MÖSSINGEN. Auf den Punkt gebracht: 4,58. Eine Note, über die man in der Schule nicht begeistert wäre. Bei der Untersuchung der Qualität der pädagogischen Arbeit in den städtischen Kitas geht es in der Notenskala aber andersherum. »Das ist ein guter Wert in der oberen Hälfte einer mittleren Qualität. Angestrebt wird ein Durchschnitt von 5. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 4,49«, erklärte Professor Stefan Faas jetzt im Mössinger Gemeinderat bei der Vorstellung eines Zwischenberichts zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Das sei »eine Baustelle auf hohem Niveau mit Luft nach oben«, kommentierte Oberbürgermeister Michael Bulander das Ergebnis, verbunden mit einem Kompliment an die Einrichtungen.
In einer ersten Runde hatte Stefan Faas vom Zentrum für Qualitätsforschung und Monitoring der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd im vergangenen Jahr an 13 Kitas die Betreuung der Kinder über drei Jahre untersucht - mit einem guten Ergebnis. Jetzt waren die Krippen an der Reihe. »Wir haben von Januar bis Juni fünf städtische Einrichtungen mit insgesamt 50 Kindern von 24 bis 36 Monaten begutachtet«, erläuterte Faas. Außerdem wurden die Eltern befragt, von denen 32 einen Fragebogen beantworteten. »Das ist ein guter Rücklauf.«
Ein deutschlandweites Problem
Positiv bewerteten die Wissenschaftler etwa die gute Ausstattung der Einrichtungen und die Begleitung bei Spiel- und Lernaktivitäten. Drei Bereiche nannte Faas gar ausgezeichnet: die Interaktion mit den Kindern, die Gestaltung der Übergänge etwa in den Ü3-Bereich und vor allem den Punkt »Zuhören und Sprechen«: »Hier ist selbst der unterste Wert noch gut.«
Was etwas abfällt, sind aus der Sicht der Wissenschaftler die Punkte Pflege und Routine. »Das ist im Krippenbereich eine Baustelle, und das war auch bei den Kitas so. Das ist aber auch deutschlandweit so.« Wo genau die Probleme liegen, könne man nicht sagen: »Da gibt es strukturelle Probleme. Wir werden das aber mit den Einrichtungen besprechen.« Entwicklungsbedarf sieht Faas auch bei Themen wie körperliche Bewegung, Spiel und Musik, der Partizipation der Kinder sowie bei der internen und externen Kommunikation. »Das sehen die Eltern aber nicht so, wie wir das auf der fachlichen Ebene sehen.«
Zufriedene Eltern
Insgesamt schätzen die Eltern die Betreuung positiver ein als die Wissenschaftler. Drei Viertel bewerten etwa die Innenräume, die Aktivitäten und den Umgang mit den Kindern als gut bis sehr gut. »Die Eltern«, fasste Faas die Ergebnisse der Umfrage zusammen, »sind zufrieden und haben das Gefühl, dass ihre familiären Bedürfnisse gut berücksichtigt werden.«
Weitere Erkenntnisse also zur Verbesserung der pädagogischen Qualität in der Kinderbetreuung in den städtischen Einrichtungen, die, wie Faas ankündigte, im neuen Jahr dort auch besprochen werden. Auf die Frage von Claudia Jochen (LiSt), ob der Gemeinderat erfahren könne, welche Einrichtung welche Ergebnisse im Einzelnen habe, wehrte er jedoch ab: »Wir haben aus gutem Grund zugesichert, dass wir das nicht machen.« Die Krippen sollten unterstützt werden und nicht das Gefühl haben, dass sie überprüft werden. Man könne auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: »Oft ist es einfach so, dass die Einrichtungen mit guten Ergebnissen auch die besten Bedingungen und die mit schlechteren Ergebnissen die schwierigsten Bedingungen haben.« Was OB Bulander auch so sah: »Wir müssen die Ergebnisse in den Einrichtungen lassen.«
Die Untersuchungen betreffen in Mössingen nur die städtischen Einrichtungen. Auf die Frage von Jochen, ob man die konfessionellen Träger - »da ist noch einiges zu verbessern« - nicht auch zu einer solchen Qualitätsuntersuchung zwingen könnte, reagierte Fachbereichsleiterin Heidrun Bernhard zurückhaltend: »Wir haben das mehrfach diskutiert, aber das ist Sache der Träger. Die Stadt gibt zwar einen Zuschuss, hat aber keinen Einfluss auf die Arbeit dort.« (GEA)

