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Aktuell Leserbrief

»Mehrheiten werden schlichtweg ignoriert«

Zum Artikel »Die große Böllerkontroverse« und zum Kommentar »Man kann nicht alles verbieten« vom 29. Dezember (per E-Mail)

Natürlich kann und soll man nicht alles verbieten, wir leben zum Glück in einem freiheitlich orientierten Land. In Sachen »privates Feuerwerk an Silvester« gibt es zahlreiche Gründe dafür, ebenso viele dagegen. Jeder wird die Argumente für sich selber bewerten und als gut oder schlecht beurteilen. Was mich an der Diskussion kopfschüttelnd zurücklässt, ist, dass offensichtlich die Mehrheit in der Bevölkerung für ein Verbot ist, die Politik sich aber über diese Mehrheit hinwegsetzt. Ebenso wie über das Thema Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen und Abschaffung der zweimal jährlich stattfindenden Zeitenwechsel zwischen mitteleuropäischer Zeit und Sommerzeit. Wenn ich Umfragen richtig erinnere, gibt es jeweils eindeutige Mehrheiten, die schlichtweg ignoriert werden. »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus«, heißt es in der Verfassung. Warum wird dieser einfache Satz nicht bei den Themen Böllern, Tempolimit und Sommerzeit angewendet? Warum darf der vielzitierte Souverän nicht über Volksabstimmungen Klarheit schaffen? Warum wird nicht mehr Demokratie gewagt? So wird Politikverdrossenheit genährt.

 

Andreas Tschunkert, Reutlingen