MÖSSINGEN/KIRCHENTELLINSFURT. Allerorts Vorfreude auf Weihnachten: Auf den zentralen Ortsplätzen von Kirchentellinsfurt, Ofterdingen, Mössingen und Öschingen wurde am vierten Adventsabend unterm Christbaum gesungen, musiziert und Glückwünsche bei Glühwein ausgetauscht. Weihnachtsbaum-Singen ist ein soziales Phänomen. Denn es transportiert unmittelbar Stimmungen und Gefühle und schafft sozialen Zusammenhalt.
Der war bei der Kälte am Sonntagabend auch bitter nötig. In Mössingen stand der große Chor aus Besuchern, Chorgemeinschaft und Musikverein eng unterm Baum zusammen. Bevor mit gesungenen Evergreens auf die besinnlichen Tage eingestimmt wurde, appellierte OB Michael Bulander in seinem Jahresrückblick angesichts der angespannten Welt-, Wirtschafts- und Klimalage für mehr Optimismus: »Wir schätzen oft zu wenig, was wir haben. Dabei geht es uns, sofern wir gesund sind, vergleichsweise gut. Ich würde mir wünschen, dass wir uns wieder mehr für das Miteinander besinnen, an das Gemeinsame, das uns in diesen unsicheren und schwierigen Zeiten zusammenhält und stärkt.« In einer gefühlt schwierigen Zeit zu leben, sei an sich »nichts Schlechtes«, denn Herausforderungen eröffnen Chancen. So habe man in Mössingen trotz finanzieller Engpäss einige Bauprojekte voranbringen können: Kindertagesstätte Hinter Höfen, Filsenbergschule und bald den Abschluss der neuen Mitte.
In Öschingen kam zeitgleich die Dorfgemeinschaft unter dem bislang vermutlich größten Christbaum in der Ortsmitte zusammen. Der altbewährte Ablauf des Liedersingens wurde vom Posaunenchor und dem Liederkranz tonangebend bestimmt. Die Bäckerei Schneider gab sich spendabel. Zugunsten des Umbaus des Jugendclubs »Hütte« wurde getrunken und gevespert. Und Vereinssprecher Leo Grauer freute sich, ob des guten Besucherzuspruchs, »nicht mehr aus dem Händeschütteln herauszukommen« zu sein.
Ein ähnliches Bild auf der »Insel« an der Ofterdinger Steinlach. Dort animierten Bürgergesangsverein und Posaunenchor mit der letzten Großveranstaltung des Jahres zum gemeinsamen Singen und Zusammentreffen.
Kirchentellinsfurt rückt zusammen
In Kirchentellinsfurt kooperierten zum zweiten Mal der örtliche Musikverein mit dem Posaunenchor der evangelisch-methodistischen Kirche: Martin Hornung, Vorsitzender des Musikvereins, begrüßte rund 300 Menschen beim »Singen und Spielen auf dem Rathausplatz« unter dem großen, festlich geschmückten Tannenbaum. Jonas Högermeyer, Dirigent des Posaunenchors, gab den Takt vor, die Musiker steuerten die Melodien und die versammelte Bürgerschaft den Gesang bei.
Für die nicht ganz textsicheren unter den Sängern auf dem Rathausplatz war eine Leinwand errichtet worden, auf der die Zeilen der Weihnachtslieder eingeblendet wurden. Nach fünf Stücken trat Bürgermeister Bernd Haug ans Mikrofon. »Ich finde diese Tradition wunderschön«, bekannte der Kirchentellinsfurter Schultes. Er freute sich, dass auch an diesem vierten Advent viele Kinder teilnahmen: »Ich habe das Gefühl, es werden immer mehr«, sagte Haug.
Renate Ruck vom Liederkranz Kirchentellinsfurt nutzte die Gelegenheit, mögliche Sängerinnen und Sänger für dessen Gesangsgruppe Choropax anzuwerben, dessen Mitglieder, strategisch gut in der Menge verteilt, für den richtigen Ton sorgten. Würden einige aus der Menge diesem Chor beitreten, dann wäre der Gesamtklang im kommenden Jahr noch kräftiger, argumentierte Renate Ruck zum Amüsement der Besucher.
Bürgermeister Haug wünschte allen im Rund ein friedliches Jahr 2026 und leitete dann zum »Lied der Lieder« (Haug) über: »Stille Nacht, heilige Nacht« erfüllte nun den Rathausplatz. Da sangen alle mit. Die so ausgelöste, besinnliche Stimmung blieb noch eine ganze Weile erhalten. Otto Becker und Freunde schenkten Glühwein aus. Die Kirchentellinsfurter wandten sich einander zu. Für viele war es ein Wiedersehen mit alten Bekannten und eine gute Gelegenheit, sich nach einiger Zeit wieder einmal auszutauschen. (GEA)


