MÖSSINGEN. Das gab es noch nie in der wechselvollen, vierzigjährigen Geschichte des Mössinger Weihnachtsmarktes: Ein leibhaftiger Nikolaus wurde am Samstag zur Attraktion der vornehmlich jüngsten Besucher; erstmals eine historische Figur des vierten Jahrhunderts zum Anfassen und – wir sind im Jahr 2025 – natürlich zum Selfie machen.
Seit dem ersten Marktreiben 1984, damals noch auf dem neuen Rathausplatz, hatte es dem Bischof von Myra zeitlich nie gereicht, seine katholische Diaspora in der Steinlachstadt aufzusuchen. Stattdessen tummelte sich stets der Weihnachtsmann zwischen den Marktständen, die später in die alte Ortsmitte wechselten und seit vier Jahren die »neue Mitte« beleben. Die stetige Präsenz des von Coca Cola in seinen Firmenfarben kreierten Werbe-Typus des alten, freundlichen, rundlichen Mannes mit weißem Rauschebart hat die religiöse Bedeutung des wahren, heiligen Nikolaus verdrängt. Selbst der inzwischen wieder aufgelöste »Rettet die Nikoläuse 1993 e.V.« – dessen belustigt-belebter Markt-Stand schmerzlich vermisst wird – war stets im falschen Kostüm präsent.
Nun also passte es endlich: An seinem Namenstag saß er im traditionellen Gewand eines katholischen Bischofs mit Mitra und Krummstab auf einem Thron in der Falltorstraße. Zehn Stunden lang, dem nasskalten Wetter trotzend. Sein Erscheinungsbild war so ungewöhnlich wie angsterregend – für die unzähligen Kinder, die meist von ihren Eltern oder Großeltern an ihn herangeführt waren: »Der tut nichts. Das ist ein guter Mann.« Eben. War nämlich der Händedruck erst einmal geschafft, gabs einen Schoko-Nikolaus und leuchtende Kinderaugen. »Wir haben Hunderte davon verteilt«, freute sich eine Mitarbeiterin von »BeneVit« aus dem Haus Blumenküche. Die Pflegekräfte warben für ihre Hausgemeinschaft – und hinterließen einen positiven Eindruck.
Womit wir beim eigentlichen Markt wären, der durchweg Zufriedenheit bei Händlern, sehr vielen Besuchern und Akteuren hervorrief. Abgesehen vom dritten miesen Wetter in Folge. Aber dafür mit Wachstum: 64 Stände, fast je zur Hälfte mit Kunst- und Geschenkehandwerkern aus der Region und Privatleuten und Vereinen bestehend. Zu Spitzenzeiten war abschnittsweise kein Durchkommen und es gab längere Warteschlangen. Verkürzt durch musikalische Auftritte; mit Aufwärmmöglichkeiten in vielen Geschäften oder am Feuertisch der Evangelisch-methodistischen Kirche.
Gegessen und getrunken wird sowieso immer. Bevorzugt mit Einbruch der Dämmerung, wenn die Festbeleuchtung besonders zur Geltung kommt. Bereits am Freitagabend waren 30 Stände präsent; die Hälfte mit dem Ziel das gesellige Zusammensein zu fördern. Einziges Manko dabei: Bereits um 21 Uhr musste Schluss mit der Gemütlichkeit sein. Aber schon am Samstagmorgen ging es in die Verlängerung – wenn man sich nicht für einen Besuch der 19 anderen stattfindenden Weihnachtsmärkte in der Region entschieden hatte. (GEA)



