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Aktuell Leserbrief

»Verkehrslärm ist konstant«

Zum Kommentar »Politischer Flurschaden« vom 22. Mai (per E-Mail)

Lärm macht krank. Darauf konnte man sich im Gemeinderat am Dienstag einigen. Diese Einigkeit endete leider bei den Maßnahmen gegen den Lärm. CDU, FWV, FDP, WiR und AfD stellten sich mit fadenscheinigen Argumenten gegen ein einheitliches Tempolimit von 30 km/h. Wie die Stadtverwaltung zurecht beschrieben hat, werden Anwohnende der Reutlinger Durchgangsstraßen durch zu viel Verkehrslärm stark gefährdet. Diese Gefahr zeigt sich in erhöhten Stresslevel, Herzinfarktrisiko und weiteren gesundheitlichen Risiken. Wenn die Gefahr durch Verkehrslärm durch irreführende Vergleiche mit einer Disco kleingeredet wird, ist es wichtig zu beachten, dass der Verkehrslärm konstant ist. Natürlich kann eine Disco oder ein Streit der Nachbarn mal über den Grenzwerten der EU liegen. Sie versuchen aber auch nicht, in einer Disco zu schlafen oder ihren Alltag zu bewältigen.

Zudem bekommt die Diskussion ein Geschmäckle, wenn aus den Reihen der FDP-Fraktion die Aufforderung kommt, Betroffene sollen doch einfach woanders hinziehen. Dass dies für Leute mit geringem Einkommen genauso wenig möglich ist wie »einfach« mal Lärmschutzverglasung in die Mietwohnungen einzubauen, geht aber anscheinend an der Lebensrealität der FDP vorbei.

Dass man durch die geringe Geschwindigkeit viel Zeit verliere, ist laut Stadtverwaltung auch ein Trugschluss. Wie der zuständige Mitarbeiter erklärt, ist nicht das Tempo, sondern Hindernisse wie parkende Autos oder Ampeln der Grund für Verzögerungen in der Innenstadt. Ganz im Gegenteil kann eine Reduzierung der Geschwindigkeit zu einem verbesserten Verkehrsfluss führen.

Doch CDU, FWV WiR und FDP sind anscheinend, genauso wie der AfD, die Argumente oder das Wohlbefinden der Anwohnenden egal. Anders kann ich mir nicht erklären, warum sie gegen den gesunden Menschenverstand und die geltende Rechtslage die Fortschreibung des Lärmaktionsplans nun gestoppt haben.

 

Malte Höflinger, Reutlingen