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Hochwasserschutz in Mössingen fängt klein an

Der Mössinger Gemeinderat billigt den Maßnahmenkatalog für die nächsten zehn Jahre.

Ein Hochwasserbecken wie das im Juni 2018 in Betrieb genommene am Belsener Buchbach ist auch in Öschingen und Talheim geplant.
Ein Hochwasserbecken wie das im Juni 2018 in Betrieb genommene am Belsener Buchbach ist auch in Öschingen und Talheim geplant. FOTO: MEYER
Ein Hochwasserbecken wie das im Juni 2018 in Betrieb genommene am Belsener Buchbach ist auch in Öschingen und Talheim geplant. FOTO: MEYER

MÖSSINGEN. Arno Valin (SPD) verhehlte im Gemeinderat seine Skepsis nicht. »Die Summe wird wohl weit über zehn Millionen Euro ansteigen. Es wird spannend sein, wie viel Mittel wir bekommen«, sagte er mit Blick auf die vielen Maßnahmen, die für den Hochwasserschutz am Oberlauf der Steinlach und das Starkregenrisikomanagement für Mössingen in drei Paketen aufgelistet sind.

Damit überhaupt mal Zuschüsse anfangen, in Richtung Mössingen zu fließen, will die Stadt jetzt wenigstens klein anfangen: Eine Ableitung von der Reutlinger Straße in den Öschenbach im Bereich Mühlberg in Öschingen – Kosten knapp 10.000 Euro – soll den Weg in die Fördertöpfe freimachen. Ist die Stadt erst mal drin, können in den folgenden Jahren mit Erhöhungsanträgen dann die größeren Maßnahmen finanziert werden.

Maßnahmen kosten rund zehn Millionen Euro 

Welche Gefahren vom Oberlauf der Steinlach drohen, hat die Stadt untersuchen lassen und 2023 das Ergebnis öffentlich vorgestellt. Als Konsequenz daraus wurden drei Maßnahmenpakete geschnürt mit grob geschätzten Kosten von zehn Millionen Euro und nach ihrer Wichtigkeit priorisiert. Sie sollen in den nächsten zehn Jahren Zug um Zug umgesetzt werden.

»Damit können wir jetzt Fördergelder beantragen«

Wenn die Voraussetzungen für eine Förderung erfüllt sind, gibt es dafür bis zu 70 Prozent Zuschuss. Als letzte Voraussetzung fehlt noch der Hochwasseralarm- und Einsatzplan, der aber gerade durch das beauftragte Ingenieurbüro Heberle fertiggestellt und bis spätestens Ende Juni vorliegen soll. »Damit können wir jetzt Fördergelder beantragen«, erklärte Baubürgermeister Martin Gönner. »Wir schlagen die kleinste Maßnahme mit der Nummer 50 in Öschingen vor, denn sie ist ohne große Voruntersuchungen möglich. Dann können wir die nächsten Schritte machen.« Die werden dann tatsächlich größer sein. So geht es im ersten Maßnahmenpaket, das rund 3,35 Millionen Euro kosten soll, um ein Rückhaltebecken im Bereich der Albstraße in Talheim und ein weiteres Becken in Öschingen im Bereich zwischen dem Baugebiet Reute und dem Freibad.

Noch ungeklärt

Eine Lagebeschreibung, die Ortsvorsteher Wolfgang Eisler (FWV) gar nicht behagte: »Das kann man so nicht stehen lassen. Da müssen wir noch mal drüber reden.« Was laut Martin Gönner ohnehin notwendig ist: »Wir wissen noch nichts über genaue Standorte und Kosten. Da sind weitere Voruntersuchungen notwendig. Auch der Grunderwerb ist noch nicht geklärt.«

Sehr zufrieden zeigte sich der Talheimer Ortsvorsteher Elmar Scherer angesichts der Planung: »Ich bin hoch erfreut über die Aufdimensionierung der Steinlach-Verdolung. Das ist die Schlagader in Talheim.« Zunächst sollen im kommenden Jahr die ersten konzeptionellen Überlegungen für das Rückhaltebecken Öschingen angestellt werden. Im Jahr 2027 sollen dann neben weiteren, kleineren Maßnahmen in Mössingen die Planungen für die Rückhaltebecken in Öschingen und Talheim abgeschlossen werden, die dann 2028 und 2029 gebaut werden könnten.

»Das sind die Maßnahmen mit dem höchsten Schutzeffekt«

Beim Stichwort Becken hakte Dr. Marc Eisold (FWV) ein: »Kann man nicht Modifikationen im Gelände weiter oben machen, damit man nicht immer diese massiven Becken braucht?« Aus Sicht von Martin Gönner hätte das allerdings gravierende Nachteile. So ließe sich mit den Becken genau steuern, wie viel Wasser abgeführt werde. »Wenn wir an mehreren Stellen geringe Eingriffe machen und diese Bereiche überflutet werden, können wir nichts mehr steuern.«

Auch Sandra Held, Sachgebietsleiterin Tief- und Straßenbau, plädierte für die große Lösung: »Das sind die Maßnahmen mit dem höchsten Schutzeffekt.« Natürlich könne die Stadt zusätzlich kleinere Maßnehmen umsetzen, aber dafür gebe es dann keine Förderung. (GEA)