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Erst Abi - dann Jazz

TÜBINGEN. Das Kühntett ist eine Tübinger Jazzformation, die sich in der Szene unter anderem mit dem zweiten Platz beim Biberacher Jazzfestival einen Namen machen konnte. Für das Kühntett stehen vor allem zwei Gesichter: Bassist Axel Kühn und Saxophonist Alexander »Sandi« Kuhn, die die Stücke der Formation komponieren. Außerdem spielen Drummer Marcel Gustke, Pianist Christoph Heckeler und die Gastmusiker Gitarrist Fabiano Pereira und Andi Maile am Sax beim Kühntett. Die ZmS-Reporter vom Albert-Einstein-Gymnasium Tim Zondler, Michel Vanduren und Hannes Nanz sprachen mit Axel Kühn und Alexander Kuhn.

Das Kühntett erobert die Jazz-Szene: Axel Kühn (vorne), Fabiano Pereira, Christoph Heckeler, Alexander »Sandi« Kuhn,
Das Kühntett erobert die Jazz-Szene: Axel Kühn (vorne), Fabiano Pereira, Christoph Heckeler, Alexander »Sandi« Kuhn, Marcel Gustke, Andreas Maile (von links). FOTO: PR
Das Kühntett erobert die Jazz-Szene: Axel Kühn (vorne), Fabiano Pereira, Christoph Heckeler, Alexander »Sandi« Kuhn, Marcel Gustke, Andreas Maile (von links). FOTO: PR

ZmS: Ihr Albumrelease steht an, denken Sie, ihr Album ist gelungen?

Kühn: Es ist auf jeden Fall gelungen, würde ich sagen.

»Verschwendet nicht eure Zeit im Proberaum«

Stimmen auch die Verkaufszahlen?

Kühn: Das ist bei Jazz schwer zu sagen. Die meisten unserer CDs verkaufen wir auf Gigs und weniger durch den Handel.

Sandi: Vielleicht liegt es auch daran, dass unser neues Album erst am 30. November im Theaterhaus Stuttgart veröffentlicht wird (lacht). Doch man muss sich im Klaren sein, dass Jazz eine Randgruppenmusik ist und es somit schwierig ist, kommerziellen Erfolg zu haben. Denn wann läuft schon Jazz im Radio, wenn man nicht gerade um 3 Uhr morgens SWR 4 hört?

Was wollen Sie denn genau mit Ihrer Musik vermitteln?

Kühn: Also Jazz soll auf jeden Fall Spaß machen, gleichzeitig aber auch Gefühle vermitteln und alle Emotionen widerspiegeln.

Sandi: Unsre Musik soll nicht nur wild sein, sondern soll die Zuhörer packen. Unsere Musik ist keine politische Message oder so (lacht).

Können Sie denn alle von der Musik leben?

Kühn und Sandi: Ja!

Das ist ja auch schon eine Leistung. Und jetzt eine spezielle Frage an Sandi: Bereuen Sie es denn, nicht mehr Lehrer am Albert-Einstein-Gymnasium zu sein?

Sandi: Nööööööö!!! (lacht)

Würden Sie uns empfehlen, die Schule zu schmeißen, falls wir eine musikalische Stütze hätten?

Sandi: Auf keinen Fall! Aber falls ihr euch für Jazz interessiert und es auch spielen wollt, braucht ihr das Abitur. Außer ihr seid so gut und rutscht irgendwie rein. Also wer sich die Chance, das Abi zu machen, nehmen lässt, ist, fein gesagt, dumm! Also nutzt eure Chance.

Das wollten wir jetzt nicht hören, aber einen moralischen Wert hat's ja (lachen). Aber zurück zum Thema: Wie oft und wie lange proben Sie denn so?

Kühn: Proben tun wir nicht so oft, weil es zum Jazz dazugehört, viel live zu spielen! Denn man spielt im Proberaum nie so wie auf der Bühne, da einfach live noch das Publikum vorhanden ist. Aber auch andere Faktoren haben Einfluss wie zum Beispiel das Lampenfieber.

Und was würden Sie dann gerade jugendlichen Bands empfehlen?

