Am Dienstagabend wurde das unter dem sinnigen Namen »Energiebündel und Flowerpower« laufende Modellprojekt des Netzwerks zur Biomassenutzung der Landschaft um Mössingen und Nehren Gottfried Hage vom Büro HHP und Sabine Mall-Eder vom Netzwerk vorgestellt. Auch beide Gemeinden sind an der Aktion beteiligt, die von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg unterstützt wird.
Überfüllter Vortragsraum
Zur Auftaktveranstaltung im überfüllten Vortragsraum der Pausa-Tonnenhalle drängten sich rund achtzig Interessierte, um das Ergebnis einer ersten Potenzial-Analyse – der am 12. November die Wirtschaftlichkeitsberechnung folgen wird – zu hören. Die wurde von Studenten der FH Rottenburg vorgetragen, die sich im Rahmen ihrer Masterarbeiten mit der nachhaltigen Energiewirtschaft und -technik befassten.Die Daten die Svitlana Rilling zum theoretischen Biomassesaufkommen in der Landschaft (ohne Wald) präsentierte, geben einen ungefähren Anhaltspunkt, mit welchen Mengen auf der 5 864 Hektar großen Gemarkung beider Gemeinden zu rechnen wäre. Rund 18 Prozent der Fläche setzt sich aus Streuobstwiesen und freier Landschaft zusammen. Allerdings sind 65 Prozent der Landschaft mit Schutzflächen überzogen. Ungeachtet dessen beläuft sich das jährliche Gesamtpotenzial auf rund 11 400 Tonnen. Eine grob berechnete Mengenangabe, aus der bereits die Feuchtigkeit herausgerechnet worden ist. Etwa 65 Prozent des Schnittguts würden sowohl aus privaten wie öffentlichen Landschaftspflegehölzern stammen, also Baum-, Hecken- oder Ufer-Schnitt. Der Rest errechnet sich aus dem Grasschnitt, der in der Landschaft anfällt. Einbezogen sind das Mähgut am Straßenrand bis hin zu dem der Allmendteile.
Rilling errechnete einen jährlichen Ertrag von 3,5 Tonnen Schnittholz pro Hektar aus den Streuobstwiesen und 13 Tonnen aus dem Grasschnitt. Die Zahlen zeigen lediglich auf, was überhaupt machbar wäre. Eine ganz andere Frage ist, ob es überhaupt vernünftig ist, den Streuobstwiesen die Eigengrasdüngung zu entziehen und durch die Entnahme von Totholz vielen Lebewesen die Existenzgrundlage zu zerstören.
Potenzial des Waldes
Joachim Altmaier, Student der Forstwirtschaft, präsentierte eine Analyse des Waldenergieholzpotenzials. Er rechnete die nach dem Baumeinschlag zurückgelassenen Ast- und Kronenteile aufgrund von den bekannten Brennholzeinschlagswerten hoch. Diese Analyse nimmt ebenfalls keine Rücksicht darauf, ob es ökologisch Sinn macht, dem Waldboden das gesamte Restholz zu entziehen.Demnach sei in Mössinger Wäldern mit einer Menge von rund 5 400 Schüttkubikmetern Hackschnitzelholz zu rechnen. Das entspräche dem Heizwert von umgerechnet 380 000 Litern Heizöl. Für Nehren beträgt die theoretische Menge rund 250 Schüttkubikmeter, was rund 16 500 Liter entspricht. Beides zusammen ergibt einen nutzbaren Energiegehalt von 4,5 Millionen Kilowattstunden.
Erick Perez-Borotto stellte die Möglichkeiten vor, aus den Wald-, Ernte-, Landschafts- und organischen Abfällen Biomasse herzustellen. Es könnten sowohl feste, flüssige wie auch gasförmige Energieformen gewonnen werden.
Bene Müller von der Solarcomplex AG, einem ausgezeichneten Unternehmen, das ein Dutzend reine Bioenergiedörfer im westlichen Bodenseegebiet betreibt, sieht die »Kleinteiligkeit« des Mössinger Projekts mit Skepsis: »Das will gut argumentiert sein. Letztlich ist es eine Frage des Energiepreises. Noch können wir uns die Stromkosten leisten. Doch die werden steigen und dann sind Alternativen gefragt.« (GEA)

