgartner hat eine ganze besondere Beziehung zu dem Ort. »Ich hab hier meine Frau kennengelernt.«

Zum fünfzigjährigen Bestehen 2014 gab's ein Festprogramm mit Vortrag und Führungen. Diesmal wird's ne Nummer kleiner. Ist eben ein runder Geburtstag diesmal, aber kein echtes Jubiläum. Zentrales Element ist das Einsiedelfest am Donnerstag, 9. Mai. Der Gottesdienst an Christi Himmelfahrt ist traditionell oben auf dem Einsiedel. Diesmal gibt's dazu dem Anlass entsprechend einige Grußworte. Bis Ende Oktober ist Jugendhaus neben dem Hofgut als Wanderraststätte jeden Sonntag und an Feiertagen immer geöffnet: stets von 10.30 bis 18 Uhr. (GEA)

Die jüngere Historie

Im vorigen Jahrhundert diente das Haus auf dem Einsiedel erst dem Arbeitsdienst, später kamen die Heimatvertriebenen. Bis 1961 wurden Studenten aus der DDR dort untergebracht. Nach dem Mauerbau brauchte man die Räume nicht mehr.

Auf 30 Jahre wurde 1964 vom katholischen Dekanat Rottenburg und der evangelischen Jugend des Bezirks Tübingen ein Nutzungsvertrag mit der Hofkammer Württemberg abgeschlossen, dem Besitzer von Land und Gebäuden. Der Vertrag wurde immer wieder verlängert. Statt der evangelischen Jugend war ab 1971 das katholische Dekanat Reutlingen-Zwiefalten der zweite Partner. Generationen von Kindern und Jugendlichen haben hier getagt, gefeiert, geredet, gegessen und geschlafen.

Auch die zwischenzeitlichen Pläne von Daimler, hier oben eine Teststrecke einzurichten, unmittelbar am Gebäude vorbei, hat das Jugendhaus überstanden. Nach Protesten ließen die Autobauer 2011 von ihrem Vorhaben ab. Sie verwirklichten ihre Pläne dann stattdessen in Immendingen (Kreis Tuttlingen). (-jk)