GOMARINGEN. Das Grundstück am Beginn der Alteburgstraße ist geradezu perfekt: Von der einen Seite reicht der Blick bis zum Albtrauf, von der anderen über die Härten nach Tübingen. Weder ist der Weg weit zu den Geschäften rund ums Gomaringer Rathaus und Schloss, noch zum ehemaligen Multi-Center, in das nach einem Umbau Edeka, dm, Aldi und die Baumarkt-Kette Action einziehen werden. Die Lage ist außerdem ruhig und nah an der Natur. »Es war einfach Glück, dass das Grundstück im Frühjahr auf den Markt kam«, sagt die Geschäftsführerin der Generationen Campus GmbH & Co. KG Stephanie Lotz. Der Kaufvertrag ist unter Dach und Fach, noch in dieser Woche wollen die Gesellschafter über das Architekturbüro entscheiden. In drei Jahren soll das Projekt bezugsfertig sein.
Geplant ist ein Haus für alle Generationen mit einer Pflege-Wohngemeinschaft und Familienwohnungen mit Garten im Erdgeschoss. Auf drei Stockwerken werden sich rund 30 Wohnungen verschiedener Größe verteilen. Was in der Alteburgstraße entstehen soll, geht aber über einen großen Wohnblock weit hinaus. Die Architektur soll gemeinschaftliches Leben ermöglichen, und gleichzeitig den persönlichen Rückzug in die eigenen vier Wände erlauben.
Schnell waren sich die Gesellschafter einig, dass dazu Laubengänge gebaut werden sollen. Aber auch individuelle Balkone für die einzelnen Wohnungen sind geplant. Darüber hinaus wird es einen Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss mit Tischen, Stühlen und einer Küche, eine Dachterrasse mit kleiner Bibliothek, eine Werkstatt, zwei Gästezimmer mit Bädern, ein Co-Workingbereich, ein Außenbereich samt gemeinschaftlichen Nutzgarten geben. Das Haus soll sich auch nach außen öffnen. Kleine Kunstausstellungen sind vorstellbar, sagt Lotz. Das Gomaringer Repair-Café könnte in die Werkstatt ziehen.
Viele Ideen sind schon da und werden derzeit weiter entwickelt. Zehn Arbeitsgruppen haben sich gegründet, erzählt die Geschäftsführerin. Dabei geht es in erster Linie um gemeinsamen Aktivitäten wie eine Fahrradwerkstatt, eine Kletter -, Kanu- oder Kochgruppe. Wer jetzt noch einsteigt, kann das Projekt architektonisch mitgestalten, verspricht die Geschäftsführerin. Der Generationen Campus ist zwar nicht basisdemokratisch organisiert, bietet aber viel Möglichkeiten, sich selbst mit eigenen Vorstellungen zu beteiligen. Die Unternehmensberaterin sorgt dabei für die rechtlichen Grundlagen und die Projektsteuerung.
Mit großer Empathie und Leidenschaft verfolgt Lotz das Projekt. Jetzt, nachdem das Grundstück gekauft ist, ist es ein ganzes Stück konkreter geworden. Der Grundstückskauf sei der erste Lackmus-Test für die Gemeinschaft gewesen, sagt Lotz. Die aktuell 16 Gesellschafter haben ihn bravourös bestanden. Sechs von ihnen werden ganz sicher in die Alteburgstraße einziehen, als Mieter - wie alle anderen auch. Die Investoren genießen aber Priorität, sollte im Projekt eine Wohnung frei werden.
Weitere Investoren gesucht
Die Finanzierung von 4,5 Millionen Euro sind gesichert. Das reicht noch nicht aus. »Wir wollen auf zehn Millionen Euro kommen«, sagt Lotz. Dazu braucht es weitere Gesellschafter. Auch künftige Mieter können sich noch melden und einbringen, so die Geschäftsführerin. Die Hoffnung sei, dass noch vor Baubeginn 25 der rund 50 Bewohner definiert sind. Vor allem auf junge Familien hofft die Unternehmensberaterin. Schließlich sollen hier alle Generationen einmal unter einem Dach leben. »Der Altersmix tut dem Haus gut.«
Derzeit ist noch ein Bauernhaus mit Scheune und Streuobstwiese auf dem Grundstück. Ist der Campus gebaut, will sich Lotz nicht zur Gänze aus dem Projekt ziehen. Auch die weitere Betreuung muss begleitet werden, wenn das Projekt Bestand haben soll. Lotz hat die Gesellschafter davon überzeugt, dass manches, wie zum Beispiel der Winterdienst, am besten in professionelle Händen liegt. Schließlich soll eine hohe Wohnqualität mit wenig Konflikten auf Dauer erhalten bleiben. Dazu gehören auch kleine Dinge des Alltags: »Gelbe Säcke in den Laubengängen wird es hier nicht geben.« (GEA)


