GOMARINGEN/DUßLINGEN. Die Bahn-Zukunft im Delta zwischen Gomaringen, Nehren und Dußlingen klingt in der Erzählung von Steffen Thomma, Planer beim Zweckverband Regionalstadtbahn, fast magisch: Kurz vor der künftigen Haltestelle Dußlingen Ost schleift die Sadtbahn auf die Strecke der Zollernalbbahn ein. War sie zuvor mit 750 Volt Gleichstrom unterwegs, sind es jetzt 1.500 Volt Wechselstrom. Reisende werden dann in der Bahnsprache zu Fahrgästen, der Stadtbahnfahrer zum Fahrdienstleiter. Es wird noch dauern, bis dieser technische Zaubertrick Realität wird. Sollte es zu Verzögerungen beim Bau der Bahn kommen, liegt das nicht an den beiden Zweckverbands-Mitarbeitern Steffen Thomma und Marius Strähle. »Wir wollen so flott wie möglich beginnen«, betont Thomma immer wieder. Und wer sich von den beiden Bahnenthusiasten die Pläne für die künftige Bahn erklären lässt, glaubt es ihnen sofort.
Es ist eine große Truppe von rund 60 Interessierten, die sich am Mittwochabend vom Gewerbepark Unipro in Gomaringen aufmacht, die künftige Streckenführung der Regionalstadtbahn (RSB) zu erkunden. Darunter sind die drei Bürgermeister Steffen Heß (Gomaringen), Thomas Hölsch (Dußlingen) und Egon Betz (Nehren). Auch eine ganze Reihe Gemeinderäte nutzen die Gelegenheit, sich die Planungen vor Ort anzusehen. Hier sei einer der interessantesten Punkte im Regionalstadtbahnnetz, erklärt Prof. Dr. Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands. »Straßenbahn und Eisenbahn treffen hier aufeinander.«
Wann fährt die erste Bahn?
Die über allen technischen Details schwebende Frage ist allerdings an diesem Abend: Wann fährt die erste Bahn? Thomma, Strähle und Bernecker wissen zwar vieles, aber diese Frage können sie nicht so einfach beantworten. Schließlich steht nach weiteren Planungsschritten zuerst das Planfeststellungsverfahren mit öffentlicher Beteiligung für die Bahn an. Das könne schnell in neun Monaten durchlaufen, sagt Thomma - oder eben auch nicht. Möglichst umfangreich soll die Öffentlichkeit deshalb vorab informiert werden. Man wolle schließlich kein Stuttgart 21 erleben, sagt Bürgermeister Heß. Bürgermeister Hölsch lässt sich zu einer Prognose hinreißen: »Noch zehn Jahre, dann sind wir mit dem Thema durch.«
Dann wird es direkt vor dem Schulzentrum Höhnisch eine Haltestelle der Regionalstadtbahn geben, barrierefrei zugänglich, der Bahnübergang schrankenlos. Kein Problem sei das, wischt Strähle Sicherheitsbedenken noch vor Ort vom Tisch. Er arbeitet nicht nur beim Zweckverband, sondern fährt auch Stadtbahn in Stuttgart. »Der Fahrer fährt auf Sicht«, weiß er aus eigener Praxis. Anders als beim Zug könne eine Stadtbahn jederzeit gestoppt werden. Weiter geht der Spaziergang die Stadtbahnstrecke Richtung Gomaringen an der Straße entlang. Anschließend unterquert die RSB die Brücke der Zollernalbbahn. »Das wird eng mit der Brücke«, sagt Thomma und deutet auf das Bauwerk. Für alle Beteiligten ist das unschwer zu erkennen. Es liegt klar auf der Hand: Damit Bahn, Autostraße und Wirtschaftswege durchpassen, muss die Brücke verlängert werden.
Besuch am Gleisdreieck
Die Wandergruppe biegt nach links in die Felder ab. Hier wird das Gleisdreieck entstehen. Drei Richtungen treffen aufeinander: links nach Tübingen über Dußlingen, rechts über Gomaringen nach Reutlingen und in südlicher Richtung nach Mössingen über Nehren. Dazwischen wird es noch einen Wirtschafts- und Radweg geben. Eine landschaftsbildprägende Baumreihe bleibt erhalten, verspricht Thomma. Da die Strecken, einschließlich der Zollernalbbahn, elektrifiziert werden, werde der Bahnverkehr deutlich leiser als jetzt. Auch könnten die elektrischen Züge schneller Fahrt aufnehmen.
Der Ausbau des Zugnetzes wird aber auch an andere Stelle Folgen haben. »Die Grundstückspreise gehen nach oben«, da ist sich Hölsch sicher. Das sei schon zu spüren. Der Bedarf und die Nachfrage nach der Bahn sei da, sagt der Bürgermeister. Für seine Gemeinde ist er sicher: »Aus Dußlingen gibt es wenig Gegenwind. Wir leben schon jetzt mit dem Zug.«
Bürgermeister Heß denkt über künftige Entwicklung nach: Die leere Fläche zwischen Unipro und Schulzentrum will er gerne als neues Gewerbegebiet mit Bahnanschluss erschließen. Das könne er zwar nicht entscheiden, sagt Thomma, aber technisch stehe dem nichts entgegen. Außerdem: Er freue sich über jeden neuen Nutzer der Bahn. (GEA)

