Das endlose Parteien-Gezerre um die Rentenfrage/Rentendiskussion ist unerträglich. Zunächst einmal zu den Fakten. Deutschland hat eine Durchschnittsrente bei den Männern von 1.340 Euro und bei den Frauen von 981 Euro. Das ist für ein reiches Industrieland wie Deutschland eine Schande und ein Armutszeugnis. Im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarstaaten hinkt Deutschland mit seinem sehr bescheidenen Rentenniveau von 48 Prozent weit hinterher. Beispiele Österreich 78 Prozent, Italien (75), Spanien (75), Niederlande, Portugal, Griechenland (je 90).
Angesichts dieser Tatsache ist es zynisch, dass bei uns überhaupt eine Diskussion um die Sicherung des niedrigen Rentenniveaus von 48 Prozent geführt wird. Es wird dann zur Frechheit, wenn uns dies vonseiten der Politik auch noch als ein Erfolg und als erstrebenswert verkauft werden soll.
Die Forderung des Steuerzahlerbundes ist seit Langem, dass das Zwei-Klassen-Rentensystem endlich abgeschafft wird. Es ist nicht nachvollziehbar, warum von den gesamten »Experten« niemand auf diese naheliegendste Idee kommt. Dazu müsste aber das heiße Eisen der Pensionen angefasst werden. In Zeiten klammer Kassen ist es doch angezeigt, endlich eine wirkliche Rentenreform durchzuführen, die diese Bezeichnung auch verdient.
Mit der Einführung eines einheitlichen und solidarischen Rentensystems, in dem alle Erwerbstätigen, auch Beamte, Selbstständige und Politiker in einen gemeinsamen Rententopf einzahlen müssen, wäre ein solcher Schritt endlich vollzogen. Doch der politische Wille dazu fehlt noch immer. Ein Schelm, wer denkt, dass dies nicht passiert, weil sie sich ihre eigenen Pfründe nicht nehmen lassen wollen.
Auf längere Sicht gesehen wird man um eine wirkliche Rentenreform nicht herumkommen, um die Renten (auf einem besseren Niveau) und den sozialen Frieden zu sichern. Ein weiterer positiver Nebenaspekt davon wäre, dass mit der Umsetzung dieser Maßnahme die Sorgen um den Stimmenzuwachs der rechtslastigen AfD deutlich geringer würden. Also, worauf noch warten, die nächsten Wahlen stehen ja ins Haus.
Lothar Roth, Reutlingen
