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Bunte Unterwasserwelt wird Lichtblick in Tübinger Kinderklinik

Thomas Musch pflegt seit über 21 Jahren ehrenamtlich das Meerwasseraquarium in der Tübinger Kinderklinik.

Thomas Musch und Jutta Gaiser stehen mit einer kleinen Patientin beim Meerwasseraquarium im Foyer der Kinderklinik.  FOTO: WEBER
Thomas Musch und Jutta Gaiser stehen mit einer kleinen Patientin beim Meerwasseraquarium im Foyer der Kinderklinik. Foto: Raphaela Weber
Thomas Musch und Jutta Gaiser stehen mit einer kleinen Patientin beim Meerwasseraquarium im Foyer der Kinderklinik.
Foto: Raphaela Weber

TÜBINGEN. Der siebenjährige Elyas Carbone ist Patient in der Kinderklinik und hat dort einen Ort gefunden, wo er sich besonders gerne aufhält. »Ich komme jeden Tag zum Aquarium und entdecke darin immer etwas Neues«, sagt er. »Ich finde es richtig cool.« Auch seine Mutter Luisa Carbone hat Freude an der farbigen Unterwasserwelt. »Wir sitzen manchmal stundenlang vor den bunten Fischen und Korallen, auch mit Besuchern, die zu unserem Sohn möchten. Für uns bedeutet das eine willkommene Abwechslung vom Klinikalltag.«

Genau solche und viele weitere positive Reaktionen sind es, die den Hobby-Aquarianer Thomas Musch motivieren, das Meerwasseraquarium seit über 21 Jahren mehrmals in der Woche zu pflegen. Der Verwaltungsangestellte bei Forst BW macht das ehrenamtlich und in seiner Freizeit. Unzählige Stunden hat er in den vergangenen Jahren investiert, er schaut jede Woche ein bis zwei Mal vorbei, »je nach Bedarf und immer auf Rufbereitschaft, zum Beispiel, wenn ein toter Fisch am Boden liegt, die Warnleuchten blinken oder komische Geräusche abgeklärt werden müssen«.

Aquarium ist pfelegeintensiv

Das Meerwasseraquarium im Foyer C4 der Uniklinik für Kinder- und Jugendmedizin hat sich in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Attraktion entwickelt. »Den Anstoß gab Professor Niethammer. Schon beim Bau der Kinderklinik hat er sich dafür eingesetzt, dass das Krankenhaus ein Meerwasseraquarium be-kommt«, erzählt Musch. »Der ehemalige Leiter der Tübinger Kinderklinik hatte in amerikanischen Kliniken viele solcher Aquarien gesehen und auch die Freude, die sie den Patienten bereiten.«

Doch mit dem Aufstellen eines Aquariums alleine ist es nicht getan. Diese Erfahrung machte man auch in der Kinderklinik und wandte sich deshalb an die »Aquarien- und Terrarienfreunde Mössingen«, mit Musch als Vorsitzendem. »Anfang 2004 kam Professor Niethammer auf unseren Verein zu, sie bräuchten dringend Hilfe. Wir haben dann das Aquarium besichtigt, der pflegerische Zustand jagte uns einen echten Schauer über den Rücken. Die Scheiben waren grün und alles war voller Algen.«

Mit seiner ganzen Erfahrung brachte Musch das Becken wieder in Schuss, unterstützt wurde er dabei von anderen Mitgliedern der IG Meerwasser, die er leitet. Gemeinsam stemmt man auch andere Aktivitäten, wie zum Beispiel 2015 den komplett neuen Aufbau eines größeren Beckens, das nun 1.600 Liter fasst und in dem sich aktuell rund 30 Fische zwischen bunten Korallen tummeln. Die meisten dieser Korallen hat Musch gezüchtet.

Ebenfalls seit 2015 wird er vor Ort von seiner Partnerin Jutta Gaiser unterstützt. »Für mich war damals die Aquaristik eine komplett neue Materie«, sagt sie. »Ich habe mich schnell damit angefreundet und erlebe selber, wie beruhigend das Anschauen der Fische ist.« Gaiser ist hauptsächlich für die Reinigung der Scheiben zuständig sowie fürs Befüllen des Futterautomaten. Wenn das engagierte Duo am Aquarium arbeitet, oft auch sonntags, stellen Kinder und Erwachsene Fragen zu den Fischen und dürfen auch einen Blick auf die moderne Technik werfen, die sich hinter dem Becken verbirgt.

»Eine Ärztin hat mir von Kindern erzählt, die nur aufstehen oder ihre Arznei nehmen, wenn sie auch zum Aquarium dürfen. Das dient ihnen als Anreiz«, so Gaiser. Die bunte Unterwasserwelt ist für die kleinen Patienten mehr als ein Lichtblick, sie bringt Farbe und Leben in den Klinikalltag. »Viele Kinder bleiben auf dem Weg zur Untersuchung kurz stehen und schauen fasziniert zu, das nimmt oft ein bisschen Angst. Sie schauen hier nicht nur auf Schläuche und Monitore, sondern auf bunte Fische. Wir bekommen immer wieder ganz konkrete positive Rückmeldungen«, sagt Evelyn Fade, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Kinderklinik Tübingen und der Stiftung »Hilfe für kranke Kinder«, deren Spender unter anderem den Betrieb des Beckens ermöglichen. Ein weiterer Akteur sind die Stadtwerke Tübingen, die einen jährlichen Zuschuss zu den Betriebskosten leisten.

Bis zu einem Jahr in Klinik

»Wenn ich sehe, dass Kinder, Erwachsene oder Beschäftigte jedes Mal eine Freude am Anblick der Fische haben, ist das ein Highlight für mich«, so Thomas Musch. »Das ermutigt mich, meine Freizeit für das Aquarium zu spenden.« Er hat durch sein Engagement schon Familien kennengelernt, deren Kinder ein ganzes Jahr in der Klinik bleiben müssen, weil sie schwer erkrankt sind und eine lange Therapie benötigen. »Daraus sind Freundschaften entstanden. Das ist sehr bereichernd.« (GEA)

 

FISCHE LENKEN AB UND BERUHIGEN

Blau-gelbe Doktorfische, Riffbarsche oder der als »Nemo« bekannte leuchtend-orangefarbene Clownfisch mit seinen drei weißen Streifen: Mit der Schautafel am Becken lassen sich die verschiedenen Fische im Becken erkunden. »Das Meerwasseraquarium ist eine willkommene Ablenkung, nicht nur für unsere jungen Patienten«, weiß Fade. »Auch Eltern und Großeltern genießen das Aquarium, da es auf alle eine beruhigende Wirkung hat und für einen kurzen Moment in eine andere Welt entführt. Ohne die ehrenamtliche Pflege durch die IG Meerwasser und die Unterstützung der Stadtwerke Tübingen, die seit Jahren die laufenden Kosten tragen, würde das nicht funktionieren.« Über die Stiftung in der Uni-Kinderklinik Tübingen »Hilfe für kranke Kinder« kann das wichtige Projekt mit Spenden weiter gesichert werden. (GEA) www.hilfe-fuer- kranke-kinder.de