MÖSSINGEN-BELSEN. Die ersten Besucherinnen in der DRK-Rettungswache Belsen am Mittag des 24. Dezember waren alte Bekannte: »Unser AH-Stammtisch«, sagte Helferin Simone Lengerer, »alleinstehende Frauen, die zusammen hierherkommen. Die genießen es!« Ganz außen, aber kommunikativ mittendrin saß Sieglinde Butt. Sie bestätigte: »Wenn das Rote Kreuz einlädt, kommen wir.« Diese Gruppe, am Mittwoch waren sie zu siebt, treffe sich auch privat zu Spielenachmittagen.
2020 bereiteten Helfer des DRK-Ortsvereins Mössingen-Ofterdingen erstmals ein Weihnachtsessen zu, das allerdings auf Bestellung ausgefahren wurde – in jenem Winter hielt der Corona-Virus die Menschen in den eigenen vier Wänden. Für das Jahr darauf beschloss der Vorstand des Ortsvereins um den Vorsitzenden Eberhard Bazlen ein Weihnachtsessen für einsame und finanziell bedürftige Menschen einzurichten. Bei Letzteren erkenne man die Not kaum, beobachtete Bazlen: »Die kommen in ihrem besten Häs.«
Knapp zwei Dutzend Menschen an Heiligabend
An diesem Heiligabend kamen etwas mehr als 20 Menschen, um gemeinsam in der Rettungswache zu speisen. Vorab gab es Flädlesuppe. Hauptgang: Königinnenpastete mit Frikassee. Als Nachtisch: Bratapfelzimtcreme auf zerbröseltem Spekulatius. Das in der DRK-Rettungswache zubereitete und ausgeteilte Weihnachtsessen war auch in diesem Jahr ein liebevoll zusammengestelltes Menü für einsame und bedürftige Menschen.
»Das Menü wird üblicherweise im Haus Bazlen erdacht, dann wird ein Rezept gesucht«, verriet der Ortsvereins-Vorsitzende. Helfer, die das Rezept dann zum Mittag an Heiligabend umsetzen, gibt es genug. Deren Kreis reicht über Mitglieder des DRK hinaus: Linde Schneider gehörte zu den Fünfen, die am Mittwoch kochten. Andere teilen das Essen aus. Wieder andere sind als Essensboten unterwegs.
Pfarrerin Ulrike Bast wollte dieses Jahr unbedingt mithelfen
Barbara Schwarz war als Essensausfahrerin dabei. Dieses Mal hatte sie nur zwei Touren, beide nach Belsen: »Ein Ehepaar und eine Dame, zu der ich mich noch ein bisschen hinsetzen werde.« Ulrike Bast, die ihre Stelle als Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Belsen Anfang Dezember vergangenen Jahres antrat, gehörte zu den Helferinnen und Helfern, die die Gäste bedienten. »Ich wollte dieses Jahr unbedingt dabei sein! Letztes Jahr war ich pünktlich zu Heiligabend krank.«
Lukas Scheuble fungierte auch in diesem Jahr als Küchenchef. Oder wie er sagt: »Ich bin am Schauen, dass es läuft.« Die direkten Vorbereitungen begannen am Vortag: »Wir haben die Küche startklar gemacht und den Saal hergerichtet.« Sie stellten die Komponenten für den Nachtisch zusammen, stellten Crêpes her und schnitten diese zu Flädle. An Heiligabend begann die Küchen-Crew um 9 Uhr. »Wir haben den Herd angemacht, die Töpfe darauf gestellt, den Reis und das Frikassee frisch gekocht und den Nachtisch geschichtet«, so Scheuble.
Die Küchen-Crew bereitete hundert Menüs zu
Eberhard Bazlen sagte, die Menge betreffend orientiere man sich am Durchschnitt der letzten vier Jahre: So wurden auch in diesem Jahr 100 Menüs vorbereitet, nur leider blieben mehr Mahlzeiten übrig als in den vergangenen Jahren. Lukas Scheuble ergänzte: »Die Mengen anzupassen, ist eine Kunst.« Dieses Mal waren am Ende der Nachtisch-Zubereitung nur je zehn Löffel Creme und geschrotete Äpfel übrig. Fast eine Punktlandung. Noch besser: Das Küchenteam bekam von den Besuchern laufend Komplimente für das Menü.
Um halb zwei gab es ein Konzert vor dem Gebäude: Der Posaunenchor Belsen zog durch den Ort und spielte an mehreren Stellen. »Wir haben vorher ausgemacht, dass wir als erste Station dran sind«, sagte Simone Lengerer. Musik gab es aber auch im Speisesaal: Christof Herrmann kam wieder mit seinem Akkordeon und spielte ein paar Melodien. Wer sich nach dem Essen und den Gesprächen verabschiedete, bekam noch eine Tüte mit auf den Weg. Sie enthielt einen Wichtel, Mandarinen, Kekse, Gutsle und ein Extra, etwa eine Tube Handcreme.
Ulrike Bast hatte sichtlich Freude an dieser Veranstaltung. Allerdings stellte die Pfarrerin fest, dass diejenigen, die da waren, alle am Anfang, gegen zwölf Uhr Mittags erschienen waren. Danach kamen noch zwei Rettungssanitäter in ihrer Mittagspause, ansonsten keiner mehr. Ulrike Bast bilanzierte: »Wir müssen für nächstes Jahr mehr Werbung machen.« (GEA)

