GOMARINGEN. In den Haushaltsberatungen hat es Gomaringens Bürgermeister Steffen Heß schon angekündigt, jetzt wird es konkret: Die Gemeinde will die Grundsteuer anheben. Und zwar um jeweils 30 Prozentpunkte bei den Hebesätzen für die Grundsteuer A und B. Der Verwaltungsausschuss stimmte am Montagabend dem Vorhaben ohne weitere Diskussion bei einer Gegenstimme zu. Die endgültige Entscheidung liegt beim Gemeinderat.
Mit insgesamt rund 100.000 Euro Mehreinnahmen rechnet die Verwaltung, sollte die Steuererhöhung im Gremium beschlossen werden. Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren viel für die Infrastruktur getan, betonte der Bürgermeister. »Zwischen 2018 und 2022 haben wir 18,6 Millionen Euro investiert«, erinnerte Heß.
Kostenträchtige Pflichtaufgaben
Auch in den kommenden Jahren stehen einige kostenträchtige Pflichtaufgaben an, von der Schulerweiterung bis zu Straßensanierungen. Angesichts gestiegener Zinsen und Kosten für Energie und im Bauwesen müsse man nun aber über Einnahmen reden. Schließlich sei allein im Haushalt für das laufende Jahr mit einem Defizit von 600.000 Euro zu rechnen.
Sechs Jahre lang blieben die Hebesätze unverändert. Die letzte Erhöhung war zum 1. Januar 2017. Damals fiel sie allerdings etwas moderater aus: Jeweils zehn Prozentpunkte mehr beschloss der Gemeinderat.
Sollte der Erhöhung im Gremium zugestimmt werden, liegt Gomaringen nach wie vor unter dem Durchschnitt im Landkreis Tübingen.
HEBESÄTZE FÜR DIE GRUNDSTEUER IM VERGLEICH
Im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden liegt Gomaringen auch nach der Steuererhöhung noch unter dem Durchschnittswert von 334 bei der Grundsteuer A und 405 bei der Grundsteuer B. Bei der Grundsteuer A für landwirtschaftlich genutzten Boden liegt die Gemeinde mit einem Hebesatz von 330 gleichauf mit Rottenburg. Mössingen, Dußlingen, Kirchentellinsfurt und Kusterdingen haben einen Hebesatz von 320, Ofterdingen und Bodelshausen einen von 340 und Nehren einen von 370. Bei der Grundsteuer B für bebaute und unbebaute Grundstücke liegt die Spanne im Landkreis Tübingen zwischen einem Hebesatz von 300 (Neustetten) und 660 (Tübingen). Einen Hebesatz von 380, wie Gomaringen ihn beschließen will, gibt es in Mössingen und Ofterdingen. Die Nachbargemeinden Dußlingen (340) und Nehren (370) liegen beide darunter. Kirchentellinsfurt verlangt einen Hebesatz von 360, Kusterdingen passt sich mit 500 an die Stadt Reutlingen an. Bodelshausen hat einen Hebesatz von 350. (mac)
Was eine Erhöhung für den Einzelnen bedeutet, rechnete Kämmerer Andreas Pautsch anhand einiger Beispiele vor: Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit vielen Flächen müsste jährlich statt bisher rund 2.270 Euro nun rund 2.480 Euro an Steuern bezahlen. Für eine 80-Quadratmeter-Eigentumswohnung würde sich der Betrag um knapp zehn Euro auf rund 138 Euro erhöhen. Bei einem Reihenhaus mit einem 200-Quadrat-Meter-Grundstück erhöht sich die Steuer um rund 18 Euro auf rund 256 Euro, bei einem Einfamilienhaus mit einem 730-Quadratmeter-Grundstück müssen die Eigentümer rund 24 Euro mehr bezahlen. Rund 37 Euro mehr sind es bei einem Zweifamilienhaus auf einem 730-Quadratmeter-Grundstück. Die Grundsteuer beläuft sich dann auf rund 523 Euro.
Eine Gegenstimme im Ausschuss
Angesichts einer aktuell laufenden Grundsteuerreform sei diese Erhöhung durch die Gemeinde »unverantwortlich«, urteilte der SPD-Gemeinderat Maximilian Föll. Dennoch: Der Antrag der Verwaltung wurde bei einer Gegenstimme angenommen. (GEA)

