Mit großer Sorge blicke ich auf die Pläne zur Errichtung eines Amazon-Verteilzentrums in unmittelbarer Nähe unseres kleinen Dorfes Hengen – mitten im schützenswerten Biosphärengebiet der Schwäbischen Alb. Was hier geplant wird, übersteigt bei Weitem das, was eine ländliche Region wie unsere zu verkraften vermag. Besonders alarmierend ist die zu erwartende Verkehrsbelastung: Laut aktuellen Prognosen sollen künftig rund 4.800 zusätzliche Fahrzeuge pro Tag auf unseren Straßen unterwegs sein – ein Anstieg von sage und schreibe 250 Prozent! Für ein Dorf wie Hengen, das bisher von Ruhe und Naturverbundenheit geprägt war, bedeutet dies nichts weniger als den verkehrstechnischen Kollaps.
Aber auch angrenzende Gemeinden wie Seeburg, Böhringen und Bad Urach selbst werden durch den massiven Anstieg des Verkehrsaufkommens schwer belastet. Was besonders beunruhigt: Der Großteil der Lkw-Fahrten wird in den Nachtstunden stattfinden. Schwerlastverkehr wird sich durch die Straßen Hengens wälzen, begleitet von Lärm, Erschütterungen und Abgasen – während wir schlafen wollen, unsere Kinder morgens zur Schule gehen und ältere Menschen Ruhe suchen.
Wie kann es sein, dass in dieser einzigartigen Kulturlandschaft, die dem Schutz von Mensch und Natur gewidmet und durch die Unesco als Biosphärenreservat anerkannt ist, ein solches Projekt ernsthaft in Erwägung gezogen wird.
Dieser Zustand ist unhaltbar. Stoppt den Amazon-Wahnsinn sofort. Wir fordern eine gründliche Überprüfung der Verkehrsfolgen, transparente Bürgerbeteiligung und vor allem: den Schutz unserer Lebensqualität und den Erhalt unserer Heimat. Sonst wird es heißen: Der Wahn ist kurz – die Reu ist lang.
Frank Wenzig, Hengen
