Logo
Aktuell Engagement

Gomaringer Krankenschwester hilft Häftlingen in Uganda

Es war Denise Weihings siebter ehrenamtlicher Auslandseinsatz: Die Gomaringer Krankenschwester versorgte im Oktober für zwei Wochen Gefangene im afrikanischen Uganda. In den dortigen Gefängnissen haben die Insassen die Hilfe bitter nötig.

In Uganda im Einsatz: Denise Weihing (rechts) mit zwei Kollegen bei der Medikamentenausgabe.
In Uganda im Einsatz: Denise Weihing (rechts) mit zwei Kollegen bei der Medikamentenausgabe. Foto: Privat
In Uganda im Einsatz: Denise Weihing (rechts) mit zwei Kollegen bei der Medikamentenausgabe.
Foto: Privat

GOMARINGEN. Denise Weihing ist routiniert. Nicht nur in ihrem Job als Krankenschwester, den die Gomaringerin seit fast 30 Jahren macht, sondern auch in ihren Auslandseinsätzen. Im Oktober war sie zum siebten Mal mit der deutschen Hilfsorganisation Humedica in Afrika, zum ersten Mal davon in Uganda. »Seife ist wichtig, und Zahnpflegeprodukte«, zählt die 52-Jährige ihre wichtigsten Mitbringsel auf. Dazu gehören auch Gaffer Tape, ein Moskitonetz und Insektenschutzmittel. Was im persönlichen Gepäck nie fehlen darf: Schokolade, ihre Bibel und das Tagebuch.

»Auch einen Schal habe ich immer dabei«, erklärt Weihing. Falls man sich bedecken müsse, sei man damit am flexibelsten - sei es nun aus religiösen Gründen oder des Anstands wegen. »Wir passen uns kulturell immer an das Land an, in dem wir im Einsatz sind.« Das heißt auch: Lange Hosen, wenn bei sommerlichen Temperaturen eher ein Kleid angenehmer wäre.

Medizinische Versorgung der Gefangenen ist ein Grundproblem

Zusammen mit sechs Ärzten und zwei weiteren Pflegekräften hat Weihing in Uganda für zwei Wochen Gefangene versorgt. Die Verhältnisse in den dortigen Gefängnissen sind schlimm. »Teilweise sind 120 Menschen in einem Raum zusammengepfercht, man schläft in Schichten oder in der Hocke«, erzählt die 52-Jährige. Schlafmangel sei daher ein Problem, zusätzlich zu massiven hygienischen Mängeln und schlechter und oft unzureichender Ernährung. »Oft gibt es auch keine Toilette im Raum, nur einen Eimer.« Die meisten Gefangenen hätten zudem nur eine Garnitur Kleidung und kaum Unterstützung von außen. Weihing erinnert sich an einen Einsatz in Togo: »In einem Gefängnis habe ich einer Frau 2022 einen Wundverband geschenkt. Ein Jahr später bat sie mich um einen Neuen - und hatte den Alten noch.«

Die medizinische Versorgung in Ländern wie Togo und Uganda ist für viele Menschen ein Grundproblem. Wer Geld habe, habe auch guten und modernen Zugang zu Ärzten, erzählt die Krankenschwester. Für die allermeisten Gefangenen gelte das nicht, was auch mit einer »Scham-Kultur« zusammenhänge, wie Weihing zusammenfasst. Viele Familien brächen den Kontakt zu den Insassen ab, womit auch die etwaige finanzielle Unterstützung versiege. In Uganda könnten Gefangene immerhin durch Arbeiten wie Korbflechten oder sogar Feldarbeit ein wenig Geld dazu verdienen, in Togo gebe es derlei Konzepte nicht. Trotzdem: Ein Arzt lässt sich damit nicht bezahlen - wenn es überhaupt medizinisches Personal in der Einrichtung gibt.

