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Aktuell Infrastruktur

430.000 Euro für den Immenhausener Untergrund

Wird der Wasserhahn aufgedreht, schießt das Trinkwasser aus der Leitung. Betätigt man die Klospülung, gurgelt das Schmutzwasser hinab in den Kanal. Soweit, so normal. Doch dahinter steckt eine kostspielige Infrastruktur.

Ein schnöder Verteilerkasten, zahlreiche Schachtdeckel: Das Regenüberlaufbecken am Immenhausener Spielplatz wirkt unscheinbar, h
Ein schnöder Verteilerkasten, zahlreiche Schachtdeckel: Das Regenüberlaufbecken am Immenhausener Spielplatz wirkt unscheinbar, hat es aber in sich. Foto: Alexander Thomys
Ein schnöder Verteilerkasten, zahlreiche Schachtdeckel: Das Regenüberlaufbecken am Immenhausener Spielplatz wirkt unscheinbar, hat es aber in sich.
Foto: Alexander Thomys

KUSTERDINGEN-IMMENHAUSEN. Wenn es regnet, sorgen die Kanäle für befahrbare Straßen. Und auch im Haus fließt das Abwasser im Normalfall problemlos ab. Notiz davon nehmen die meisten Bürger erst, wenn es nicht klappt und der Rohrreiniger ins Haus kommt. Dann wird deutlich: Hinter der Abwasserbeseitigung steckt eine umfangreiche Infrastruktur, in welche die Gemeinden hohe Summen investieren. Wie jüngst im Kusterdinger Gemeinderat, der einstimmig eine Investition von 430.000 Euro in Immenhausen genehmigte. Dort liegt, im Untergrund versteckt, das einzige Regenüberlaufbecken der Gesamtgemeinde Kusterdingen.

Es ist Teil einer ausgeklügelten Kanalisation, die das Abwasser aus Kusterdingen herausführt. In zwei Richtungen: Kusterdingen, Wankheim und ein Teil von Mähringen leitet sein Abwasser zur Kläranlage nach Kirchentellinsfurt ab, wähend aus dem übrigen Teil Mähringens und aus Immenhausen das Abwasser zur Kläranlage nach Tübingen fließt. Die Leitung in Richtung der Kläranlage der Unistadt kann bis zu 14 Liter pro Sekunde durchleiten. Das reicht allerdings nicht immer: Bei Starkregen droht ein Rückstau in der Kanalisation. Um das zu verhindern, gibt es das Regenüberlaufbecken (RÜB) in Immenhausen.

520 Kubikmeter Fassungsvermögen

Das unterirdische Bauwerk, unmittelbar am Spielplatz gelegen, weist beeindruckende Dimensionen auf: 20 Meter lang, 12,44 Meter breit und mehr als zwei Meter tief ist das RÜB. Es fasst 520 Kubikmeter Schmutzwasser und kann dieses zurückhalten, bis der Regen aufhört und in der Leitung gen Kläranlage wieder Kapazitäten frei werden. Erst wenn das RÜB ebenfalls gefüllt ist, würde das Schmutzwasser über den Haldenbach zum Ehrenbach geleitet, um Schäden im Ort zu vermeiden. Dann regnet es aber ohnehin so stark, dass das Schmutzwasser stark verdünnt nur wenig Schaden verursachen könnte.

Die Regenüberlaufbecken gehören dem Abwasserzweckverband, für die Unterhaltung sind allerdings die jeweiligen Gemeinden zuständig. Und das Kusterdinger RÜB in Immenhausen ist in die Jahre gekommen. »Die Messtechnik funktioniert nicht mehr zuverlässig«, erklärte Zsuzsanna Schoser, Amtsleiterin des Ortsbauamtes, den Gemeinderäten. Die Messtechnik ist zur Steuerung des RÜB unerlässlich. Außerdem sorgt diese dafür, dass das unterirdische Becken mit sauberem Wasser aus dem Brühlbach gespült wird, sobald das Schmutzwasser abgeflossen ist.

Modernisierung bis 2027

Im kommenden Jahr soll die Messtechnik unter anderem durch moderen Radarsonden ausgetauscht werden. Außerdem sollen die Klappwehre zur Steuerung des Wasserflusses ersetzt werden, um die Kapazität des RÜB zu steigern. Auch steht eine Erneuerung der Steuerungstechnik und der Elektrik an. Insgesamt sollen die Arbeiten rund 430.000 Euro kosten, die Gemeinde erhält hierfür einen Zuschuss in Höhe von 94.400 Euro. Fertiggestellt werden soll das RÜB im Juli 2027 - und damit wenige Jahre vor der nötigen Erneuerung der wasserrechtlichen Genehmigung für den RÜB-Betrieb, die 2030 ansteht und die wohl, ohne die Erneuerung der Technik, nicht zu machen wäre.

»Wann wurde denn das letzte Mal was dran gemacht?«, fragte Gemeinderat Timo Dolch (SPD). Die vielsagende Antwort: Niemand im Ratsrund oder auf Seite der Verwaltung wusste eine Antwort. Für Dolch war die Sache damit klar: »Irgendwann muss mal was dran gemacht werden.« So sahen es dann auch seine Ratskollegen: Einstimmig wurde die Erneuerung des Regenüberlaufbeckens Immenhausen - immerhin Baujahr 1985 - genehmigt. (GEA)