GOMARINGEN. Drei Haltestellen, mindestens alle halbe Stunde eine Bahn und zwei Linien, die Gomaringen bedienen: Der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung der Wiesaz-Gemeinde den aktuellen Stand der Trassen-Planungen zwischen Reutlingen, Gomaringen, Nehren und Mössingen vorgestellt. Über ein Bahn-Dreieck soll zudem eine Verbindung mit Dußlingen und Tübingen geschaffen werden.
»Das Projekt ist eine ganzheitliche Chance für die Mobilität«, erklärte Bürgermeister Steffen Heß. Azubis und Mitarbeiter der lokalen Unternehmen kämen besser zu ihrem Arbeitsplatz und wieder nach Hause, der Straßenverkehr würde entlastet und auch für Schüler wäre mit der eigens für das Schulzentrum auf dem Höhnisch geplanten Haltestelle eine gute Möglichkeit gegeben, sicher zum Unterricht zu kommen. »Das kostet natürlich auch was«, setzte Heß nach.
Ist das Projekt für die Kommunen zu stemmen?
Das Projekt könnte in Zukunft zur Belastungsprobe der beteiligten Kommunen in den drei Landkreisen werden. Für viele Gemeinden hieß es in den vergangenen Jahren: steigende Ausgaben für Personal und die Umsetzung von Bundes- und Landesvorgaben, dazu im Falle des Landkreises Tübingen auch eine steigende Kreisumlage und stagnierende Einnahmen wegen der versprochenen Aufkommensneutralität nach der Grundsteuerreform.
»Und da ist die Stadtbahn noch mit keinem Cent reingerechnet«, sagte Schultes Heß im Dezember vergangenes Jahr, als die vom Kreis geforderte höhere Umlage für Finanzierungsängste bei den Kommunen sorgte. Einige Bürger äußerten bei der jüngsten Einwohnerversammlung im März skeptisch zur Umsetzung. »70 Prozent der Leute, die ich gefragt habe, sagen, dass die Stadtbahn nie kommt«, erklärte der ehemalige SPD-Gemeinderat Willi Kemmler bei der Veranstaltung. »Die Bahn wird zwischen 2030 und 2033 gebaut«, antwortete Heß. (pru)
Und das nicht zu knapp. Prognosen aus dem Jahr 2022 rechnen mit Baukosten in Höhe von 193,2 Millionen Euro für die Strecke von Mössingen bis Reutlingen, inklusive Gomaringer Spange. 2016 lagen die noch bei 149 Millionen. Allein die Planungskosten für diesen Abschnitt schlagen mit 46 Millionen Euro zu Buche und sind seit 2016 ebenfalls um knapp zehn Millionen Euro gestiegen.
Die gute Nachricht: den Großteil dieser Kosten übernehmen Bund und Land. »Insgesamt verbleibt ein kommunaler Anteil von rund 43 Millionen Euro bei den Landkreisen«, erklärte Tobias Bernecker, der den Zweckverband als Geschäftsführer leitet. Dabei komme zugute, dass die zukünftige Stadtbahn überwiegend auf Gleisen verlaufe, die als Reaktivierungsstrecke eingestuft werden: die alte Bahnlinie nach Gönningen. Trotzdem verblieben rund 20 Millionen Euro beim Landkreis Tübingen, die durch den Zweckverband abgeschrieben und finanziert werden.
Vorplanungen im Landkreis Tübingen abgeschlossen
Diese Finanzierung hat der Verband laut des diesjährigen Wirtschaftsplans deutlich verbessert: Die Umsetzung soll gestuft erfolgen und nicht - wie noch im vorherigen Jahr - als Einheit aller Maßnahmen. »Damit ist das Projekt deutlich leichter zu finanzieren«, sagte Bernecker. In Zahlen ausgedrückt sinkt die Finanzbelastung damit um rund 68 Prozent im Vergleich zur Prognose 2024 und um knapp 60 Prozent im Zeitraum einer mittelfristigen Finanzplanung bis 2028.
Doch nicht nur im Bereich der Finanzplanung hat sich etwas geändert. »In beiden Landkreisen sind die Vorplanungen nahezu abgeschlossen«, so Bernecker. Auf der Gemarkung Tübingens sei man bereits seit vergangenem Jahr durch, im Landkreis Reutlingen erfolge der Abschluss der Vorplanungen voraussichtlich Ende des Jahres. Nach der Sommerpause folgen Entscheidungen in Ohmenhausen und Betzingen. »Hier hat es ein wenig länger mit der Variantenplanung gedauert«, erklärte der Geschäftsführer.
Haltestelle kommt auf die Straße
Auch sei man in der Abstimmung mit der Zollernalb-Bahn weiter. Im Verlauf der Spange gibt es nämlich drei relevante Schnittstellen: die Einschleifung bei Dußlingen, die Einschleifung bei Nehren und die Eisenbahnbrücke über die Landstraße, die von Gomaringen nach Nehren führt. »Aber mit der jetzt folgenden Entwurf- und Genehmigungsphase wird beides zusammen als eine Planung weitergetrieben.« Die Brücke könne allerdings nicht erhalten bleiben, sondern müsse neu gebaut werden - was man aber zweigleisig mache. »Dann hat man Platz«, brachte es Bernecker auf den Punkt.
Innerorts gebe es in Gomaringen zudem kleine Verschiebungen: Ursprünglich sei geplant gewesen, die Trasse von Ohmenhausen ins Gomaringer Zentrum seitlich der Reutlinger Straße zu führen. Davon sei man aber nun abgerückt: »Die Zweigleisigkeit wird weitergeführt, über den Kreisverkehr und im Mittellage auf der Straße.« Dabei verschiebe sich die Haltestelle Gomaringen Ost ein wenig nach Nord-Osten und ebenfalls auf die Straße. Das habe weniger Eingriffe in die Privatgrundstücke und weniger Haltevorgänge für Autos und Bahnen zur Folge, weil der Verkehrsfluss damit optimiert werde.
Durch Gomaringen werden in Zukunft zwei Linien der Regional-Stadtbahn verlaufen: die S12 und S2. Während die S12 von Reutlingen kommend über Dußlingen nach Tübingen führt, schlängelt sich die S2 nach Mössingen weiter. Neben den Haltestellen Ost, Mitte und Tübinger Straße halten die Züge der S2 auch am Schulzentrum Steinlach-Wiesaz. Die Zollernalb-Bahn führt zusammen mit der Linie S1 über Mössingen und den Nehrener Bahnhof und kreuzt die Gomaringer Gleise auf der Höhe von Dußlingen. Der Bau für die Gomaringer Spange soll noch 2029 starten. »Ab 2030 kann mit einer Inbetriebnahme von Reutlingen aus gerechnet werden«, prophezeite Bernecke. Die Spange sei nämlich relativ unproblematisch zu bauen. (GEA)

