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Die Kaffeemühle Ofterdingen versprüht das Flair der 1950er Jahre

Das Café in der ehemaligen Ofterdinger Mühle öffnete bisher nur an den letzten Freitagen der Sommermonate, ist aber bereits sehr beliebt.

Geöffnet immer an den letzten Freitagen der Sommermonate: Die Kaffee-Mühle Ofterdingen.
Geöffnet immer an den letzten Freitagen der Sommermonate: Die Kaffee-Mühle Ofterdingen. Foto: Foto: Michael Sturm
Geöffnet immer an den letzten Freitagen der Sommermonate: Die Kaffee-Mühle Ofterdingen.
Foto: Foto: Michael Sturm

OFTERDINGEN. Am 26. September wird die Kaffee-Mühle Ofterdingen für dieses Jahr letztmals als Café geöffnet sein. Am vergangenen Freitag des Monats, wie bereits in den Monaten Juni, Juli und August. Am 25. Juli reichten die 33 Plätze in der oberen Etage, der guten Stube, und die 30 teils überdachten Plätze im Freien nicht aus: »Wir wurden überrannt«, sagte Ingrid Blaich vom Förderverein Kulturdenkmal Ofterdinger Mühle, der das Café betreibt.

Beim GEA-Besuch am 29. August lag ein Gästebuch aus. Ein Besucher hatte bereits eingetragen: »Ein Café, dass Ofterdingen lange gebraucht hat!« Ein Café mit besonderem Flair: Alles Gedeck, alles Besteck wurde gespendet, vieles stammt aus dem Besitz verstorbener Großeltern und Eltern. Die Nostalgie ist greifbar. »Wir wollten ein Café wie zu Omas Zeiten, wie in den 1950er Jahren«, so Ingrid Blaich. Sie empfinde es so, dass dieses Ambiente den Besuchern reiche: »Sie wollen miteinander plaudern.«

Die Mühle wurde im Jahr 1300 erstmals erwähnt

Zum Ambiente trägt hauptsächlich das Gebäude selbst bei. Im Jahr 1300 wurde es erstmals, als Obere Mühle, urkundlich erwähnt. Spätestens seitdem sorgte die Mühle, in welcher Getreide zu Mehl verarbeitet wurde, für Wohlstand in der Gemeinde Ofterdingen. Während des Bauernkriegs im 16. Jahrhundert versorgte der damalige Betreiber Hans Müller zu Ofterdingen die Aufständischen mit Nahrung. Vor dem Gericht des Schwäbischen Bundes in Cannstatt wurde er wegen »unschicklichen Verhaltens« angeklagt, kam aber wieder frei.

Die Ofterdinger Mühle blieb während allen folgenden kriegerischen Handlungen unbeschädigt. Sie war, als eine der allerletzten ihrer Art in dieser Gegend, bis in die 1980er Jahre in Betrieb. Großmühlen produzierten bereits eine Million Pakete Mehl pro Tag, als der letzte Müller, der passenderweise Otto Mehl hieß, den Betrieb einstellte. Danach stand die Mühle einige Jahre still. Vor gut sieben Jahren verkauften die Nachkommen von Otto Mehl die Mühle an Gabi und Peter Kaiser.

Die Mühle war bis in die 1980er Jahre in Betrieb

Die neuen Besitzer waren ein Glücksfall für das Gebäude: Peter Kaiser ist Bauunternehmer, spezialisiert auf denkmalgeschützte Gebäude, zu denen mittlerweile auch die Ofterdinger Mühle zählt. Er stellte fest: Die Mühle läuft noch! Ein früher Gedanke des Kaisers war, dort ein Café einzurichten. Zunächst suchte das Paar jedoch Mitstreiter – und fand sie über Ofterdingen hinaus: Im vor fünf Jahren gegründeten Förderverein Kulturdenkmal Ofterdinger Mühle finden sich Mitglieder aus mehreren Gemeinden zwischen Tübingen und Hechingen zusammen.

Ingrid Blaich sprang sofort auf die Idee an, ein Café in der Mühle einzurichten: »Ich bin mit den Kaisers zu einem Trödler gefahren, um Gegenstände für das Interieur zu finden. Lange bevor das Café tatsächlich Realität wurde!« Vorher musste noch einiges am Gebäude gerichtet werden: »Es rieselte überall. Der Boden musste wieder raus. Das hielt uns auf.« Danach ging es schnell: Aus der Ofterdinger Bevölkerung gab es viele Sachspenden, vor allem Geschirr. Was fehlte, holte Ingrid Blaich auf einem Nostalgie-Flohmarkt.

Heute ist die Mühle ein soziokultureller Treff in Ofterdingen

Mittlerweile hat der Verein Whatsapp-Gruppen für die beiden großen Themen: Zum einen, wer backt Kuchen für die nächste Öffnung des Cafés? Zum anderen: Welche Veranstaltungen soll es in den nächsten Monaten geben? Laut Ingrid Blaich habe man in der Mühle von Beginn an einen soziokulturellen Treffpunkt schaffen wollen. Mit fünf, sechs Kleinkunst-Veranstaltungen im Jahr. Und die eher in den warmen Monaten – das Gebäude ist nicht beheizt. Daher finden die Auftaktveranstaltungen für jedes Jahr in der Zehntscheuer statt, die zudem 190 Sitzplätze bietet.

In der Mühle finden, aus Gründen des Brandschutzes, lediglich 70 Menschen Platz. »Wir haben Jazz. Musiker der Jugendmusikschule spielten hier. Und Dieter Baumann war mit seinem Kabarettprogramm da«, zählt Ingrid Blaich auf. Nächstes Jahr kommt Dietlinde Ellsässer zur Auftaktveranstaltung in die Zehntscheuer. Das Café wird, wie dieses Jahr erstmals gehabt, an den letzten Freitagen der Sommermonate geöffnet sein. Dann werden sicher viele Stücke Kuchen über den Tresen gehen. (GEA)

Die gute Stube der Kaffee-Mühle Ofterdingen in der oberen Etage.
Die gute Stube der Kaffee-Mühle Ofterdingen in der oberen Etage. Foto: Michael Sturm
Die gute Stube der Kaffee-Mühle Ofterdingen in der oberen Etage.
Foto: Michael Sturm