MÖSSINGEN-BAD SEBASTIANSWEILER. Zu einer vielfach runden Sache hat sich am Wochenende der Kunsthandwerkermarkt in Bad Sebastiansweiler entwickelt: 20 Jahre alt ist die Veranstaltung im vor 100 Jahren eingerichteten Kurbad geworden. Und weil sie zweimal jährlich Hunderte von Besuchern in den Park lockt, ging jetzt die 40. Veranstaltung - mit vierzig Ständen - über Fläche rund um das alte Café und in den Räumen darin. Die wiederum strahlen den Flair der 50er-Jahre aus. Vorläufiger Höhepunkt: Der 90 Jahre junggebliebene Belsener Künstler Andreas Felger präsentierte eine neue parkprägende Skulptur.
Ein Ereignis, dass es sogar dem evangelischen Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl wichtig war, dabei zu sein. Denn Felger treibt seit der Corona-Zeit und angesichts der bedrückenden Nachrichtenlage der Wunsch um, zumindest künstlerisch etwas Positives zu schaffen und Zuversicht zu geben. Die gründet sich auf sein Vertrauen in Gott, das Gefühl der behüteten Geborgenheit und der Überzeugung, durch den festen Glauben auch schwierige Zeiten meistern zu können.
Großzügiger Spender
Ein großzügig wie bescheidener Spender war schnell gefunden, der dem Förderverein Bad Sebastiansweiler die Mittel zukommen ließ, so Werner Bauer beim Festakt am Samstag unter strahlendem Sonnenschein. Drei eiserner Figuren, vier Meter hoch, jeweils vier Zentner schwer, in unterschiedlichen Farben, bilden die Skulptur mitten auf der Rasenfläche. In zwei Wochen nach Plänen von Felger vom Belsener Metallbau-Familienbetrieb Steinhilber gefertigt.
»Eine Figur mit viel Lebendigkeit, Dynamik. Wie ein Logo für die drei Säulen des MeTraVit-Kurklinik-Angebots – Medizin, Fitnesstraining und Vitalität.« Der Kurort sei schließlich ein Ort für Rehabilitation durch Bewegung. Und den Park will der Verein kontinuierlich durch neue Attraktionen und Ideen als Platz der Begegnungen beleben.
Symbolik der Zahl
Doch Felger geht es freilich um mehr, nämlich um die Symbolik der Zahl, die für Vollständigkeit und Harmonie, für Ganzheit der göttlichen Natur steht; auch für die christliche Mystik der Zahl drei: Leib – Seele – Geist, Geburt – Leben – Tod und natürlich das Transzendente: die Dreieinigkeit, die Lehre, dass Gott sich als Wesenseinheit aus dem Schöpfer, seinem Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist, der Weisheit und Liebe schenkt, offenbart.
Bischof Gohl zeigte sich angetan, »wie anregend und öffnend diese Dreiheit ist. Sie symbolisiert Glaube, Liebe, Hoffnung – und das trägt uns. Ich finde die Platzwahl ganz stark.« Bauer ergänzt die Haltung der Figuren, »als wollen sie Freude, Dankbarkeit und Hoffnung ausdrücken«. Damit stünden sie für das, was Patienten, Therapeuten, Pfleger und Ärzte an diesem Ort verbindet.
In einer Sichtachse zum Monument der Zehn Gebote
In einer Sichtachse steht unweit das Felger’sche Monument der Zehn Gebote. Die Steinstelen, die wie eine Aufstellung väterlich-schöpferischer Autorität wirken, werden durch weitere im Park verteilte einzelne Skulpturen, die quasi die Welt der Geschöpfe symbolisieren, ergänzt.
Das neue Werk, vor der Kulisse des Albtraufs zwischen Farrenberg und Roßberg, ermögliche »ein Blick in die Weite«, schaffe durch die Sichtlinie zum Horizont, Kraft, neue Hoffnung zu schöpfen und helfe, Angst abzulegen »und diesen Ort der Geborgenheit als gestärkter Mensch zu verlassen.« (GEA)


