GOMARINGEN-STOCKACH. Blasmusik vom Musikverein Dußlingen, jede Menge rote Würste, Glühmost und Schnaps – am letzten Tag des Jahrs versammelten sich gut 300 Menschen auf dem Platz zwischen dem alten Schulhaus und der Kirche in Stockach. Die Besucher kamen dabei nicht ausschließlich aus dem Flecken selbst: Einige spazierten aus Hinterweiler herbei. Andere kamen aus Gomaringen, Dußlingen und von den Härten, stellte Gomaringens Bürgermeister Steffen Heß bei einem schnellen Blick in die Menge fest.
Verena Kleinmann aus Nehren, in Stockach aufgewachsen, freute sich schon im Voraus auf »viele bekannte Gesichter. Heute sind viele Stockemer da.« Sie nutzte die Gelegenheit, um ihrem zweijährigen Sohn schon ein ganz klein wenig Anbindung an den Flecken und damit ein erstes Gespür für die Stockacher Identität - wie sie es nannte - zu verschaffen. Dass dieses Treffen auf Silvester falle, sei für sie nachrangig: »Das könnte auch auf einen anderen Tag fallen. Wenn hier etwas los ist, kommen wir«, betonte Verena Kleinmann.
Auch Ex-Stockacher kommen, wenn im Flecken etwas los ist
»Unser letzter Festtag im Jahr wird immer besser angenommen«, stellte Elsbeth Vollmer fest. Die Mesnerin der Stockacher Kirche hat das Silvesterspielen der Dußlinger Musiker in Stockach entstehen und wachsen sehen – aus nächster Nähe: Ihr Ehemann Dieter Vollmer und ihr Bruder Günter Letz sind die beiden Verantwortlichen, warum die Dußlinger Musikanten nun regelmäßig am letzten Tag des Jahres in Stockach und nicht mehr in ihrem Heimatort spielen.
Klarinettistin Claudia Dieter erzählte: »Früher haben wir an sieben Stationen in Dußlingen gespielt. Zuletzt aber fast nur noch für uns selbst. In Stockach hatte es dagegen Leute, dass es knallt!« Dieter Vollmer und Günter Letz gingen zum damaligen Vorstand des Musikvereins Dußlingen, Ernst Herrmann. Sie überzeugten ihn von einem Wechsel nach Stockach. Der erste Auftritt fand fast privat statt: 2004, im Hof vor dem Haus von Günter Letz. Ein paar Nachbarn kamen, bekamen damals »ein paar Weihnachtsbrödle«, so Letz, und Schnaps.
Dußlinger Musiker freuen sich über die Gelegenheit, im Stockach spielen zu können
»Die Resonanz wurde immer größer«, resümierte die Stockacher Ortsvorsteherin Christa Stöhr in ihrer Begrüßungsrede am Mittwoch. Das Silvesterspielen wanderte 2007 zum Feuerlöschteich weiter, seit 2010 findet es auf dem Kirchplatz statt, nachdem dieser saniert worden war. Zweimal fiel das Festle wegen Corona aus. Heuer fand es demnach zum 20. Mal statt. Zum siebten Mal organisiert vom Obst- und Gartenbauverein Gomaringen – Günter Letz ist dessen Vorsitzender.
Den OGV bedachte Christa Stöhr mit einem Sonderlob »für das Fest heute und alle anderen Aktivitäten zum Wohle Gomaringens und Stockachs«, darunter auch den Streuobstmarkt Ende August. Am Vorabend hatten Andreas und Stefan Junger eine Partynacht veranstaltet. Den Gewinnüberschuss von 2.300 Euro spendeten sie für die Beschattung des Sandkastens auf dem Spielplatz in der Waldstraße. Weitere 600 Euro gingen von privat ein. »Wenn sich noch ein paar Spender finden, können wir das Ganze in 2026 realisieren«, betonte Christa Stöhr.
Glühmost und Rote Würste fanden reißenden Absatz
OGV-Vorsitzender Letz berichtete: »Wir haben dieses Jahr 313 Tonnen Obst abgeliefert.« Ein Teil davon wurde am Mittwoch in Form von Schnaps ausgeschenkt. Ein anderer Teil in Form von Glühmost. Der fand ebenso reißenden Absatz wie die roten Würste, die bereits gegen halb zwei auszugehen drohten. Es wurden nochmal 50 nachbestellt. OGV-Schriftführerin Claudia Braun wusste den Grund für den Andrang: »Wir haben fast jedes Jahr Glück mit dem Wetter.« Dafür, so Günter Letz scherzhaft, sei der Gomaringer Schultes Heß zuständig. Dieser antwortete: »Heute ist kein Kaiserwetter, heute ist Bürgermeisterwetter!« (GEA)

