MÖSSINGEN. Ein kräftiges Allegro war es noch nie. Eher war die Suche nach Räumen für die Jugendmusikschule Steinlach (JMS) ein dahinplätscherndes Andante. Mit dem Haushaltsentwurf für 2026 ist sie jetzt beim Pausenzeichen angekommen. Angesichts der klammen kommunalen Finanzen ist das Thema ganz aus dem Haushalt herausgefallen - wie manches andere auch.
Klar ist: Aus den derzeit genutzten Räumen im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Pausa muss die Jugendmusikschule bis Ende 2026 raus, weil dann die Sanierung weitergeht . Dazu kommt, dass der Zuschuss der Stadt mit 195.000 Euro um 50.000 Euro höher veranschlagt ist als im laufenden Jahr. Vor allem die Personalkosten sind deutlich gestiegen. Dafür gibt es laut OB Michael Bulander mehrere Gründe. Zum einen dürfen nach einem Gerichtsurteil keine Honorarkräfte mehr eingesetzt werden. Außerdem benötigte die JMS wegen eines Krankheitsfalls einen stellvertretenden Leiter, und zusätzliches Personal wurde ebenfalls eingestellt.
Bekenntnis zur Musikschule
Weil auch die an der Musikschule beteiligten Nachbargemeinden sparen müssen, wird die Situation nicht einfacher. Dennoch legte Bulander ein von den Gemeinderäten mit Beifall honoriertes deutliches Bekenntnis zur JMS ab: »Wir setzen die Musikschule nicht leichtfertig aufs Spiel. Sie ist keine elitäre Bildungseinrichtung, sondern für die gesamte Gesellschaft da und enorm wichtig für die musische Bildung. Darüber brauchen wir nicht diskutieren.« Eine Kürzung im Kulturbereich gibt es jedoch: Das Open Air-Kino im Freibad soll 2026 ausfallen. In diesem Jahr waren dafür im Haushalt 14.000 Euro eingestellt. Beibehalten will die Stadt das Kultur-Open Air auf dem Löwensteinplatz; dafür sind 40.000 Euro angesetzt.
Kein Zuschuss für die Stadtwerke
Nicht sehr erfreulich ist der Haushalt auch für die Stadtwerke Mössingen, die laut Betriebsleiter Justus Hoffmann mit einem angepeilten Umsatz von 32 Millionen Euro fürs kommende Jahr mit einem Verlust rechnen. »Wir planen bisher keinen Zuschuss der Stadt ein, aber wenn sich das Jahr besser entwickeln sollte, werden wir etwas zur Verlustabdeckung beitragen«, erklärte die für Finanzen zuständige Fachbereichsleiterin Heidrun Bernhard.
In diesem Jahr hat sie aus dem städtischen Haushalt immerhin 500.000 Euro an die Stadtwerke überwiesen. Dass dies in 2026 nicht mehr möglich ist, bekräftigte auch OB Bulander: »Wir können nicht einfach den Abmangel der Bäder übernehmen. Dann haben wir keinen genehmigungsfähigen Haushalt mehr.« Sogar die mit 150.000 Euro veranschlagte Sanierung des Kinderbereichs wird erneut verschoben.
Freibad schließen?
Eine Position, die Elmar Scherer (FWV) »etwas Bauchweh« verursachte. Seiner Befürchtung, dass die Stadtwerke so in die Insolvenz getrieben werden, widersprach Heidrun Bernhard: »Die Stadtwerke können icht insolvent werden, weil die Stadt Gewährsträger ist. Das ist ein Haushalt. Aber wenn man konsequent wäre, müsste man das Freibad schließen.«
Dass Diskussionen über die Schließung von Bädern gang und gäbe sind, bekräftigte Michael Bulander. »Bevor wir das Freibad schließen, müsste man allerdings genau rechnen, was man dabei überhaupt spart.« Sein Vorschlag: abwarten, wie das Jahr läuft. »Wir haben in den vergangenen Jahren immer Geld an die Stadtwerke überwiesen.« Was Elmar Scherer nur bedingt zufriedenstellte: »Wir müssen doch ohnehin für die Stadtwerke einstehen und zahlen. Das ist eine heiße Nummer.«
Auf den Hund gekommen
Und gibt es Möglichkeiten, an Geld zu kommen? »Wir verlangen bisher keine Gebühren auf dem Häckselplatz«, warf Bulander schon mal in die Runde. »Überall um Mössingen herum werden Gebühren verlangt. Und wenn man auf dem Häckselplatz ist, sieht man mal, woher die Leute kommen.« Auch die Vergnügungssteuer und die Hundesteuer dürften im Lauf des Jahres wohl erhöht werden. Die Einnahmen aus der Steuer für die Vierbeiner waren dieses Jahr mit 110.000 veranschlagt. Für 2026 sind 135.000 Euro eingeplant. (GEA)