900 Euro Eigenbeteiligung

Da kommen die Hilfsorganisationen ins Spiel. Humedica, für die Weihing ehrenamtlich arbeitet, ist vier Wochen im Jahr im Einsatz, zwei Wochen pro Reise. Die Hilfsorganisation finanziert sich vor allem durch Spenden, was bedeutet, dass die Ehrenamtlichen für ihr Engagement draufzahlen müssen. »Die Eigenbeteiligung der Reise lag bei 900 Euro«, so die Krankenschwester. Flug und Aufenthalt in Hotels sind da bereits mit eingerechnet, die Zeit fließt vom Urlaubskonto des Hauptjobs ab. »Trotzdem ist es für mich ein Privileg, mit Humedica in einen Einsatz zu können.« Die Teilnahme ist begehrt, nicht immer schaffen es alle Bewerber in die Teams. Zur Vorbereitung müssen spezielle Trainings absolviert werden, in denen sich die Ehrenamtlichen vor allem mit Tropenkrankheiten, kultureller Anpassung und Sicherheit beschäftigen.

Der Andrang auf das medizinische Angebot von Humedica ist groß.
Der Andrang auf das medizinische Angebot von Humedica ist groß. Foto: Privat
Der Andrang auf das medizinische Angebot von Humedica ist groß.
Foto: Privat

Für den möglichst reibungslosen Ablaufen sorgen befreundete Partner vor Ort. »Die fürchten fast am meisten, dass jemand von uns ausfällt«, erzählt Weihing - weshalb besonderer Wert auf eine gute Unterkunft gelegt werde, mit sicherem Essen und sauberem Trinkwasser. Von den Hotels aus geht es dann in die verschiedenen Gefängnisse, wo die Patientenversorgung stattfindet. Ein Tag in den zwei Wochen ist frei. »Wir machen im Prinzip eigentlich das, was eine normale Arztpraxis auch machen würde«, fasst die 52-Jährige zusammen. Sie selbst arbeite oft bei der Medikamentenausgabe.

Viele Geräte fehlen für eine anständige Behandlung

Doch der Andrang ist riesig und das Team klein. 250 bis 300 Menschen können Weihing und ihre Kollegen am Tag versorgen, oft muss priorisiert werden. »Wir müssen dann entscheiden: Was ist das größte Problem?« Wenn jemand nur Vitamine und Schmerzmittel brauche, gehe es dem Patienten vergleichsweise gut. Grundsätzlich teste man viel auf Malaria, auch ein Ultraschallgerät habe man dabei. »Die Haut ist gut zu behandeln, ebenso Parasiten«, zählt Weihing auf. Beim Blutdruck wird's schon schwieriger, weil dem Betroffenen schnell die Medikamente ausgehen. »Wir sehen viel, was man hier in Deutschland aufgrund der guten Versorgungslage nicht sehen muss.«

Je nachdem, welche Fachärzte bei einer Tour mit im Boot säßen, können drängende Eingriffe durchgeführt werden. Trotzdem könne der Zahnarzt lediglich Zähne ziehen anstelle der Wurzelbehandlung, wie man sie hierzulande kennt. Die Arbeit werde im Rahmen der Möglichkeiten vor Ort gemacht. »Ein EKG fehlt, auch röntgen können wir nicht. Bei vielen Fällen muss man leider sagen: Was nützt die Diagnostik, wenn der Patient nicht ins Krankenhaus kann?«, bringt Weihing das Versorgungsproblem auf den Punkt.

Ihr sei klar, dass ihr Einsatz nicht »unbedingt ein Gamechanger ist«. Aber sie sehe, dass ihre Hilfe den Menschen wieder Hoffnung gibt, sie sich wieder als Menschen fühlen können - wenn auch vielleicht nur für einen kurzen Moment. Auch mit Denise Weihing machen die Auslandseinsätze etwas, machen sie zu einer besseren Krankenschwester. Die Erfahrungen prägen sie, die Sicht auf viele Dinge im Alltag verändert sich. »Die Dankbarkeit ist deutlich größer für alles, was wir hier haben.« Im kommenden Jahr wird die 52-Jährige voraussichtlich aussetzen - um anderen Kollegen, die bislang noch nicht die Möglichkeit auf einen Auslandseinsatz hatten, eine Chance dafür zu geben. (GEA)