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Aktuell Leserbrief

»Notwendigkeit einer ausgewogenen Darstellung«

Regional-Stadtbahn, Trassenführung in Pfullingen (per E-Mail)

Die Regionalstadtbahn ist ein Jahrhundertprojekt, das die Stadt Pfullingen über Jahrzehnte grundlegend verändern wird. Umso mehr ist es notwendig, das Projekt objektiv und ausgewogen darzustellen. Das ist nach meiner Wahrnehmung nicht der Fall.

In der Stellungnahme des Bürgermeisters im aktuellen Amtsblatt wird wiederholt versucht, die beiden letzten Beschlussfassungen des Pfullinger Gemeinderats aus den Jahren 2019 und 2023 als »Grundsatzbeschlüsse« und Zustimmung des Gemeinderats zu diesem Projekt darzustellen. Das Ziel dieser Beschlüsse war, die zur Beurteilung und Bewertung des Projektes erforderlichen Unterlagen zur Klärung offener Fragen auf den Tisch des Gemeinderats zu bekommen. Das ist bis heute nicht der Fall. Grundlegende städtebauliche, technische und finanzielle Fragen sind bis heute nicht geklärt.

Die drei städtebaulichen Gutachter der Stadt, allesamt namhafte Architekten und Städteplaner, haben durchweg auf die Problematik der Innenstadttrasse wegen der in Pfullingen streckenweise beengten Verhältnisse hingewiesen. Professor Dr. Wolfgang Lorch, einer der renommiertesten Städteplaner im Land, hat das gegenüber der Pfullinger Verwaltung, wie er mir sagte, mit praktischen Beispielen belegt. Er hätte aber den Eindruck gewonnen, dass die Verwaltung festgelegt sei und andere Meinungen gar nicht hören wollte.

Die Verwaltung hat die Stellungnahmen der Gutachter vermutlich deswegen bewusst nicht aktiv kommuniziert, dafür aber den angeblich einstimmigen Beschluss des Vorstands des Gewerbe- und Handelsvereins für die Innenstadttrasse in den Vordergrund gestellt. Wie sich jetzt herausstellt, wurden betroffene Händler in der Innenstadt sowohl von der Verwaltung als auch vom GHV gar nicht gehört. Diese Händler sind gegen die Innenstadttrasse, weil sie unter anderem wegen des Wegfalls vieler Parkplätze und ihrer Laufkundschaft die Existenz ihrer Geschäfte gefährdet sehen.

Ebenfalls in den Vordergrund gestellt wird das Plädoyer des Jugendgemeinderats für die Innenstadttrasse mit der Begründung, die Bahn müsse dorthin »wo die Menschen sind« und wo die kürzesten Wege zu den Schulen bestehen. Diese Begründung lässt völlig außer Acht, dass die Innenstadttrasse, wie es die Gutachter sagen, die Aufenthaltsqualität in der Stadt beeinträchtigen wird, Ladengeschäfte wegfallen, die Fußwege nicht wesentlich verlängert werden und viele Jugendliche, die nach wie vor auf Busse angewiesen sind, gar nicht davon profitieren.

Die Stadt Ludwigsburg betreibt aktuell den Ausstieg aus einem organisatorisch und technisch vergleichbaren Stadtbahnprojekt. Die Stadt Ludwigsburg will die hohen Kosten für das Projekt einsparen und einen kostengünstigeren Busverkehr organisieren.

Bei einer geplanten Gesamtverschuldung von mehr als 50 Millionen Euro, die der aktuelle Haushaltsentwurf 2026/2027 der Stadt Pfullingen in Summe für den Kernhaushalt und die Pfullinger Wohnbau bis Ende 2027 ausweist, würde ein verantwortungsbewusstes Handeln ebenfalls solche Überlegungen erfordern.

 

Gert Klaiber, Pfullingen