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Warum es einen neuen Narrenfreundschaftsring gibt

14 Narrenzünfte aus der Region haben sich zum Narrenfreundschaftsring Steinlach-Wiesaz-Härten zusammengeschlossen. Entstanden aus einem zufälligen Treffen, will der Ring das Brauchtum stärken, Vereine entlasten – und tritt in dieser Fasnetssaison erstmals in Erscheinung.

Ein großer Umzug durch Mössingen bildet den Abschluss des ersten Ringtreffens. Dann werden vielleicht auch wieder die Wendgoisch
Ein großer Umzug durch Mössingen bildet den Abschluss des ersten Ringtreffens. Dann werden vielleicht auch wieder die Wendgoischdr des Original Steinlachtaler Fasnachtsvereins eine Pyramide bauen. Foto: Angela Hammer
Ein großer Umzug durch Mössingen bildet den Abschluss des ersten Ringtreffens. Dann werden vielleicht auch wieder die Wendgoischdr des Original Steinlachtaler Fasnachtsvereins eine Pyramide bauen.
Foto: Angela Hammer

MÖSSINGEN. Umzüge, Brauchtumsabende, Kinderfasching: Auch das närrische Treiben will fachkundig organisiert sein. Um die Vereine dabei zu unterstützen und das Brauchtum in der Region zu stärken, haben sich 14 Narrenzünfte zum Narrenfreundschaftsring Steinlach-Wiesaz-Härten zusammengeschlossen. »Wir haben der bereits bestehenden Freundschaft unter den Vereinen ein Gesicht und eine feste Organisation gegeben«, sagt Alexander Haas, Präsident des neuen Rings und Zunftmeister der Krum-Hexen Bronnweiler. Die Idee dazu reifte in der Region über Jahre.

Ein Schlüsselmoment ereignete sich im Herbst 2012: Im damaligen Real-Markt in Gomaringen trafen sich zufällig drei Zunftmeister – Dietmar Rau (Gomaringer Käsperle), Jochen Werner (Schlosshexa Gomaringen) und Alexander Haas. Man kam ins Gespräch über die Fasnet, über Terminüberschneidungen und über die Frage, warum es in der Region keine bessere Abstimmung gebe. »Uns war schnell klar, dass wir eine Plattform zum Austausch brauchen«, erinnert sich Haas. Noch im Markt fiel die Entscheidung, sich nach der Fasnet zu einem Stammtisch zu treffen.

Erster Stammtisch 2013 in Bronnweiler

Gesagt, getan. Im April 2013 kamen Vertreter mehrerer Narrenzünfte erstmals in der Gaststätte Wiesengrund in Bronnweiler zusammen. Themen waren Terminabsprachen, Rückblicke auf die vergangene Fasnet und gegenseitige Information. Bald einigte man sich auf zwei feste Treffen pro Jahr: eines direkt nach der Fasnet, eines im Herbst. Letzteres erhielt zunehmend einen fachlichen Schwerpunkt. Polizei, Steuerrecht, Jugendschutz, Vereinsrecht – Bereiche, in denen die Anforderungen an Vereine stetig wachsen. Nach »sechs oder sieben Jahren«, so Haas, entstand der Wunsch nach einer verbindlicheren Struktur. Die Idee eines eigenen Narrenfreundschaftsrings war geboren.

Ein Anschluss an bestehende Verbände kam für die beteiligten Vereine nicht infrage. Zum einen seien diese geografisch anders verortet, erklärt Vizepräsident Ralf Brielmann vom Original Steinlachtaler Fasnachtsverein Mössingen. Die Region Steinlach-Wiesaz-Härten sei bislang ein »weißer Fleck« gewesen. Zudem setzen viele alteingesessene Verbünde ein Mindestalter von 30 Jahren für Mitgliedsvereine voraus. »Das ist für manche Zünfte aus der evangelisch geprägten Region schwierig, obwohl sie sich klar zum Brauchtum bekennen«, sagt Brielmann. Vor allem aber wollten die Initiatoren bewusst regional bleiben. Die über Jahre gewachsenen Verbindungen unter den Vereinen sollte nicht verloren gehen. »Es ist wie eine große Familie«, formuliert es Präsident Haas.

Narrenverbund noch nicht öffentlich sichtbar

Also entschied man sich, selbst einen Ring zu gründen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern mehrerer Zünfte erarbeitete Satzung und Brauchtumsrichtlinien. Die Entwürfe wurden beim Stammtisch immer wieder diskutiert, angepasst und geschärft. Am Ende entschied jeder Verein in seiner eigenen Mitgliederversammlung über den Beitritt. 14 von 15 Vereinen wollten dabei sein.

