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Aktuell Leserbrief

»Mit Widerstand ist zu rechnen«

Zum Leserbrief »Man kann alles kaputt kriegen« vom 5. Juli (per E-Mail)

Andreas Roth, langjähriger franz.K-Geschäftsführer, hat mit seinem Leserbrief vom 5. Juli völlig recht: Das Kulturzentrum franz.K und dessen Open-Air-Gelände, der »Echazhafen«, müssen unter allen Umständen von Trassenplanungen der Regionalstadtbahn verschont bleiben. Zum Hintergrund: Die zwei sinnvollen Varianten für die Führung der Stadtbahn vom Echaztal durch Reutlingen verlaufen entweder durch die Gartenstraße oder die Lederstraße. Diese beiden Trassen erfüllen wichtige Kriterien, nämlich eine direkte Anbindung an das örtliche ÖPNV-Netz und die Erfassung innerstädtischer Einzugsbereiche; Letzteres ist für die Stadtentwicklung von Bedeutung.

Die dritte Variante – am Fuß der Achalm entlang und abseits der Innenstadt – erfüllt diese Kriterien nur unzureichend und ist für eine Stadtbahn eigentlich nicht diskussionswürdig. Bei mindestens einer der beiden wünschenswerten Varianten sieht der aktuelle Planungsstand allerdings vor, das komplizierte System der Einschleifung in das Bahnnetz über jenes Gelände zu führen, welches vom Kulturzentrum franz.K als Open-Air-Gelände genutzt wird. Und genau das sollte man in der weiteren Planung unbedingt vermeiden.

Der Echazhafen ist mit jährlich etwa 15.000 Besuchern längst zu einem zweiten Standbein des Kulturzentrums geworden und im Verbund mit dem franz.K ein bedeutender Teil der städtischen Kulturszene – ein Juwel, wie man so sagt. Wenn die Betreiber sagen, franz.K mit Echazhafen funktionieren nur in unmittelbarer Nachbarschaft, ist das leicht nachvollziehbar: Dass die gesamte Infrastruktur, Technik und Personalaufwand an irgendeinem anderen Ort, den das franz.K eventuell als Ausgleichsgelände bekäme, keineswegs reibungslos zu meistern wären, leuchtet auch mir Uneingeweihtem ein.

Als VCD-Vertreter ist mir die Bedeutung des RSB-Projekts sowohl für die Zukunft der Region als auch für die Stadtentwicklung bewusst. Bekanntlich wirbt unsere Kreisgruppe des Verkehrsclubs Deutschland zusammen mit anderen Umweltverbänden bei jeder sich bietenden Gelegenheit für die Regionalstadtbahn. Ich fürchte aber, wenn Planer und Stadt die Innenstadttrasse auf Kosten des Kulturzentrums durchdrücken wollten, müssen sie mit Widerstand rechnen, und zwar gerade von jenen Teilen der Bürgerschaft, die eigentlich überzeugt zur Stadtbahn stehen.

Dass damit in Reutlingen womöglich die Akzeptanz des ganzen Projekts gefährdet wäre, ist nicht abwegig. Der Tübinger Bürgerentscheid von 2022 ging war ein herber Rückschlag. Wenn es in Reutlingen zu ähnlichen Entwicklungen käme, wäre das fatal für die gesamte Stadtbahnprojekt.

 

Peter Stary, Reutlingen