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Der letzte Strohhalm für krebskranke Kinder in Tübingen

Tübinger Verein für krebskranke Kinder fördert neue Ansätze in der Therapie und unterstützt Familien

Anlässlich 25 Jahren Stiftung des Fördervereins krebskranker Kinder sprach Regierungspräsident Klaus Tappeser. FOTO: ZECK
Anlässlich 25 Jahren Stiftung des Fördervereins krebskranker Kinder sprach Regierungspräsident Klaus Tappeser. FOTO: ZECK
Anlässlich 25 Jahren Stiftung des Fördervereins krebskranker Kinder sprach Regierungspräsident Klaus Tappeser. FOTO: ZECK

TÜBINGEN. »Ihr Kind hat eigentlich keine Überlebenschance mehr, aber wir hätten da eine Therapie.« Derartige Sätze können in der Tübinger Kinderklinik fallen, sagt Hans-Werner Stahl. Der Professor ist Vorsitzender der Stiftung des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen, eine Stiftung, die vor 25 Jahren vom Förderverein für krebskranke Kinder gegründet wurde.

Gegründet wurde die Stiftung vor allem mit dem Gedanken der steuerlich besseren Annahme von testamentarischen Verfügungen. Aus dem angesammelten Spenden bildet sich ein Kapitalstock, aus dessen Erträgen langfristige Projekte finanziert werden können.

Therapie im Forschungsstadium

»Eine neue Therapie, die man ausprobieren kann, die sich allerdings noch im Forschungsstadium befindet. Sollen wir diese neue Therapie bei Ihrem Kind anwenden?«, fährt Stahl mit der Erzählung der Heiltherapie fort. Denn die neuartige Therapie ist eines der Kernstücke der Stiftung und des Vereins. Im Tumorzentrum an der Kinderklinik Tübingen wird die Krebsforschung finanziell durch insgesamt 25 Stellen unterstützt.

»25 Stellen, die da finanziert werden, um diese emotionale Angelegenheit in den Griff zu bekommen, aber auch die Forschung voranzutreiben«, betont Klaus Tappeser, Regierungspräsident Tübingens. Der Förderverein hilft betroffenen Kindern und Familien nämlich nicht nur medizinisch, sondern bietet auch psychosoziale Begleitung und Betreuung für Kinder und Eltern. Ein »Zuhause auf Zeit« soll geschaffen werden, wie auf der Webseite zu lesen ist.

Oberbürgermeister Boris Palmer, der ebenfalls auf der Jubiläumsfeier spricht, wünscht »dass die Stiftung irgendwann einen neuen Stiftungszweck braucht, weil die medizinischen Fortschritte zu einem Ergebnis gekommen sind, dass so etwas irgendwann unnötig macht«.

Und tatsächlich werden erstaunliche Forschungsergebnisse präsentiert. Dabei geht es vor allem um den CD19 Antikörper. Dieser Antikörper gegen Leukämie wird Patienten ein Jahr lang alle zwei Woche gespritzt und sei »in der Regel extrem gut verträglich« erklärt Johannes Schulte, ärztlicher Direktor für allgemeine Pädiatrie, Hämatologie und Onkologie.

Patienten, die diesen Antikörper bekamen, haben eine Überlebenschance von 50 Prozent erreicht. Die Wahrscheinlichkeit für Patienten ohne CD19 lag bei unter 20 Prozent. Eine offizielle deutschlandweite Studie machte auch der Förderverein möglich.

Andere Forschungen führten zu einer verbesserten Behandlung bei einem Rückfall auf Krebs und der Entwicklung eines individuellen Impfstoffs die genau auf den Patienten passen. Beide Behandlungen zeigten sich durch Studien als wirksam. Die Stiftung und der Förderverein unterstützten auch bei der Entwicklung eines Medikaments mit gentechnischen verbesserten T-Zellen, die »sehr effektiv die Tumorzelle zerstören« kann, wie Schulte erläutert.

Geheilte Kinder berichten

Zum Schluss der Jubiläumsfeier berichten geheilte Kinder von ihren Erfahrungen mit der Therapie. Teilweise verliefen die Behandlungen so erfolgreich, dass das Kind mittlerweile wieder erfolgreich Sport treiben kann und dabei in der Schule kein Jahr wiederholen musste. Denn vor allem für Patienten mit langer Anreise ist die Therapie zeitintensiv und mit Anstrengungen verbunden.

Das Angebot des letzten Strohhalms, wie es Stahl nennt, hat also durchaus Potenzial. Und durch die Erfolge in der Forschung symbolisiert der Strohhalm nicht mehr nur die letzte Hoffnung für Familien mit krebskranken Kindern, sondern eine realistische Chance. (GEA)