Am 2. November 2024 wurde der Narrenfreundschaftsring Steinlach-Wiesaz-Härten e. V. schließlich in Mössingen gegründet. Öffentlich wahrnehmbar war der neue Verband zunächst nicht. Ein Jahr lang lief vieles im Hintergrund: Eintragung ins Vereinsregister, Abstimmungen mit dem Finanzamt, rechtliche Feinjustierung. Parallel entstanden die organisatorischen Strukturen – ein Logo, eine Homepage, ein gemeinsamer digitaler Terminkalender. Das fünfköpfige Präsidium um Präsident Haas, Vizepräsident Mike Scherrmann (Narrenzunft Ofterdingen), Schriftführerin Annika Sautter, Schatzmeister Brielmann und Beisitzerin Manuela Buck legte die Grundlagen für die Arbeit des Rings.

Im Kern verfolgt der Zusammenschluss zwei Ziele: die Pflege des Brauchtums und gegenseitige Unterstützung. »Gerade kleinere Vereine tun sich schwer, eigene Veranstaltungen zu stemmen«, sagt Vizepräsident Scherrmann. Erfahrenere Zünfte können helfen – etwa bei Sicherheitskonzepten, Absperrungen, Absprachen mit Polizei und Rettungsdiensten oder bei der Budgetplanung. Auch personelle Unterstützung lasse sich über den Ring organisieren. Themen wie GEMA, Versicherungen oder Kinderschutz würden gemeinsam leichter bewältigt. Seminare, der Austausch der Brauchtumswarte und gemeinsame Standards sorgen für ein einheitliches Niveau, ohne die Eigenständigkeit der Vereine einzuschränken. Scherrmann bringt es auf den Punkt: »Jeder ist für jeden da.«

Brauchtum steht im Vordergrund

Fasnet ist für die Beteiligten mehr als Feiern. »Wir grenzen uns bewusst von reinen Partyvereinen ab«, betont Haas. »Uns geht es darum, Brauchtum zu bewahren und weiterzugeben.« Die Mitgliedsvereine pflegen Figuren mit historischem Hintergrund und engagieren sich stark vor Ort – etwa mit Besuchen in Kindergärten und Seniorenheimen, Schülerbefreiungen oder Narrenmessen in der Kirche. »In der schwäbisch-alemannischen Fasnet geht es darum, im eigenen Ort etwas zu bewegen«, sagt Schatzmeister Brielmann.

In dieser Fasnetssaison tritt der Narrenfreundschaftsring erstmals öffentlich in Erscheinung. Der Original Steinlachtaler Fasnachtsverein richtet vom 8. bis 10. Februar in Mössingen das erste große Ringtreffen aus. Geplant sind ein Brauchtumsabend am Freitag, eine Party am Samstag und ein großer Umzug am Sonntag. Alle 14 Ringzünfte werden vertreten sein, insgesamt werden rund 65 Vereine erwartet. Auch für die kommenden Jahre gibt es bereits Planungen: 2027 soll das Ringtreffen in Ofterdingen stattfinden, 2028 in Nehren.

Die Initiatoren rechnen damit, dass der neue Narrenfreundschaftsring auch bei weiteren Vereinen in der Region Interesse wecken wird. Neue Mitglieder können aufgenommen werden, müssen jedoch klare Kriterien erfüllen: mindestens zehn Jahre bestehen, sich zum Brauchtum bekennen, Masken aus Holz und nicht aus Plastik tragen sowie sich in einem dreijährigen Gaststatus mit Begleitung durch eine Ringzunft beweisen. Erst danach entscheidet die Gemeinschaft über eine Aufnahme. Für Präsident Haas steht nun zunächst aber die weitere Aufbauarbeit im Fokus: »Ganz fertig sind wir noch nicht.« (GEA)

Die Mitglieder des Narrenfreundschaftsrings Steinlach-Wiesaz-Härten

14 Narrenvereine aus der Region gehören zu den Gründungsmitgliedern des Narrenfreundschaftsrings Steinlach-Wiesaz-Härten: · Roßberg-Hexa Gönningen e.V., Krum-Hexen Bronnweiler e.V. , Narrenzunft Gomaringer Käsperle e.V. 1994, Original Gomaringer Schlosshexa e.V., NZ Rammert-Wolf 1998 e.V., Burghexa Dußlingen e.V., Original Narrenzunft Dußlingen e.V »Grea-Deiffele«, Narrenzunft Ofterdingen 1997 e.V., Narrenverein Mössingen e.V., Original Steinlachtaler Fasnachts-Verein 1994 e.V., Narrenzunft Talheim-Saibachdeifel 2010 e.V., Narrenzunft Butzi Bodelshausen e.V., Narrenzunft Dreifürstenstein 2014 e.V., Narrenzunft Jettenburg 2013 e.V.. (GEA)