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Aktuell Zeitung macht Schule

Wo Bulle und Bär das Sagen haben

Sie können nicht nur beachtlich schreiben, sondern auch solide rechnen: Zehn Wochen lang haben die Teilnehmer des Planspiels Börse, das die Sparkassen seit 24 Jahren veranstalten, ihr Geschick im Handel mit Wertpapieren gezeigt. Als Höhepunkt hat die Kreissparkasse Reutlingen die Nachwuchs-Börsianer von »Zeitung macht Schule« nach Frankfurt eingeladen, wo die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit hatten, die Börse zu besuchen

FRANKFURT. Im Mittelpunkt des Ausflugs von »Zeitung macht Schule« in Verbindung mit dem »Planspiel Börse« der Kreissparkasse Reutlingen stand die Besichtigung der Frankfurter Wertpapierbörse. Zuallererst mussten die Teilnehmer des Projekts ungeduldig die Zeit verstreichen lassen bis sie endlich eingelassen werden konnten.

Diese Zeit vertrieben sich die meisten mit einem kurzen Bummel durch den Weihnachtsmarkt oder die Stadt. Die Fußgängerzone war blitzblank, die ansässigen Geschäfte von höchster Qualität, aber eigentlich waren sehr wenige Menschen zu sehen. Zum Abschluss des Bummels konnte man sich schon mal einen Vorgeschmack auf die Börse holen - davor stehen die Wahrzeichen der Börse: Bull and Bear (Stier und Bär).

Symbolkräftige Tiere

Diese zwei Tiere sollen die zwei Möglichkeiten eines Aktienkurses symbolisieren. Die Symbolik ist aus dem Angriffsverhalten der Tiere abgeleitet: Der Stier, der mit seinen aufgerichteten Hörnern immer von unten nach oben schlägt, steht für steigende, der Bär, der mit seiner Tatze immer von oben nach unten kämpft, steht für fallende Kurse.

Dann endlich kam ein Mann von der Security, der die Ausweise überprüfte und schließlich jeden einzeln in das Gebäude hineinließ. Wegen den Sicherheitsbestimmungen wurde im Innern auch jede Tasche noch gründlichst an einem Durchleuchtungsgerät untersucht.

Anschließend wurde man in einen Vortragsraum geführt, in dem uns ein Praktikant Wissenswertes und Grundlegendes über die Börse mitteilte. Leider war der Student mit seinem Vortrag von einigen Vorkenntnissen ausgegangen, so dass die Mehrheit der Teilnehmer nur einen geringen Teil des eigentlich gut gestalteten Vortrages gut nachvollziehen konnte.

Das Prinzip der Börse konnte hingegen jedem verständlich gemacht werden: Man kann es sich wie auf einem Marktplatz vorstellen. Käufer und Verkäufer treffen hier aufeinander. Zwischen dem Sparwillen der einen und dem Gewinstreben der anderen muss ein Preis ermittelt werden, mit dem sich beide Seiten arrangieren können.

Hierbei werden die Gesetze des Marktes herangezogen. Ausschlaggebend ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Auch hier kann einem der Vergleich mit dem realen Geschehen weiterhelfen: Zum Beispiel ist während der Saison der Preis für Spargel relativ niedrig, weil das Angebot groß ist. Versucht man hingegen im Dezember an Spargel zu gelangen, muss man viel tiefer in die Tasche greifen, da es naturgemäß im regionalen Bereich nicht viel von ihm gibt. Diesem Prinzip folgt auch der Börsenhandel. Die Saison sind positive Meldungen des Unternehmens, der Dezember stellt die negativen Seiten dar.

Moderner und zukunftsfähiger

Nach dem Vortrag wollte man einmal etwas anderes sehen als Zahlen und Computergrafiken - man wollte die Ausstrahlung des Börsenhandels auf sich wirken lassen. Doch als man schließlich auf der Besuchertribüne stand, von der man die Börse überblicken kann, stellten sich diese Gefühle nicht ein. Wir waren zu einem ungünstigen Zeitpunkt gekommen, denn die Börse - so wie man sie im Fernsehen sieht - wird derzeit umgebaut: Die etwas älteren, eckigen und unpraktikablen drei »Schrankenreihen« werden durch fünf neue, kreisrunde und stilvollere ersetzt und die gesamte Technik auf den neuesten Stand gebracht. Kurz gesagt, die Börse soll auf ein zukunftsfähiges Niveau gehoben werden.

Trotz dieser Dopamin-Bremse konnte man einen netten Tag in der Bankenstadt Frankfurt genießen und im Nachhinein war die kleine Panne mit dem ersten Börseneindruck nicht ganz so gravierend wie auf den ersten Blick. Man sollte ganz nach der folgenden Devise gehen: Dabei sein ist alles! (ZmS)



Helmut Scholz, Friedrich-List-Gymnasium Reutlingen, Klasse 9d