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Aktuell Ortsmitte

Es werde Licht

NEHREN. »Entweder gar nichts oder perfekt«, befeuerte Mario Hägele vom Stuttgarter Atelier für Lichtplanung sein Konzept für die historische Veitskirche in Nehren. Dabei bekam der Gemeinderat am Donnerstag schon das abgespeckte Projekt präsentiert: Die benötigten Lichtmasten werden von der Allzweck-Truppe vom Bauhof gesetzt.

Mit Bildern von der Stiftskirche in Sindelfingen bei Nacht versuchte der Architekt dem Gemeinderat klar zu machen, was »Brillanz« in der Welt der Strahlungscharakteristika von wenig streuenden asymmetrischen Linsenstrahlern in LED-Technologie bedeutet: dass ein altes Mauerwerk, das gleichzeitig von zwei Seiten angestrahlt wird, ganz andere Tiefe und Struktur erhält. Und dass, wenn man wie in Nehren schon auf Fernwirkung setze, nicht nur der Turm, sondern eben auch der Gockel oben drauf in Szene gesetzt werden muss. »Wenn wir's uns noch leisten können«, schob Mario Hägele hinterher: »Die Ideen sind mit der Kirche abgestimmt. Mit jeder Menge Wohlwollen.«

Dabei musste er in diesem Gremium längst niemanden mehr überzeugen: Wer solche Schätze bewahrt, will sie auch stolz nach außen präsentieren. »Für das Ortsbild ist die Kirche der Einstieg nach Nehren – der erste Eindruck«, betonte Bürgermeister Egon Betz.

Wie wichtig dem Nehrener Gemeinderat dieses in aller Eile vorgezogene Element eines Gesamt-Lichtkonzepts für die alte Ortsmitte ist, bewies die kurzfristige Aufnahme des Themas auf die aktuelle Tagesordnung. Und die Tatsache, dass eigentlich das Ensemble am Rathausplatz als Einstieg vorgesehen war. »Die technischen Installationen an der Kirche müssen jetzt gemacht werden«, erklärte Bürgermeister Betz. Die Planungen für die Neugestaltung des Kirchen-Vorplatzes sollen schon in der nächsten Ratssitzung verabschiedet werden: »Jetzt kann man noch montieren. Später macht man die Dinge wieder kaputt.«

Weniger Energiekosten

Zur Vorgeschichte: Der Nehrener Gemeinderat hatte sich bei seiner Klausurtagung zum Jahresbeginn vom Lichtkonzept in Trochtelfingen inspirieren lassen. Mitten im denkmalgeschützten Ortskern, mit ähnlicher Ensemble-Wertigkeit wie in Nehren. Die Anregung aus den eigenen Reihen: »Bitte vergesst die Kirche nicht.« Stolz und pure Freude an der Gestaltung waren dem Gremium am Donnerstag anzumerken. »Keine Wortmeldungen«, stellte Bürgermeister Egon Betz nach einer beredten Schweige-Sequenz fest.

Der Giebel der Veitskirche soll nächtens überschneidend von zwei umgebenden Lichtmasten aus angestrahlt werden, der Turm selbst von allen vier Seiten und über mehrere Etagen und ganz ober der Spitzenbesatz. Gleichzeitig wird das Kirchenumfeld ausgeleuchtet: der Platz, der gerade neu gestaltet wird.

Eine deutliche Aufwertung erfährt im gleichen Zug der seitliche Treppenaufgang. »Das typische Ensemble wird mit vier Downlights ausgeleuchtet«, erklärte Mario Hägele im Techniker-Jargon. »Das machen wir noch mit dem jetzt schon stehenden Gerüst.« Bis in zwei Wochen ist das weg.

Die Hochglanzpolitur zur vorweihnachtlichen Inszenierung: Die neue LED-Technik drückt den Energieverbrauch insgesamt auf jährlich 875 Kilowattstunden und damit auf 175 Euro statt wie bisher 311 Euro im Jahr, gerechnet bei 20 Cent pro Kilowattstunde. Das Beleuchtungskonzept soll insgesamt rund 21 000 Euro brutto kosten, zuzüglich Planungsaufwand. Das Budget dazu wird über den Nachtragshaushalt finanziert. Weder die Turmfalken noch die Anwohner würden durch die neue Lichtinstallation mehr gestört als bisher, versicherte Gestalter Hägele.

Pfarrer Jörg Conrad hatte sich schon zuvor bei Gemeinderat und Verwaltung für die Unterstützung zur Kirchensanierung bedankt: »Wir haben mit Freude gehört, dass sie beim Beleuchtungskonzept an die Kirche gedacht haben«. (GEA)