Logo
Aktuell Gaudi

Extreme Verhältnisse beim Tübinger Neckarabschwimmen

Kräftezehrende Bedingungen für rund 130 Taucher beim Tübinger Neckarabschwimmen am Dreikönigstag. Die Feuerwehr- und DLRG-Aktiven kamen im eiskalten Fluss an ihre Grenzen.

Niedrigwasser machte den Neckarabschwimmern zu schaffen. Statt sich treiben lassen zu können, mussten sie teilweise zu Fuß gehen
Niedrigwasser machte den Neckarabschwimmern zu schaffen. Statt sich treiben lassen zu können, mussten sie teilweise zu Fuß gehen Foto: Jürgen Meyer
Niedrigwasser machte den Neckarabschwimmern zu schaffen. Statt sich treiben lassen zu können, mussten sie teilweise zu Fuß gehen
Foto: Jürgen Meyer

TÜBINGEN. Eisbaden liegt im Trend. Denn es soll gesundheitsfördernd sei. Man weilt dabei in einem Bottich oder in einem rund fünf Grad kalten Gewässer. Dabei reagiert der gesamte Körper intensiv – Kreislauf, Hormonhaushalt und Immunsystem werden angeregt, Adrenalin und Noradrenalin auszuschütten. Das kurbelt – we's braucht – die Fettverbrennung an und erhöht die Anzahl der weißen Blutkörperchen, die für die Abwehr von Infektionen zuständig sind.

Noch eine Stufe höher, oder niedriger, wenn man’s von den Temperaturen her betrachtet, gings beim Eisschwimmen der Feuerwehr am Dienstag im Tübinger Neckar ab. Die Wassertemperatur lag bei drei Grad plus, die Außentemperatur betrug bei Schneefall minus sechs. Wegen des Niedrigwassers kamen die Teilnehmer kaum vorwärts. Eine Dreiviertelstunde benötigten sie für die 1,5 Kilometer lange Strecke. Statt sich treiben lassen zu können, war Muskelkraft gefragt. Das ging vielen der hartgesottenen Männer und Frauen an die Substanz. Damit liegen die Rettungskräfte auf Extremschwimmerniveau. Dessen deutscher Rekordhalter Paul Bier hatte für eine Meile (1,6 km) im 4,2 Grad kalten Bodensee zuletzt 36 Minuten benötigt – allerdings nicht in wärmeerhaltendem Neopren, sondern nur mit einer Badehose bekleidet.

Mit 53 Jahren ist diese Tradition nicht so alt, wie das vom Mediziner Sebastian Kneipp 1849 in der Donau bei Dillingen propagierte Wassertreten. Aber erfreut sich offensichtlich ebenso steigender Beliebtheit.

Rund 130 Taucher und Rettungsschwimmer aus dem Südwesten waren zu dem widrigen Spektakel gekommen, mit dem – aus Spaß an der Freud‘ – jedes Jahr gemeinsam die neue Saison eingeschwommen wird. Im Alarmfall gehören Rettungen und Bergungen von Menschen und Tieren aus vereisten und kalten Gewässern, aus vom Hochwasser gefluteten Orten oder erfassten Fahrzeugen, zum unerfreulichen Einsatzalltag.

Ohne meine Ente gehe ich nicht ins Wasser
Ohne meine Ente gehe ich nicht ins Wasser Foto: Jürgen Meyer
Ohne meine Ente gehe ich nicht ins Wasser
Foto: Jürgen Meyer

Wie in den Vorjahren führte die Strecke von der Slipanlage am Freibad bis zum Ausstieg vor der Eberhardsbrücke auf die Plataneninsel. Also dort, wo sonst Neckarkähne die bekannteste Stadtansicht mit den mehrstöckigen, giebelständigen Wohnhäusern zwischen Hölderlinturm und Stadtmauer zieren.

