TÜBINGEN/ULM. Nach einer großen Zoll-Razzia am Dienstag in Privat- und Geschäftsräumen in Derendingen ergab die richterliche Haftprüfung der drei Beschuldigten am Mittwoch, dass sowohl das Inhaberpaar der Baufirma als auch deren Chefbuchhalter zunächst im Gefängnis bleiben: »Alle Haftbefehle wurden in Vollzug gesetzt«, berichtet Zoll-Pressesprecher Hagen Kohlmann auf GEA-Nachfrage.
Der Ausgangsverdacht des Hauptzollamts Ulm (HZA) war durch einen Geldwäscheverdacht des Finanzamts ausgelöst worden, erklärt Hagen Kohlmann weiter. »Die Zusammenarbeit der Behörden klappt diesbezüglich gut.« Nach Beanstandungen durch die Finanzbehörden vor einigen Jahren habe der Inhaber zunächst nachgebessert – »damit er weiterhin im verborgenen seinen betrügerischen Geschäften nachgehen kann«. Auch der Zoll hatte das Unternehmen schon vor drei Jahren geprüft. »Damals haben die allerdings noch nicht das auf illegaler Beschäftigung und Einschleusung von Ausländern basierende Geschäftsmodell betrieben«, wegen dem sie nun erneut ins Visier der Zollermittler geraten waren.

Wegen der drei Festnahmen in zwei nebeneinanderstehenden Häusern am Dienstagfrüh um 6 Uhr in der Heinlenstraße waren nicht 200 Zoll-Mitarbeiter nötig, erläutert der HZA-Sprecher. Aber nachdem die Verdächtigen abgeführt waren, wurden beide Mehrfamilienhäuser von je 30 bis 40 Kräften »komplett auf den Kopf gestellt«: vom Keller bis zur Garage sei jeder Stein und jedes Blatt umgedreht worden. Um das sichergestellte Beweismaterial, dutzende Kartons mit Geschäftsunterlagen, die zum Teil in den Privaträumen gelagert wurden, Bargeld sowie allerlei Wertgegegstände abzutransportieren, waren zehn bis zwölf Fahrzeuge vor Ort. Außerdem umfasste die Razzia vier weitere Objekte, darunter zwei Baustellen, die die Tübinger Baufirma in Salzgitter und bei Esslingen betrieb. »Da sind 200 Kräfte gar nicht so viel.«
Unter anderem haben diese zudem die 300 illegal eingeschleusten und beschäftigten Arbeiter gleich befragt, deren Pässe einbehalten und die türkischen Staatsangehörigen den Ausländerbehörden der zuständigen Landratsämter übergeben. Sowohl die Beschuldigten als auch diese Zeugen waren Kohlmann zufolge äußerst kooperativ. Somit ist der Zoll mit dem Verlauf der Razzia und den bisherigen Auswertungen zufrieden. »Wir haben genau das erreicht, was wir wollten: das betrügerische Unternehmen zerschlagen.«
Und dank der eingesetzten Bargeldspürhunde wurde tütenweise Bargeld im Wert von insgesamt 100.000 Euro in Schließfächern, Tresoren und Kopfkissenbezügen sichergestellt. Das soll - wie auch der Verkauf von beschlagnahmtem Schmuck, hochpreisigen Parfums und Kleidung sowie Immobilien - zum Schadensausgleich eingesetzt werden. Den Sozialkassen und damit der Gesellschaft entstand durch das betrügerische Geschäftsmodell mit Schwarzarbeitern nämlich in Schaden von insgesamt rund 2,5 Millionen Euro. (GEA)


