»Die Fichte hat ihre Probleme«, erklärte Revierförster Joachim Kern auf Anfrage, »aber sie bringt halt Geld im Vergleich zur Buche. Deren Marktlage ist unangemessen niedrig«. Beim aktuellen Einschlag von rund 150 Festmetern am »Glindwasen« etwa spielen 50 Prozent des Hiebs drei viertel des Erlöses ein. Dabei ist der Leistungsträger nun mal die Fichte.
Der Preis je Festmeter Güteholz liegt hier bei 90 Euro. Für Hackschnitzel-Qualität gibt es aktuell gerade noch 27 Euro je Festmeter. Rund 9 000 Euro wird der Hieb im laufenden Jahr im »Glind« einbringen. In den städtischen Haushalten 2016 und 2017 sind aus dem Stadtwald jeweils rund 9 500 Festmeter Holzeinschlag mit einem Erlös von jährlich 450 000 Euro brutto einkalkuliert.
Auf der Grundlage der inzwischen nahezu lückenlosen Standortkartierung wird den Baumsorten in unterschiedlichen Gewannen ein Zeugnis ausgestellt. Der hundertjährige Fichtenbestand am »Glindwasen«, gepflanzt auf einer ehemaligen Wiese, ist hier kein Klassenprimus. Er rangiert unterm Waldentwicklungstyp »Labile Fichte – Ziel Buche«. Sturm- und käfergefährdet und von Rotfäule befallen. »Die Fichte diktiert uns das Geschehen. Wir rennen den Problemen hinterher«, erklärte Revierförster Joachim Kern.
»Die Baumarten bestimmen die Bodenbeschaffenheit. Und sie reagieren auf den Klimawandel«, so Kern. 1,95 Grad mehr Wärme und 25 Millimeter weniger Niederschlag im Jahr bedeuten für den zerzausten Fichtenbestand den Baumartenwechsel auf Buche. Ob die Buche für den »Wald 2050« die schlauere Wahl sei, bejahten die Mössinger Forstarchitekten: »Wir kennen nichts Besseres an heimischen Baumarten«, so Joachim Kern. Auf dem Weg in die Zukunft werde auch die Eiche ihre Rolle spielen, meinte Alexander Köberle, Forst-Abteilungsleiter beim Landratsamt Tübingen auf Nachfrage.
Auf dem Weg zum altersdurchmischten Dauerwald mit Schwerpunkt Buche werden sogenannte Zukunftsbäume rot markiert, mit GPS-Daten versehen und für die Bewirtschaftung kartiert. Nach den Kriterien: Vitalität, Qualität und Flächenverteilung. Die »Z-Bäume« werden im Bestand zu voller Größe und optimalem Wuchs bis in die Krone gepampert. »Ein sehr anspruchsvolles Thema«, bemerkte Köberle, »wir werden uns über einen langen Zeitraum an die Ideallinie annähern.«
Die ist erreicht, wenn »das Rad rund läuft«. Etwa an schwierigen, morastigen Hanglagen wie dem Faulensteig: »Ziel ist die kontinuierliche Ernte von dicken Bäumen mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern. In einem System des dauerwährenden Kreislaufs ohne arbeitsintensive Alterskulturen«, sagt Joachim Kern, »wir sind seit 30 Jahre auf dem Weg«. (GEA)