Kühn: Spielt so oft wie möglich live (lacht). Verschwendet nicht eure Zeit im Proberaum! Klar ist Proben wichtig, gerade vor wichtigen Events oder einer CD-Aufnahme verbringen wir mehr Zeit mit Proben. Aber auf das, was ihr live übermittelt, kommt es an.

»Improvisationen sind für die Entwicklung eines eigenen Sounds wichtig«

Und wie macht ihr es mit euren Stücken? Schreibt ihr alle Noten auf und lasst die anderen einfach spielen oder ...

Sandi: Nenenenene! Klar schreiben wir das Grundschema auf, doch wir lassen jedem Bandmitglied genügend Freiraum für Improvisationen, um seinen eigenen musikalischen Charakter in Szene zu setzen.

Kühn: Improvisationen sind uns sehr wichtig, da man so einen gewissen eigenen Sound entwickelt und so aus der Menge heraussticht.

Sandi: Ich finde auch, dass gerade unsere Lieder durch die Impros ihren eigenen Wiedererkennungswert erhalten.

Aber das Improvisieren fordert schon einiges an Können! Wie lange spielt denn jedes Mitglied sein Instrument schon?

Sandi: Mal überlegen, ... also bei mir sind es jetzt 15 Jahre, bei Heckman (Christoph Heckeler) auch und beim Marcel sind es schon fast 20 Jahre.

Kühn: Ich spiel' seit 13 Jahren.

»Jazz ist eine Rand- und keine Massenmusik«

Und wie lange schreiben Sie an einem Stück?

Sandi: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Stücke, die schreibe ich an einem Tag und bin glücklich damit. Andere aber habe ich nach einem Jahr noch nicht fertig und an manchen sitze ich heute noch. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich Lieder erst aufschreibe, wenn ich wirklich zu 100 Prozent sicher bin. Man muss einfach warten, bis die passende Idee kommt ... ich weiß jetzt nicht, wie du es machst, Axel.

Kühn: Ja, auch so.

Und was glauben Sie? Wo wird das Kühntett in fünf Jahren stehen?

Kühn: Wie schon gesagt, Jazz ist eine Rand- und keine Massenmusik. Von dem Standpunkt aus ist es unser Ziel, im Kreis der Jazzmusiker und -liebhaber, die unsere Musik wertschätzen, eine etablierte Größe zu sein und in diesen Kreisen Anerkennung zu finden.

Sandi: Wir wollen einfach als Band so wachsen, dass wir vom Jazz leben können. Es wäre außerdem sehr schön, wenn wir junge Leute wie euch auch für Jazz begeistern könnten. Denn Leute in eurem Alter, die Jazz hören, hören es meistens nur, wenn sie selbst Jazz machen.

Kühn: Dies finde ich sehr schade, denn gerade Jazz hat sehr viele Strömungen, bei denen für jeden was dabei ist, egal ob man jetzt rockig orientiert ist oder mehr House hört.

Sandi: Genau, denn Jazz soll weiterhin bestehen, und dies funktioniert nur, wenn wir eine neue Generation ansprechen können.

Und worin besteht dabei das Problem, wenn doch für jeden was dabei ist?

Sandi: Es ist halt so: Es entspricht nicht der Hörgewohnheit vieler Jugendlicher. Man kann es nicht vergleichen mit dem, was man im Radio hört. Jazz ist weitaus anspruchsvoller, komplexer und harmonischer. Und solange sich die Jugend nicht auf Jazz einstellt, wird Jazz eine Randmusik bleiben.

Also, wir können Ihnen sagen, uns haben Sie angesprochen! Vielen Dank für das Interview!

Sandi und Kühn: Gern geschehen!

Am 14. Februar kommt das Kühntett auch nach Reutlingen in den Jazzclub in der Mitte. Beginn ist um 20.30 Uhr, Eintritt ist frei. Wer mehr Infos über die Band haben möchte oder sich ein paar Songs anhören möchte, kann sie auch im Internet kontaktieren.

Tim Zondler, Michel Vanduren, Hannes Nanz, Albert-Einstein-Gymnasium Reutlingen, Klasse 9 d