Nur nicht Drängeln beim Einstieg in der Nähe des Tübinger Freibades
Nur nicht Drängeln beim Einstieg in der Nähe des Tübinger Freibades Foto: Jürgen Meyer
Nur nicht Drängeln beim Einstieg in der Nähe des Tübinger Freibades
Foto: Jürgen Meyer

Nur wenige Schaulustige verfolgten das aufsehenerregende Abtreiben der Rettungskräfte von Feuerwehren, der DLRG-Wasserrettungsgruppe Neckar-Alb, der DLRG Zollern-Alb und die Strömungsretter des DRK-Kreisverbandes Zollernalb und einiger Tauchclubs. Manche der Gäste hätten bequem flussabwärts die Heimreise nach Heilbronn, Heidelberg, Stuttgart, Esslingen und Reutlingen antreten, pardon anschwimmen können. Die Gäste aus Mengen und Ertingen hingegen wären gezwungen gewesen, die Steinlach aufwärts zu Kraulen. Und dann bei der Wasserscheide in Willmandingen einen Kilometer bis zur Lauchert über Land zu laufen, wobei es dann aber mäandernd albabwärts gemütlich Richtung Donau weiterginge.

Damit die Finger nicht absterben: Schön die Hände aus dem Eiswasser
Damit die Finger nicht absterben: Schön die Hände aus dem Eiswasser Foto: Jürgen Meyer
Damit die Finger nicht absterben: Schön die Hände aus dem Eiswasser
Foto: Jürgen Meyer

Begleitet und abgesichert wurde das Spektakel durch das Rettungsboot der Einsatzabteilung Stadtmitte. Nach einem letzten Kraftakt - dem Ausstieg an der Platanenallee, watschelten die Froschmänner- und Frauen zu den Duschen ins benachbarte Uhlandbad. Mittels Bustransfers gings dann weiter ins Feuerwehrhaus am Kelternplatz, wo nach einer stärkenden Mahlzeit, Teilnahme-Urkunden und Erinnerungen an alte Zeiten ausgetauscht wurden.

Den Schaulustigen auf der Platanenallee war es bei minus seschs Grad auch ncht besonders warm
Den Schaulustigen auf der Platanenallee war es bei minus seschs Grad auch ncht besonders warm Foto: Jürgen Meyer
Den Schaulustigen auf der Platanenallee war es bei minus seschs Grad auch ncht besonders warm
Foto: Jürgen Meyer

Das Neckarabschwimmen war ursprünglich als Winterübung der Tauchergruppe in der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen veranstaltet worden. Zur Gewöhnung an vereiste und kalte Gewässer.

Nebenbei ein bisschen Markungsputzede: Dieser Roller lag den Schwimmern im Weg
Nebenbei ein bisschen Markungsputzede: Dieser Roller lag den Schwimmern im Weg Foto: Jürgen Meyer
Nebenbei ein bisschen Markungsputzede: Dieser Roller lag den Schwimmern im Weg
Foto: Jürgen Meyer

Bis in die 1980er Jahre gings gar bis zur Jugendherberge, kurz vor dem Wehr. Seit 1997, anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen, machen befreundete Taucher aus ganz Baden-Württemberg mit. 2010 fand das Spektakel zum 40-jährigen Bestehens der Tauchergruppe Tübingen und des 20-jährigen Bestehens der Tauchergruppe Reutlingen in den Abendstunden mit 110 Tauchern im Fackelschein und mit Feuerwerk statt.

Souvenirs nach der Tortur: Zwei kleine Eisplatten aus dem Neckar
Souvenirs nach der Tortur: Zwei kleine Eisplatten aus dem Neckar Foto: Jürgen Meyer
Souvenirs nach der Tortur: Zwei kleine Eisplatten aus dem Neckar
Foto: Jürgen Meyer

Die Tauchergruppe feiert dieses Jahr somit ihr 55-jähriges Bestehen. Christof Stechemesser wird sein Amt als Leiter des Tauchwesens nach 15-jähriger Tätigkeit an der Abteilungsversammlung am 30.01.2026 an seinen jetzigen Stellvertreter Benedikt Kugler übergeben. (GEA)