KUSTERDINGEN. Der Neubau des Seniorenzentrums in der Langen Gasse in Kusterdingen verläuft nach Plan. »Wir sind voll im Zeitplan, es gibt überhaupt keine Veranlassung, dass wir es nicht pünktlich schaffen«, berichtete Sebastian Köbbert, Geschäftsführer des Bereichs Altenhilfe bei den Zieglerschen, zum aktuellen Sachstand. Im April 2026 soll die offizielle Einweihung erfolgen, zuvor aber die Bewohner bereits eingezogen sein. Was zeigt: Die Bauarbeiten neigen sich dem Ende entgegen.
Damit kommt die Frage auf, was mit dem bisherigen Gemeindepflegehaus Härten in Kusterdingen geschieht. Die Zieglerschein als Betreiber der Einrichtung in dem kommunalen Gebäude hatten den Mietvertrag bereits gekündigt. »Wir müssen einen weiteren Betrieb im Altenpflegehaus Härten ausschließen, auch weil wir nicht das nötige Personal hätten«, betonte Köbbert jüngst im Kusterdinger Gemeinderat. Dennoch beantragten die Zieglerschen, die Kündigung zurückzunehmen. Der Hintergrund: Das Karolinenstift in Tübingen, eine weitere Einrichtung des diakonischen Werks in der Tübinger Melanchtonstraße, muss generalsaniert werden. »Ein Betrieb während der Sanierung ist niemandem zuzumuten - weder den Bewohnern noch den Mitarbeitern«, sagte Köbbert.
»Ein Betrieb während der Sanierung ist niemandem zuzumuten - weder den Bewohnern noch den Mitarbeitern«
Die Zieglerschen würden daher das Gemeindepflegehaus als Interims-Einrichtung für die Zeit der Sanierung des Karolinenstifts nutzen. Bis Oktober 2027 würde diese Zwischennutzung andauern, was der Gemeinde noch einige Mieteinnahmen bescheren würde - pro Jahr sind das immerhin 63.000 Euro. Allerdings: die Rufanlage, mit der die Bewohner in Notfällen das Personal alarmieren können, ist in die Jahre gekommen. "Eine Erneuerung ist längst überfällig, konnte mit dem Verweis auf den Neubau aber verzögert werden", erklärte Köbbert. Würde der Betrieb nun doch mit dem Umzug des Karolinenstifts fortgesetzt, müsse die Anlage modernisiert werden: "Wir müssen jetzt reagieren, ohne das geht es nicht. Im Moment funktioniert sie, Gott sei Dank. Aber sie kann jederzeit ausfallen, ohne dass wir Ersatzteile bekommen können. Das Modell Trillerpfeiffe kann eine Nacht funktionieren, aber keine zweite oder dritte Nacht.
Die Kosten sind indes nicht unerheblich: 47.000 Euro müsste die Gemeinde investieren, für die Endgeräte würden die Zieglerschen 40.000 Euro ausgeben, die Geräte aber auch behalten. Der Gemeinderat stimmte dem, sichtlich zähneknirschend ob der großen Ausgabe für eine kurze Zeit als Interimsheim, mit großer Mehrheit zu. Möglich ist indes auch, dass die Zieglerschen das Gemeindepflegehaus langfristig anmieten würden: als Wohnheim für Auszubildende. Dann müsste aber ein neuer Mietvertrag ausgehandelt werden. (GEA)

