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Aktuell Leserbrief

»Silvesterböllerei überdenken«

Feuerwerk (per E-Mail)

Man kann sich manchmal nur wundern: Wir verpulvern in einer Nacht über 200 Millionen Euro. Viel Geld, das sinnvoller und nachhaltiger verwendet werden könnte. Die Silvesterknallerei hat Ausmaße angenommen, bei der die für Mensch und Tier entstehenden Nachteile zwischenzeitlich eindeutig überwiegen. Sie sind hinreichend bekannt, werden aber leider immer noch zu wenig wahrgenommen. So entsteht in nur einer Stunde eine Feinstaubbelastung, die nach Angaben des Umweltbundesamtes einem Prozent der gesamten Jahresemission in Deutschland entspricht. Weitere gesundheitliche Risiken betreffen Augenverletzungen, Hörschädigungen und Verbrennungen. Auch Haus- und Wildtiere sind stark betroffen. Zudem gibt es Sachschäden durch Brände mit einem Übermaß an Einsätzen unserer Rettungskräfte. Es bleiben Unmengen an Plastikabfällen und sonstigen Rückständen auf Straßen, Parkanlagen und in der Landschaft zurück, die meist nicht von den Verursachern beseitigt werden, sondern bei den kommunalen Bauhöfen Aufwand und Kosten entstehen lassen.

Obwohl drei Viertel aller Deutschen sich nicht an der Böllerei beteiligen, fehlt es der Politik leider etwas an Mut, auf diese Tatsachen entschlossen und wirkungsvoll zu reagieren. Stattdessen wird auf die Tradition der Knallerei verwiesen. Ja, Traditionen zu pflegen ist richtig und wichtig, aber nur, solange Sinnhaftigkeit und Nutzen überwiegen.

Pyrotechnik-Hersteller und Handel sehen das naturgemäß anders und verweisen auf entstehende Umsatzeinbußen. So war es auch bei der Zigarettenindustrie sowie Werbebranche, als es um das Werbungsverbot für Tabakerzeugnisse ging. Erst recht, als das Rauchen in öffentlichen Gebäuden und schließlich auch in Gaststätten untersagt wurde. Kurze Zeit später waren alle dankbar und froh, dass man Restaurants rauchfrei besuchen konnte. Zu lange hatten sich damals unsere Bundes- und Landespolitiker trotz massiver Appelle vieler Mediziner für diese Entscheidungen Zeit gelassen und mussten sich auch erst ein Beispiel an anderen europäischen Ländern nehmen. Natürlich ist ein Feuerwerk schön anzusehen, doch wildes, unkontrolliertes Knallen und Böllern passt nicht mehr in unsere Zeit. In einem so dicht besiedelten Land braucht es zwangsläufig verbindliche Verhaltensregeln.

Man kann es pragmatisch angehen, es muss ja nicht gleich ein Totalverbot von Silvesterraketen sein. Schnelle erste Maßnahmen wären hilfreich: Verkaufsverbot von nur Lärm erzeugenden Böllern, Zusatzbesteuerung von pyrotechnischen Produkten wie bei Zigaretten und Alkohol sowie Ausweitung von Verbotszonen beziehungsweise Ausweisung von zulässigen Flächen für das Abbrennen von Feuerwerkskörpern.

Das Zünden von Knallern, die lediglich einen ohrenbetäubenden Krach verursachen, hat mit Tradition rein gar nichts zu tun. Und zusätzliche Steuereinnahmen würden zumindest helfen, Kosten für Reinigung, Müllentsorgung und Feuerwehreinsätze auszugleichen, sofern das Geld den Kommunen überlassen wird.

Viel effektiver wäre ohnehin, wenn statt privater Raketen nur noch professionelle Feuerwerke stattfinden würden. Das müsste allerdings die pyrotechnische Branche und deren Lobby als ihre Aufgabe begreifen, also selbst Ideen entwickeln und initiativ werden. Und wir Zuschauende aber dann auch bereit sein, für eine solche besondere Veranstaltung eine »Eintrittsgebühr« zu bezahlen.

 

Klaus Bender, Riederich