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Aktuell GEA-Leserreise

Maurische Pracht in Andalusien

Ein Schlaraffenland für das Auge, ein Erlebnis für die Sinne – das ist Andalusien. Die größte und südlichste autonome Region Spaniens beeindruckt den Besucher mit einer bunten Mischung aus Orient und Okzident. Fast 800 Jahre unter maurischer Herrschaft hinterließen ihre Spuren.

Foto: Ines Westphal
Foto: Ines Westphal

Nach fast drei Stunden Flug landet die Maschine mit der Reutlinger Gruppe auf dem Flughafen in Málaga. Bald ist auch das komfortable Hotel im Ferienort Benalmádena an der Costa del Sol erreicht. Von dort aus werden die GEA-Leser in den nächsten Tagen Andalusien erkunden. Gleich am nächsten Morgen steht das wohl bekannteste Bauwerk Andalusiens, die Alhambra in Granada, auf dem Programm. Malerisch thront die maurische Palastanlage, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, auf dem Asabika-Hügel vor dem Hintergrund der schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada. Die einstige Königsstadt der Nasriden wurde mit starken Verteidigungsmauern und mehreren Wehrtürmen gesichert. Ältester Teil der Anlage ist die Festung Alcazaba. Der Palacio de Generalife mit seiner großen, prächtigen Gartenanlage und Wasserspielen diente den Herrschern als Sommerresidenz. Beeindruckender Höhepunkt in der Alhambra ist der Königspalast. Nach maurischer Tradition wirkt der Bau von außen unscheinbar und zeigt dem Besucher erst im Inneren seine ganze Pracht: Filigrane Stuckarabesken, bunte Azulejos sowie Brunnen und Wasserbecken in den Innenhöfen. Jedes Ornament hat seine Bedeutung. Ein kleiner Spaziergang führt die Gäste anschließend durch den Albaicin, das älteste Stadtviertel Granadas, vorbei an der Kathedrale und der Capilla Real mit dem Marmorgrabmal der Katholischen Könige Isabella und Fernando. Die engen Gassen der Alcaicería, einst der Seidenbasar, wurden nach einem Brand 1843 originalgetreu wieder aufgebaut. Auch heute ist noch etwas von der Atmosphäre eines orientalischen Souks zu spüren.

Der nächste Tag gestaltet sich etwas geruhsamer. Die Fahrt geht durch das Bergland der Costa del Sol nach Mijas. Typisch für das sogenannte Weiße Dorf sind die gekalkten Häuser und schmale, verwinkelte Gassen, in denen statt Autos Esel-Taxis unterwegs sind. Durch die Lage des Dorfes auf einem Felsplateau hat man eine großartige Aussicht auf die Küste und das fruchtbare Hinterland. Dorthin geht es anschließend, auf die Zitrusplantage von Juan. Er weiß viel über Zitronen, Orangen, Pampelmusen, aber auch über Melonen und Granatäpfel zu erzählen. Mit Wissen, Witz und leckeren Kostproben unterhält Juan seine Besucher.

Britische Enklave

426 Meter hoch ragt der Felsen von Gibraltar aus dem Meer. Seit 1704 ist die Enklave auf der Iberischen Halbinsel in britischer Hand. Die 30 000 Einwohner sind ein buntes Völkergemisch aus Briten, Spaniern, Marokkanern und Indern, die sich in Englisch, Spanisch und in einer Mischung beider Sprachen, dem Llanito, verständigen. Die bekanntesten Bewohner sind jedoch die Berberaffen. Es heißt, solange sie auf Gibraltar leben, bleibe der Fels britisch. Mit Minibussen geht es auf Rocktour. Zuerst zum Europa Point, von hier aus kann man bei gutem Wetter bis nach Marokko schauen. Dann geht es hinauf auf den Fels und in die Tropfsteinhöhle St. Michael’s Cave. Beim Verlassen der Höhle sind sie da, die Berberaffen! Es bleibt also alles beim Alten: Fish‘n Chips statt Tapas und der Verkehr wird weiterhin von britischen Bobbys geregelt.

