MÖSSINGEN. Als Michael Bulander in der jüngsten Gemeinderatssitzung den Tagesordnungspunkt »Hoeckle-Areal« aufrief, erinnerte der Mössingens Oberbürgermeister daran, dass dieses Thema die Verwaltung und die Kommunalpolitik »über Wochen, Monate, gar Jahre« intensiv beschäftigt habe. »Im Januar 2022 haben wir den Aufstellungsbeschluss gefeiert«, erinnerte der OB. Seither habe man gemeinsam »gerungen, diskutiert und konstruktiv einen Weg eingeschlagen«. Es sei ein Weg in Richtung Zukunft, hin zu modernen Wohnformen und moderner Mobilität, lobte Bulander. Seine Bilanz: »Wir schaffen Wohnraum und können zugleich einiges gestalten.«
Anschließend übernahm Marietta Rienhardt, Sachgebietsleiterin für Stadtentwicklung, Umwelt und Liegenschaften den bürokratischen Part, erläuterte die Auswirkungen der dritten öffentlichen Auslegung und vergrätzte dabei eine Schülergruppe des Quenstedt-Gymnasiums, die daraufhin demonstrativ den Saal verließ (siehe nebenstehenden Kommentar). Aus ihren Ausführungen wurde deutlich: Die Bürgerbeteiligung fand im rechtskonformen Rahmen statt, alle Einwendungen wurden zur Kenntnis genommen und wo nötig eingearbeitet. Nun sei der städtebauliche Vertrag für das brach liegende Industrieareal beschlussreif. 450 Wohneinheiten sollen hier entstehen, darunter auch geförderter Wohnraum.
Kai Buckenmaier (LiSt) ergriff in der anschließenden Aussprache als erster das Wort und kritisierte erneut den Stellplatzschlüssel, der vom neu gewählten Gemeinderat geändert worden war. So wurde der Stellplatzschlüssel pro Wohnung von ambitionierten 1,0 auf 1,2 Parkplätze pro Wohneinheit geändert, wovon 39 Parkplätze laut Buckenmaier oberirdisch entstehen würden. »Diese Parkplätze sind kinder- und familienfeindlich«, erklärte der Stadtrat der Linken im Steinlachtal und betonte: »Das Gebiet ist gut an den ÖPNV angebunden.« Buckenmaier kritisierte auch die durchgeführte Bürgerbeteiligung. Damals sei über 250 Wohneinheiten gesprochen worden, heute würden 450 Wohneinheiten zur Abstimmung stehen. Dies sorge für »erhebliche Frustration« in der Bevölkerung.
»Bürgerbeteiligung heißt nicht, dass wir das tun, was die Bürger wollen. Am Ende entscheidet der Gemeinderat«
Bulander widersprach deutlich. »Bürgerbeteiligung heißt nicht, dass wir das tun, was die Bürger wollen. Am Ende entscheidet der Gemeinderat«, erklärte der OB und sprach von einer »umfassenden Bürgerbeteiligung«, die stattgefunden habe. Für die SPD-Fraktion ergriff anschließend Sabine Hoppe-Reiber das Wort. In Mössingen werde dringend bezahlbarer Wohnraum gebraucht, erklärte Hoppe-Reiber. »Wir stimmen daher gerne zu.« Auch Judith Rexer (CDU) kündigte ein positives Votum ihrer Fraktion an und sprach von einem »guten Tag für Mössingen«.
Katharina Matheis (Grüne) erinnerte an die langwierigen Entscheidungswege und Diskussionen rund um das Hoeckle-Areal. »In manchen Sitzungen hatte man das Gefühl, wir fangen wieder bei null an.« Die Dimensionen dieses Projektes seien die Mühen aber wert gewesen. Zwar hätten die Grünen lange mit sich gehadert, würden dem Bebauungsplan nun aber zustimmen: »Wir brauchen den Wohnraum und freuen uns darauf.«
So war die Entscheidung am Ende eine klare Angelegenheit: Bei der Gegenstimme von Buckenmaier und einer Enthaltung wurde der städtebauliche Vertrag zum Hoeckle-Areal mit großer Mehrheit angenommen. »Wir haben heute eine gute Entscheidung getroffen«, betonte OB Bulander am Ende und schloss den Tagesordnungspunkt mit einer Ankündigung: »Nächstes Jahr starten wir voll durch.«

