TÜBINGEN. Der Kinder- und Jugendzirkus Zambaioni ist eine Institution in Tübingen: Seit 30 Jahren bietet er Heranwachsenden die Möglichkeit schlummerndes Potential in sich zu entdecken, körperliche und geistige Fertigkeiten zu entwickeln und zu Persönlichkeiten heran zu reifen. Am Freitag und am Samstag traten aktuelle und ehemalige Zirkus-Mitglieder im Sudhaus auf und boten Kunststücke im Bereich der Akrobatik, der Clownerie und der Illusion dar.
Die aktuell Jüngsten fuhren Einrad, balancierten auf Tonnen, zeigten Trampolinsprünge und boten, wie später die Größeren, Akrobatik am von der Hallendecke herabhängenden Tuch. Letztere balancierten auf Gymnastikbällen, zeigten Duo-Akrobatik beziehungsweise jonglierten mit Bällen, Reifen und dem Diabolo-Stab. Sehr anmutig war das Mädchen-Quartett, das, mit Hilfe eines Stuhls, Hebefiguren auf die Bühne brachte.
Zambaioni-Nachwuchs begeisterte mit Akrobatik, Jonglage und Illusion
Das Rahmenprogramm der beiden Abende unterschied sich insofern, dass jeweils andere Gruppen auftraten. Für den Moderator der Spendengala, Läufer-Ass Dieter Baumann, besonders berührend: Der Auftritt der Geschwister Nele, Malte und Lotta Jansen am Samstag, die im abgedunkelten Saal mit per Seilen an den Händen befestigten LED-Leuchten eine tolle Licht-Show boten.
Das Publikum war an beiden Abenden begeistert – und viele davon waren bereit, sich finanziell an dem Großprojekt zu beteiligen, das der Verein Zirkus Zambaioni nun in Angriff nimmt: Der Verein beteiligt sich an einem Bauprojekt an jenem Eck in Tübingen wo Hechinger, Autenrieth- und Schickhardtstraße aufeinander treffen. Dort entsteht ein barrierefreier Gebäudekomplex mit einer von der Stadt Tübingen in Auftrag gegebenen Sporthalle und Mietwohnungen in den oberen Stockwerken.
Zambaioni wird in einem Gebäudekomplex im Tübinger Süden Platz finden
Die Sporthalle wird vom Zirkus Zambaioni ab dem Nachmittag, wenn der Schulsport aus ist, mit genutzt werden können. Zudem wird im Gebäudekomplex auch das Zambaioni-Zirkushaus mit zwei großen Gymnastikräumen, einem Büro und einem Lager für Requisiten Platz finden. Dadurch seien nicht nur Kooperationen mit Kitas, Schulen und offener Kinder- und Jugendarbeit möglich, sagte die für die Finanzen des Vereins zuständige Gabi Müller: »Wir haben dieses Jahr 180 Kindern absagen müssen.« Das wird künftig nicht mehr der Fall sein.
Dass die Finanzierung noch nicht komplett gesichert ist, brachte Dieter Baumann zur Vermutung: »Im Vorstand vom Zambaioni-Verein kann kein Schwabe sitzen!« Der Moderator des Abends legte ohne Umschweife nach: »Wir brauchen noch ein paar Euro!« Gabi Müller legte dar, dass der Verein seine Beteiligung am Bau mit Hilfe von drei Säulen finanzieren möchte: Aus Spendengeldern soll die Summe von 1,1 Millionen Euro erzielt werden, 677.000 habe man bereits beisammen.
An beiden Abenden des Wochenendes kam Geld für das Projekt zusammen
Zweitens möchte der Verein Darlehen aufnehmen. Eine Hälfte der erwünschten 500.000 Euro sollen von Banken aufgenommen, die andere Hälfte durch Direktkredite gedeckt werden. 427.000 Euro fehlten dazu noch vor dem Wochenende. An beiden Gala-Tagen kamen rund 100.000 Euro dazu. Jedes Mal, wenn in der Pause eine Glocke läutete, wurde mindestens ein symbolischer Baustein für 500 Euro verkauft. Eine Person allein deckte sich mit Bausteinen im Wert von 25.000 Euro ein.
Zum Dritten soll öffentliche Förderung durch den Landessportbund und die Stadt Tübingen Geld in die Vereinskasse spülen. Tübingens Sozialbürgermeisterin Gundula Schäfer-Vogel übte angesichts der leeren Stadtkasse Rückhaltung, was die exakte Summe betraf, nannte aber den Topf aus dem die Unterstützung kommen wird: »Der Verein Zambaioni wird von der Stadt Tübingen Sportförderung erhalten.«
Stuttgarter Verein Star Care schießt 100.000 Euro zu
Einen großen Teil zur Unterstützung der Baupläne schießt der Stuttgarter Verein Star Care bei: Nachdem am Freitag auf der Sudhaus-Bühne der symbolischen Spendenscheck über 100.000 Euro entrollt wurde, erklärte Thomas Jaißle zweiter Vorstand von Star Care, wie der Tübinger Zirkus zu dieser Unterstützung kam. Demnach sammle Star Care, 1999 gegründet, Geld für Projekte, die Kindern und Jugendlichen zugute kommen: »Wir wollen Inklusion fördern, Krankheit lindern und, im übertragenen Sinne, Leben retten.«
Im Schnitt generiere der Verein rund 200.000 Euro an Spendengeldern, die größeren Projekten zufließen. »Das Projekt des Zirkus Zambaioni steht für uns im Mittelpunkt für das Jahr 2026«, sagte Jaißle. (GEA)