Den nächsten Tag verbringen die Reutlinger wieder in Andalusien. Durch bergiges Gebiet geht es nach Ronda, den Ort, den Rainer Maria Rilke als »die geträumte Stadt« bezeichnete. Traumhaft auch die Lage in 750 Metern Höhe. Die bis zu 160 Meter tiefe Schlucht El Tajo trennt die Altstadt, La Ciudad, von der Neustadt, El Mercadillo. 1751 begann man an der schmalsten Stelle der Schlucht mit dem Bau der Puente Nuevo, der Neuen Brücke. Das Wahrzeichen der Stadt ist 98 Meter hoch und wurde einst auch als Gefängnis genutzt. Der Zufall will es, dass just an diesem Sonntag, an dem die GEA-Leser die Stadt besuchen, das Fest Ronda Romantica gefeiert wird. Viele Einheimische und Gäste sind in Kostümen unterwegs, als Adlige, Kaufleute, Soldaten oder Bandoleros. Diese Straßenräuber trieben im 19. Jahrhundert in der Gegend um Ronda ihr Unwesen. Für die arme Bevölkerung Andalusiens waren einige der Bandoleros wahre Freiheitskämpfer und Wohltäter, die den Reichen nahmen und mit den Armen teilten. Einer der berühmtesten unter ihnen war José María Hinojosa, alias El Tempranillo. Er soll den Damen ihre Ringe stets mit einem Handkuss und dem Kompliment abgenommen haben, eine solch schöne Hand bedürfe keines Schmucks. Bei so viel Charme verzichtete so manche Frau gerne auf ihre Kostbarkeiten. Solche und ähnliche Anekdoten erzählt Stadtführerin Marìa Àngeles während ihrer Führung durch die Stadt und die Stierkampfarena.

Metropole im Süden

Auch ein Besuch in Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens, steht auf dem Programm. Hier ist der Sitz der Landesregierung und des Parlaments, aber auch die Heimat von Don Juan, Carmen und dem Barbier von Sevilla, Opern, die wohl jeder kennt. Es gibt so viel zu sehen in dieser Stadt, wie zum Beispiel den Alcázar oder Santa Maria de la Sede, die größte gotische Kathedrale der Welt mit ihrem Glockenturm Giralda, 95 Meter hoch und zu Zeiten der Almohaden Minarett der Hauptmoschee. Einer der schönsten und bekanntesten Plätze der Stadt ist die Plaza de España, anlässlich der Ibero-amerikanischen Ausstellung 1929 gestaltet und von halbkreisförmigen Gebäuden umgeben. Diese sollen die Umarmung der südamerikanischen Kolonien durch GEA-Leserreise – Kirchen, Burgen und Paläste in Spaniens Süden Maurische Pracht in Andalusien Spanien symbolisieren. Azulejo-Darstellungen aller 50 spanischen Provinzen zieren deren Sockel.

Eine ganz andere Seite der Region Andalusien lernen die GEA-Leser am letzten Tag bei einem Ausflug rund um die Kleinstadt Antequera kennen. Etwa 4000 Jahre alt sind die zwei in Hügel gebaute Dolmen, die zu den bedeutenden Megalithbauten Europas gehören und wahrscheinlich als Kult- und Begräbnisstätten dienten. Weiter nordwestlich liegt die Laguna de Fuente de Piedra. Obwohl es sich um einen Binnensee handelt, ist das Wasser salzig. 1983 wurde die Lagune als Naturschutzgebiet ausgewiesen, in dem heute die größte spanische Brutkolonie von Flamingos zu finden ist. Schließlich führt die Fahrt auf gut 1 000 Meter Höhe ins Naturschutzgebiet El Torcal de Antequera. Die Natur hat hier eine fantastische Karstlandschaft mit bizarr geformten Felsen erschaffen. Die Reutlinger unternehmen eine kleine Wanderung durch das steinerne Märchenland, vorbei an Säulen aus Steinplatten, die aussehen, als wären sie von einem Riesen aufeinandergestapelt worden. Ein wunderbares Naturerlebnis und ein schöner Schlusspunkt für unsere Leserreise nach Andalusien. (dpa)