GOMARINGEN. Stephan Rilling und Ria Welsch vom Albverein Gomaringen waren am Montagabend schockiert, als sie auf dem Gomaringer Horn ankamen. Von der schönen bronzenen Peilplatte fehlte jede Spur. Nur noch der Edelstahlreifen ist da. Dazwischen ist eine leere Fläche mit Betonresten. »Am Samstag war sie noch da«, erzählt Rilling. Da hatte er gesehen, dass sich Schrauben gelockert hatte. Das wollte er baldmöglichst reparieren. Jetzt fehlt die gesamte Scheibe. Sie wurde mit roher Gewalt entfernt. Noch am selben Abend erstattete Rilling Anzeige bei der Polizei und informierte Bürgermeister Steffen Heß. »Ich finde es schlimm, dass man so etwas kaputt machen kann«, sagt Rilling.
Heß reagierte ähnlich fassungslos, wie Rilling und Welsch. Der Bürgermeister geht von einem »zielgerichteten Diebstahl« aus. Die Platte könne schließlich kaum ohne Werkzeug entfernt worden sein. »Ich finde es beschämend«, sagt Heß. Der Platz sei mit der Scheibe deutlich aufgewertet worden. Auch stecke viel ehrenamtliches Engagement des Albvereins in der Anlage auf dem Horn. Heß hofft nun, dass nicht nur die Scheibe gefunden wird, sondern auch diejenigen, die sie entfernt haben.
Die Gomaringer Ortsgruppe des Albvereins hatte die Peilscheibe zu ihrem 125-jährigen Bestehen auf dem Horn installieren lassen. Der Aussichtspunkt ist 507 Meter hoch. Von dort hat man einen weiten Blick ins Land vom Roßberg bis zur Hornisgrinde im Nordschwarzwald. Gefertigt wurde das Negativ der Scheibe von der Gomaringer Schreinerei Pflug und der Reutlinger Firma Quomodo. Eine Gießerei in Süßen goss sie dann in Bronze.
25 Kilogramm ist das Schmuckstück schwer. Dabei ist es nur wenige Zentimeter dick. Es zeigt hochpräzise im Relief die Landschaft im Umkreis von 25 Kilometer. Albtrauf und Kuppenalb lassen sich so ertasten. Liegt die Platte im Lot, dann fließt bei Regen das Wasser genauso ab, wie bei den echten Flüssen und Bäche der Gegend. Ein Meisterstück also, dass es in dieser Form nur noch ein weiteres Mal in Baden-Württemberg gibt, nämlich bei Donaueschingen. Für ihre Herstellung wurden Daten vom Nasa Space Shuttle und Satelliten der Luft- und Raumfahrt verwendet. Am 5. November 2017 übergab der Verein die Scheibe der Öffentlichkeit. Seitdem erfreute sie Wanderer und Besucher auf dem Gomaringer Horn.

Der Verein hat sich die Peilplatte einiges kosten lassen. Rund 12.000 Euro mussten zusammengebracht werden. Es sei zu Beginn nicht einfach gewesen, alle Mitglieder von der großen Investition zu überzeugen, erzählt Rilling. Aber letztendlich halfen auch die Gemeinde, der Landkreis, die Kreissparkasse und die Volksbank bei der Finanzierung mit. Auch die Firmen Pflug, Quomodo und Niklaus beteiligten sich an den Kosten, sodass die Ortsgruppe nur noch ein Drittel bezahlen musste. Was immer noch viel Geld für die Gomaringer Albvereinler war.
»Ich finde es schlimm, dass man so etwas kaputt macht - Stephan Rilling, Vorsitzender der Gomaringer Ortsgruppe des Albvereins«
Jetzt ist die Scheibe also weg. Heute Abend trafen sich 15 Suchende, um das Gelände unterhalb des Horns zu durchkämmen. Sie hatten die Hoffnung, dass die Bronzescheibe von Vandalen den Berg hinunter geworfen wurde. Das hat sich bisher leider nicht bewahrheitet. Die Peilscheibe bleibt trotz Einsatz von zwei Drohnen verschwunden. Wie die Ortsgruppe auf den Verlust reagieren wird, weiß Rilling noch nicht. Dazu ist das Geschehen noch zu frisch. »Soweit sind wir noch nicht.«
Der Albvereinsvorsitzende bittet nun um Hinweise an die Mailadresse savgom@gmail.com , wann die Platte zum letzten Mal gesehen wurde. Er selbst hatte sie am Samstagmorgen, 13. Juli, noch angetroffen. Deshalb geht die Polizei momentan von einer Tatzeit zwischen Samstagvormittag und Dienstagabend 18.30 Uhr und mehreren tausend Euro Schaden aus. Zeugenaussagen könnten die Tatzeit eingrenzen, überlegt Rilling. Der Polizeiposten Gomaringen nimmt Hinweise zur Tat oder zum Verbleib der Scheibe ebenfalls unter Telefon 07072 914600 entgegen. (GEA)

