Der Würzburger Landwirt ist deutschlandweit für das Netzwerk Lebensraum Feldflur im Einsatz. Dieser Zusammenschluss von Partnern des Deutschen Jagdverbandes und der Deutschen Wildtier Stiftung will Wege aufzeigen, wie die Energieerzeugung aus Biomasse enger mit dem Arten- und Naturschutz verknüpft werden kann.
Chemische Düngung fällt weg
Die Nutzung von Mais führt zur Verarmung der Feldflur und zu fehlenden Flächen für die Nahrungsmittelproduktion. Mit Wildpflanzensaatmischungen als Dauerkultur, auch auf kleinen Randstreifen, fällt die jährliche Bodenbearbeitung und chemische Düngung für die Landwirte weg. Gedüngt wird nur mit dem, was nach dem Methangasentzug aus der Biomasse übrig bleibt. Ein natürlicher Kreislauf. »Häschen und Rehe lassen sich den Rotklee schmecken und finden hier Deckung, große Blühflächen locken die Insekten und die wiederum die Fledermäuse. Vogelbeobachter geht ob der Vielfalt das Herz auf«, schwärmt Kuhn von seinen eigenen Flächen.An vier Standorten zwischen Bad Sebastiansweiler und Nehren wird seit letztem Jahr getestet, ob Wildpflanzenfelder auch im Steinlachtal eine Alternative zur Monokultur des Maisanbaus sein können (der GEA berichtete). In dem Pilotprojekt sind der Nehrener Landwirt Gerd Klett, sein Kollege Karl-Martin Dreher, Betreiber der Biogasanlage auf dem Oberwiesachhof bei Ofterdingen und in kleineren Umfang Gabriele Dreher-Reeß aus Belsen wohlwollend mit dabei.
Lohnenswert sei der Anbau zwar nur mit größeren Flächen, als den momentanen rund 2,6 Hektar, aber der geringe Arbeits- und Kostenaufwand sei verlockend. Dreher: »Ich muss nicht jedes Jahr säen.« Und: Der Ertrag durch die Blumen-Energie soll nur zwanzig Prozent unter der durch Mais erwirtschafteten Trockenmasse pro Hektar liegen.
Angebaut wurde eine von drei zur Verfügung stehenden Wildpflanzenmischungen. Bei der »BG 70« sind über zwei Dutzend bunte ein-, über- und mehrjährige Arten zusammengemischt; darunter die erst im dritten Standjahr dominierenden Stauden wie Eibisch, Beifuß und Rainfarn. Bis zu diesem Zeitpunkt durchläuft die Mischung eine »geplante Sukzession«, das heißt die Artenzusammenstellung verändert sich jährlich.
Geduld ist gefragt
Die ökologische Alternative zum Maisanbau für Biogasanlagen hat aber hier zu gewissen Startproblemen geführt, so Sabine Mall-Eder, Leiterin des Projekts Energiebündel und Flowerpower: »Wir hatten zum Teil witterungsbedingt, zum Teil aufgrund mangelnder Erfahrung mit dem Saatgut, letztes Jahr Schwierigkeiten auf den Anbauflächen, insbesondere aufgrund teils starker Verunkrautung.« Zwei Flächen wurden wieder umgepflügt.Deshalb holten sich die Aktiven nun Hilfe von Kuhn. Bei der Begehung mit Biologen, Vertretern des Landratsamtes und dem Landschaftserhaltungsverband zeigte sich der Wildacker-Pionier zuversichtlich, mahnte zur Geduld und gab fachliche Tipps zu Aussaat und Ernteterminen für die engagierten Landwirte: »Hier ist genug Potenzial vorhanden. Erst ab dem dritten Standjahr wird’s interessant. Die richtig dosierte Nährstoffzufuhr, genug Wasser – und die Stauden gehen auf 2,5 Meter in die Höhe.« Kuhn weiter: »Hier wachsen keine Biotope, sondern Psychotope. Man sieht die Farben, hört die Insekten, erfreut sich an der bunten Vielfalt.« Landwirt Dreher pflichtete ihm bei. »Das stimmt. Beim Mähen riecht es wie nach Teebeutel.« (GEA)
