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Aktuell Ehejubiläum

Gnadenhochzeit in Mössingen: Siebzig Jahre - und immer was los

Margot und Alfred Würch aus Mössingen feierten am Mittwoch die seltene Gnadenhochzeit

Das Mössinger Jubelpaar Alfred Wilhelm und Margot Würch wird von Barbara Schott (städtische Bürgerschafts-Koordinatorin) beglück
Das Mössinger Jubelpaar Alfred Wilhelm und Margot Würch wird von Barbara Schott (städtische Bürgerschafts-Koordinatorin) beglückwünscht. Foto: Jürgen Meyer
Das Mössinger Jubelpaar Alfred Wilhelm und Margot Würch wird von Barbara Schott (städtische Bürgerschafts-Koordinatorin) beglückwünscht.
Foto: Jürgen Meyer

MÖSSINGEN. Wenn selbst der Bundespräsident gratuliert, muss es sich um ein besonderes Ereignis handeln: Das seltene Ehejubiläum der Gnadenhochzeit haben Margot und Alfred Wilhelm Würch aus Mössingen am 30. Juli gefeiert. Sie sind seit siebzig Jahren verheiratet – hochbetagt, aber guter Dinge.

So lange miteinander glücklich verheiratet zu sein, wird nur wenigen Menschen zuteil. Und derartige Jubiläen wird es in Zukunft vermutlich auch nicht mehr geben: Laut Statistischem Bundesamt liegt das Durchschnittsalter der heutigen Eheschließungen bei rund 35 Jahren. Paare, die sich scheiden lassen, waren hierzulande im Durchschnitt etwa 15 Jahre zusammen.

Lebensfrohe Rheinländer

Das war und ist freilich kein Thema mehr für das rüstige und lebensfrohe Mössinger Jubelpaar. Die beiden Rheinländer – sie wird bald 92 Jahre, er ist 95 – stammen beide aus der »Wiege der Ruhrindustrie«. Auch ihre Wiegen standen in Oberhausen in Nordrhein-Westfalen, wo sie sich kennenlernten und heirateten. Mit anderthalb Jahren Abstand zwischen kirchlicher Zeremonie und Standesamt. Im Nachkriegsdeutschland war es nicht einfach, eine gemeinsame Wohnung zu finden. Die sittenstrenge katholische Kirche hatte da stets ein Auge drauf.

Fachkräftemangel in den Wirtschaftswunderjahren veranlasste die Tübinger Montanwerke Walter bundesweit Stellen auszuschreiben. »Als gelernter Dreher war ich ein gefragter Mann«, so Alfred Würch. Der Umzug fiel nicht leicht. »Ich hatte solches Heimweh«, sagt seine Frau. »Wir kannten hier ja niemanden.« Doch die gelernte Bandagistin war ebenfalls eine gefragte Fachkraft und fand bei der Firma Brillinger Orthopädie in der Rheinlandstraße sofort Arbeit und Kontakte.

Kein Fest sausen lassen

Nach dem Umzug des kinderlos gebliebenen Paares in den Schreinerweg nach Mössingen wechselten sie die Arbeitsstellen. Er blieb bis zur Rente bei der Maschinenbaufirma Wilhelm Neth. »Dort konnte durch viel Schichtarbeit eine ordentliche Rente anhäufen«, was den beiden bei ihren unzähligen Reisen von Nutzen war. »Wir erkundeten die Welt, machten Städtereisen, wurden Mitglied im Alpenverein und gingen ins Gebirge«. Jetzt sind sie noch mit der Seniorengruppe des Mössinger Albvereins unterwegs. »Und wir verpassen kein Fest in Mössingen.«

Margot Würch wurde zur »Visitenkarte« der PAUSA AG. Als Empfangsdame und Telefonistin kam niemand an ihr vorbei. Im wahrsten Sinne: Als ihr Chef Werner Greiner, der die Textilfirma mit harter Hand führte, darauf bestehen wollte, dass jeden Tag ein Blumenstrauß in ihrem gläsernen Empfang zu stehen habe, sagte sie ihm: »Davon bekomme ich Heuschnupfen: Entweder verschwinden die Blumen oder ich gehe«. Sie blieb von 1970 an für drei Jahrzehnte. »Eine schöne Zeit, wo wir viele Freundschaften geknüpft haben«.

Positive Lebenseinstellung

Nach ihrem Rezept für die lange Ehe gefragt, sagen beide: »Eine positive Lebenseinstellung«. Und viel Bewegung - Wandern, Schwimmen. »Bis vor drei Jahren haben wir noch getanzt«. Den Mössinger Kegelverein, den sie mal gründete, gibt es nicht mehr, genauso wenig wie die Kegelbahn im Belsener »Adler«. »Überlebt haben wir leider auch unseren engsten Familien- und Freundeskreis«, der früher zum Ferienbesuch an die Steinlach kam. Alleine sind sie aber nicht: »Wir haben immer gerne Leute um uns herum. Bei uns ist immer was los.« Zum Jubeltag brachte die städtische Koordinatorin für Bürgerschaftliches Engagement, Barbara Schott, neben Glückwünschen und Tipps vom Nachbarschaftshilfe-Netzwerk, die Ehrenurkunde des Ministerpräsidenten mit. »Davon haben wir ja schon drei«, schmunzelte die Jubilarin. Und spekuliert auf eine fünfte. Die gibt’s zur Kronjuwelenhochzeit in fünf Jahren. (GEA)